#2018DIYDONTBUY – Ach… näh! Stricken geht schneller

Das Monatsthema für den Februar bei der #2018DIYDONTBUY Challenge lautet „Herausforderungen und Versuchungen. Dazu kann ich so viel berichten, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Vielleicht erstmal mit meinem aktuellen Nähprojekt. 
Ich war im Januar in Neuharlingersiel im Nähcamp der DJH und hatte mir dafür ein Mammutprojekt ausgewählt: eine gefütterte Winterjacke. Modell Harriet von Named Clothing. 

Ich hatte leider keine Zeit mich vorzubereiten und musste alles vor Ort machen, der erste Tag ging allein nur für das Zusammenkleben der PDF Seiten, Schnitt übertragen und Zuschnitt von Außenstoff, Zwischenfutter und Futter drauf. Am nächsten Tag dann noch die zahlreichen Vlieseline Verstärkungen und bevor ich einen Stich genäht hatte, war die Hälfte des Nähcamp Wochenendes schon rum. Ich habe mich ausnahmsweise mal schön der Reihe nach an die Arbeitsschritte gehalten, wie sie in der Anleitung stehen. So weit bin ich also gekommen:

Die Außenjacke ist fertig mit allem Schnickschnack, nur die Ärmel müssen noch eingesetzt werden.

Und genau so liegt das Projekt seit einem Monat in der Warteschleife und die Nähmaschine hatte Pause. Aber das Nähwochenende hatte ein wirklich schönes Highlight: ich habe eine alte Freundin die ich seit dem Kindergarten kenne, aber seit dem Ende der Schulzeit nicht mehr gesehen habe, dort wieder getroffen! Das Rosamäh hatte mich vor einiger Zeit in einer facebook Gruppe wieder erkannt und so sind wir jetzt Nähschwestern. Ihre echte Schwester hatte sie auch mitgebracht nach Neuharlingersiel und wir „Kinder vom Dorf“ hatten viel zu quatschen. 
 
Es ist aber trotzdem ein neues Kleidungsstück entstanden im Februar. Ich habe nämlich insgesamt ca 2000 km mit der Bahn zurückgelegt und die Zeit natürlich zum Stricken genutzt. Mit 7er Nadeln und ohne kompliziertes Muster wurde deshalb ziemlich schnell diese fantastische Mohairjacke fertig. Die Wolle ist auch wieder von Drops und heißt „Melody„. Die Farbe ist sehr speziell und heißt „hell seegrün“ aber geht auch ins hellblau/grau mit einem Schuss mint. Ich liebe alles an dieser Jacke, sowohl die Farbe, als auch die Kuscheligkeit des Alpaka Garns und den Schnitt

Den habe ich auf der Suche nach genau so einer schlichten Jackenanleitung bei Lotilda gefunden. Ich musste allerdings die Maschenzahlen für mein Garn nach der Maschenprobe neu berechnen.

Ich mache ja meine Blogfotos fast alle selbst in meiner Wohnung mit Stativ und Selbstauslöser. Meine Kamera hat in letzter Zeit ziemlich rumgezickt, sie ist auch schon ziemlich alt. Als ich nach einem neuen Modell recherchiert habe und erfahren habe, dass die neuen Kameras alle Wifi haben und man sie mit dem Handy als Fernauslöser bedienen kann, war ich sehr angefixt und als ich bei „asgoodasnew“, einem Online Gebrauchtwarenhändler, ein Schnäppchen machen konnte, hab ich zugeschlagen. Was für eine Erleichterung für meine Blogfotos! Nicht mehr zig mal hin- und her rennen um festzustellen, dass man nur halb auf dem Bild ist oder ohne Füße… ich bin einfach nur begeistert. (Für Interessierte: es ist eine Sony DSC-RX10). 
Ich sehe den Bildausschnitt auf dem Handydisplay, kann das Objektiv sogar ferngesteuert zoomen und dann zeitverzögert auslösen, so dass ich das Smartphone noch schnell weglegen kann. Achso, das Bild hab ich dann auch direkt auf dem Handy und kann es verschicken oder instagrammen. Bäm!

