I can make shoes. Really?!

Letzten Monat hat sich für mich ein lang gehegter Wunsch erfüllt: ich habe an einem Shoemaking Workshop in London teilgenommen und ein Paar Lederschuhe von A bis Z selbst hergestellt! Unglaublich.

Und es hat so viel Spaß gemacht! Verrückt fand ich ja die Tatsache, dass ich in ganz Berlin, sogar ganz Deutschland keinen vergleichbaren Workshop gefunden habe und dafür bis nach London reisen musste. Und ich war nicht mal die Teilnehmerin mit der weitesten Anreise: eine Lady kam sogar aus Nigeria für diesen Kurs!

Die junge Australierin Amanda hat sich aber auch ein besonders schönes Konzept ausgedacht für ihre „I can make Shoes“ Akademie. Sie hat eine einfache Technik für Anfänger entwickelt, die im Prinzip jeder lernen kann (und auch später zuhause umsetzen), der nicht komplett zwei linke Hände hat. Schwere Schustermaschinen braucht man nicht – genäht wird auf ganz normalen Nähmaschinen. 

   

Etwas überrascht war ich gleich zu Beginn des Kurses, denn wir wurden aufgefordert, unseren Schuh auch selbst zu designen! Dazu wurde eine Schusterleiste rundum mit Tesa Kreppband umklebt, auf der wir dann unser Wunschmodell einfach aufgezeichnet haben. Mit dem Cuttermesser entlang der Linien aufgeschnitten und flach aufgeklebt – voila, schon hat man ein Schuh Schnittmuster! Wenn das mit Kleidung auch so einfach wäre! 😀

Es gab eine bunt gemischte Auswahl an Leder und jede von uns 5 Damen hat sich etwas komplett anderes ausgesucht. Lackleder war dabei, sowie eines mit roter Satinbeschichtung, ein Royalblaues Velourleder, eins mit metallischem Paisleydruck und ich hab mich für ganz neutrales Beige entschieden, aber 2 verschiedene Leder verwendet, Glatt- und Velour. Mein spontaner Entwurf wurde nämlich ein Oxford Schuh, der aus 2 Schnittteilen besteht. Während die anderen Damen sich an verschiedenen Pumps Modellen versucht haben, wollte ich das ganze Programm – mit Schnürung, Lasche und Co. Meine Logik: hier hab ich Unterstützung und kann was Kompliziertes machen (und dabei maximal viel lernen) – und die einfache(re)n Pumps mach ich dann zuhause alleine. Mit links. 😉

Dass diese Idee nicht ganz so grandios war wie gedacht, stellte ich schon nach dem Zuschneiden fest, denn ich hatte doppelt so viele Teile wie die anderen und brauchte natürlich auch für alles entsprechend länger. Dazu trägt dann mein Perfektionismus auch nichts Gutes bei. 

3 Tage a 5 Stunden Unterricht – die Zeit geht weg wie nichts. Zur Halbzeit, Tag zwei am Mittag, sah mein Werk so aus:

Mit Unterstützung der Kursleiterin (und Überstunden) konnte ich aber wieder etwas aufholen. Und optimistisch in den Endspurt starten. Endlich kam der Lederschaft auf die Leisten und sah allmählich aus wie ein richtiger Schuh! 

Die Absätze wurden noch schön mit Leder bezogen und während beim Schaft herstellen nur mit Lösungsmittelfreiem Leim gearbeitet wurde, musste für die dicke Schuhsohle so ein fieser giftiger und stinkender Klebstoff aufgetragen werden (am Fenster versteht sich). 

Die Sohle wird dann also aufgeklebt und danach der Absatz angeschraubt. Vorher mussten aber Löcher gebohrt werden und zwar mit der Bohrmaschine, die ich tatsächlich zum ersten Mal in meinem Leben benutzt habe – zweimal durch den Schuh bis in den Absatz rein. (Wer in der Galerie unten ganz genau hinsieht, stellt fest, dass ich Bohren noch üben muss und einen Absatz ziemlich schief angebracht habe)

Damit man die Schrauben weder sieht noch spürt, wurden sogenannte „Socks“ angefertigt, bestehend aus einer Moosgummischicht und einem dekorativen Leder.

Tja, und schon hat man ein paar Schuhe gemacht! Es ist jetzt nicht unbedingt babyleicht, aber auch nicht so schwer, dass ich mir nicht zutrauen würde, es auch zuhause zu probieren. Ich bin gerade dabei, mir alle Materialien zusammenzusuchen und halte euch auf dem Laufenden…

Bis dahin könnt ihr euch an der Galerie von meinem Erstlingspaar erfreuen: 

Natürlich konnte ich es nicht lassen, in London noch eine kleine Shoppingtour zu machen. Andere Leute kaufen auf Reisen Kühlschrankmagnete, ich kauf immer Stoffe und Nähzubehör. Und neuerdings auch Leder 🙂
Ich war in Bethnal Green/Shoreditch unterwegs, wo ich sehr preiswert bei indischen Straßenhändlern einkaufen konnte (das sind wohl Sariborten).

Stolz wie Oskar stöckel ich mit meinen feinen Schuhen zum heutigen RUMS. Fallera. Und spaziere weiter zu Meertjes Stuff

13 Gedanken zu „I can make shoes. Really?!“

  1. Wow, Wow Wow!!! Richtig toll! Solch einen Kurs würde ich auch sofort belegen. Deine Schuhe sehen sehr professionell aus. Da ich recht kleine Füße habe 35/36, habe ich oft Probleme gut sitzende Schuhe zu finden (Kinderschuhe sehen leider oft aus wie Kinderschuhe) und zudem habe ich oft genau Vorstellungen welche Schuhe ich suche -find ich dann natürlich nicht. Daher wäre so ein Kurs genau das richtige für mich 😉
    Ich bin gespannt ob man bald noch mehr Schuhe von dir zu sehen bekommt 🙂
    Liebe Grüße
    Laura

  2. Glückwunsch zu deinen eigenen Schuhen! Ich finde das Thema auch sehr spannend. Wenn man nicht nach England will, sondern eher im Süden wohnt, in der Schweiz gibt es auch Kurse http://www.zwickmuehle.ch/kurse.html wobei ich selbst noch nicht so einen mitgemacht habe, sondern nur nach seinem Buch ein bisschen vor mich hingebastelt habe.
    Ich bin neugierig was du als nächstes in der Richtung vorhast.

    1. Danke! Die Zwickmühle hatte ich tatsächlich auch in der näheren Auswahl und besitze das Buch „Schuhwerk“, aber dort sind die Kurse schneller ausgebucht, als ich mich auf einen Termin festlegen kann und von Berlin aus hätte ich auch dorthin fliegen müssen. Ich hab mich nur mit Buch nicht getraut, einfach loszulegen. Hast du schon ein Paar gemacht?

      1. Ja,aber nur mit mäßigem Erfolg. Die Schnitte aus dem Buch passen nicht gut zu meiner Fußform. Zu wenig Platz an den Zehen und der Rest zu weit. Die Ballerinas habe ich testweise aus Polsterstoff bzw Wachstuch versucht aber trotz aller Anpassung wollte der nicht an meinem Fuß halten. Den Boot habe ich dann aus so einer Art Rucksack-Stoff mit Fleecefutter genäht, das ging und als ich es dann aus Leder versucht habe, war es um den Knöchel zu schlagfertig. Derzeit versuche ich mich an der Damensalon. Richtig aus Leder und mit „echtem“ Brandsohlenmaterial. Allerdings steht es bei der ersten Anprobe vor dem Festnähen an die Sohle schon wieder stellenweise ab. Bei deiner Technik sieht es so aus, als würden Sohle und Schaft nur verklebt nicht genäht ist das so?

        1. Ja genau – alles wird nur verklebt. Genäht haben wir nur den oberen Teil des Schuhs (Schaft) mit der Nähmaschine. Aber du arbeitest auch auf Leisten oder? Dann würde ich denken, die Paßformprobleme liegen eher an den Leisten als am Schnitt. Ich habe 2 Paar gebrauchte Leisten auf ebay gekauft (für flache und für Absatzschuhe) und weiß auch noch nicht ob ich rausfinden kann, ob die Größe passend ist, bevor ich die ganze Arbeit, bzw. einen kompletten Schuh gemacht habe.

          1. Nein, bisher habe ich nach den Anleitungen aus Schuhwerk, dem Buch, gearbeitet und die kommen ohne Leisten aus. Allerdings werden dort dann Sohle und Schaft vernäht und wenn man nicht diesen Espadrilles-Look möchte, sondern die Naht innen liegen soll ist das furchtbar fummelig. Die Brandsohleform hatte ich mir schon anhand meiner Fußumrisse abgeändert aber ob es sonst passt, merkt man erst, wenn es zu spät ist. Und dann verhält sich jedes Material anders. Das heißt ein passendes Probezeit bevor man das gute Leder anschneidet ist keine Garantie. Nach deinem Post habe ich mir Amandas ebook wie man Derby Schuhe herstellt gekauft und nachdem ich gesehen habe, das für ihre Methode Leisten zwingend sind, mir aus Abformmasse je einen Klon für meine Füße erschaffen. Am Wochenende will ich mich dann mal an die Schnitterstellung wagen. Bin schon sehr gespannt. Natürlich wäre ein echter Holzleisten toller, aber für den ersten Versuch muss das jetzt so gehen.

  3. Wow! Die sehen einfach nur WOW aus. Mehr kann man dazu fast nicht sagen. Sie wirken überhaupt nicht wie selbstgemacht. Mich würde interessieren wie das Laufen darin klappt? Ist es angenehm, oder drückt irgendwas? Auf jedenfall mit der coolste Rums diese Woche.

    Liebe Grüße
    Christiane

    1. Also, sie drücken gar nicht, eher könnte noch eine kleine Einlegesohle rein, wenn ich sie mit dünnen Strümpfen tragen möchte. Allerdings ist die Ledersohle noch nicht straßentauglich. Da muss noch eine Gummi Laufsohle drunter. Für Anti-Rutsch und schlechtes Wetter.

  4. Da hast Du Dir einen tollen Wunsch erfüllt und das Ergebnis ist durchaus sehr sehens- und bestimmt auch tragenswert! Mir sind in den letzten wochen auf Instagram auch immer wieder selbst gefertigte Lederschuhe begegnet – da bekommt man wirklich Lust auf ein eigenes Paar! Lg, Frieda

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