Zurück zur Handarbeit: das Tolle am Stricken im Vergleich zum Nähen ist ja, man braucht nie viel. Nicht viel Zeit am Stück, nicht viel Platz, keinen Maschinenpark. Okay, ein Projekt dauert etwas länger bis zur Fertigstellung – meistens jedenfalls. Aber meine Strickjacke ging in dem Fall schneller als die gefütterte Winterjacke zu nähen. 

Ich bin also nun endgültig mit dem Strickfieber infiziert und plane bereits die nächsten Projekte: 

Die Strickjacke „Trilogy Cardigan“ aus Baumwolle in schwarz und beige. Ist das Design nicht super? Ich bin so ein Fan von grafischen Mustern. Damit schließe ich mich jetzt nachträglich noch dem #fjka2018 an. 

Und einen ganz klassischen Breton Pullover, ein „Mariniere“ so einen wie Picasso ihn getragen hat. 

Bildergebnis für breton picasso
Quelle: Pinterest

Ich habe Maschenproben gestrickt und – weil die Baumwollpullis später passend aus der Waschmaschine kommen sollen – gewaschen. 

Falls jetzt jemand denkt, das läuft ja hier bei mir wie am Fließband…. da kommen wir zum Hauptthema dieses Beitrags. Ich verbringe Ewigkeiten mit der Recherche für meine Projekte. Ich habe mit pinterest und google  nach Anleitungen gesucht, die möglichst konkret zu meinen Vorstellungen und zum Garn passen. Ich speichere dabei zig Modelle ab, die jetzt nicht den Kriterien entsprechen, aber super toll sind und für später… klicke mich von deutschen Strickseiten über englische sogar zu französischen. Bei den Franzosen gibts schöne Mariniere Modelle (klar, kommt ja aus der Bretagne), ich schwanke noch zwischen 1 und 5. 

Lande auf den Seiten von Garnherstellern, die ich noch nicht kannte und bin versucht, gleich schon wieder neue Wolle zu bestellen, weil es da so fantastische Sachen gibt. Gerade bei Wolle habe ich mich gerade erst mit dem Bio- und Nachhaltigkeitsthema befasst und geschaut, was es da so (in bezahlbar) gibt. Wolle aus Mais zum Beispiel. Oder Hanf. Weil Baumwolle ist ja eigentlich unter dem Öko Aspekt nicht gerade der beste Rohstoff. Es juckt mich in den Fingern, neue Ecoyarns auszuprobieren – aber es ist ja auch überhaupt nicht nachhaltig, wenn ich die Wolle die ich bereits gekauft habe, gar nicht verwende. Also muss ich der Versuchung widerstehen und erst mal mein Lager abarbeiten. 

Die zweite große Versuchung der letzen Wochen war, einen Bogen um die Fertigstellung meiner Jacke zu machen (ist ja noch sooo viel Arbeit mit dem ganzen Futter…) und mal ein kleines schnelles Projekt dazwischen zu schieben. Ich fürchte nämlich, wenn der Bann gebrochen ist, wird die Jacke in dieser Wintersaison gar nicht mehr fertig. Aber da bin ich jetzt eisern, zuerst wird die Jacke zu Ende genäht. 
Allerdings muss ich mal langsam diese Blockade lösen, denn ich habe eine wahnsinnig lange To-Sew-Liste. Nicht aufgeschrieben – nur in meinem Kopf, auf meiner Festplatte und im Stofflager.

Der Inhalt dieser Koffer ist ungefähr die Hälfte meines Lagers. Vieeeeel zu vieeeeel! Ich sollte DONTBUY auch mal auf Stoff und Wolle anwenden, aber das wäre dann doch zu krass. Oder?
Kennt das jemand und verbringt auch gefühlt mehr Zeit mit der Schnittmuster und Materialsuche als mit dem eigentlichen Nähen? Habt ihr auch digitale Ordner voll mit „Inspirationen“, für deren vollständige Umsetzung ihr mindestens 257 Jahre alt werden müsstet? Habt ihr auch so viel Kopfkino, dass ihr gar nicht mehr wisst, was als nächstes dran kommen „darf“? Gehört ihr auch zu den anonymen Stoffsüchtigen? Und wenn ja, gibts da Lösungen? Wie sortiert ihr euch? Ich hab leider den Hang, mir immer viel zu viel vorzunehmen und merke, dass mich das zum Teil auch stresst. Da käme mir Abhilfe sehr gelegen und ich wäre dankbar für Tips von euch. 

P.S.: in meinem Kopf drehte sich dieser Beitrag ausserdem noch um all die Dinge, die 2018 technische Herausforderungen für mich werden. Ich will nämlich, trotz Kauferlaubnis, Unterwäsche nähen. Außerdem Stoff und Wolle selbst natürlich färben und mit Mustern bedrucken oder per Hand besticken.  Bändchenweben hat auch was und vielleicht wäre es spannend, mal zu lernen wie man Wolle spinnt…? Spinnen? Spinnen ist in Anbetracht all dieser Ideen wohl das richtige Stichwort. 

Verlinkt: Auf den Nadeln im Februar, #2018DIYDontBuyFannys liebste Maschen, Häkelline

4 Gedanken zu „#2018DIYDONTBUY – Ach… näh! Stricken geht schneller“

  1. Jaaa! Das kenne ich. Ich nähe seit 5-6 Jahren und ich habe mich jetzt meiner Sucht gestellt. Heute bin ich mit dem Vermessen fertig geworden, meine Inventur hat 294 m ergeben 10 Samla-Kisten von Ikea plus 1 für Bündchen und 3 für Reste. Ich miste gerade die Reste aus und spende diese einer Gruppe, die für Frühchen und Sternenkinder nähen. Was soll ich sagen, ich bin auf Blogs unterwegs, habe die Festplatte voller Schnitte und bislang habe ich es noch nicht auf die Wolle ausgeweitet. Stricken kann ich nur rudimentär. Deine Jacke finde ich wunderbar, gefällt mir sehr. Im Januar war ich auch in Neuharlingersiel, aber Dein Gesicht sagt mir nichts. Ich war im Raum oben bei Nina…Du scheinst in der Bewegungahalle gewesen zu sein. Ich habe auch nicht viel genäht trotz Zuschnitt daheim. Ich schaue gerne nach rechts und links und kann unter Stress so gar nicht nähen. So – schon wieder bin Ich im Netz unterwegs…Lange war ich nicht auf Deinem Blog, ich komm wieder…

    1. Oha! Wow, abgesehen vom Zeitaufwand, ich traue mich überhaupt gar nicht, meine ganzen Stoffe zu vermessen. Der Schock wäre aber vermutlich wirksam – ich denke mal drüber nach. Gut 3stellige Zahlen sind da auch auf jeden Fall zu erwarten. In welchem Leben ich das alles vernähen will… tja. Berlin ist groß genug, vielleicht organisiere ich einfach mal eine Stoffbörse zum Tauschen und Verkaufen.
      Die Strickjacke ist meiner Meinung nach übrigens durchaus auch ein Anfängerprojekt, man muss nur beim Ausschnitt an den Vorderteilen etwas aufpassen, Ärmel und Rückenteil sind einfach nur Rechtecke. Und: im Januar gabs auch ein Nähcamp ohne Hedi, auf dem war ich. In der Bewegungshalle.

  2. Ach, herzerfrischend! 😀 Das sind alles Themen, die ich kenne – toll, wieviele du in einem einzigen Blogbeitrag unterbringst! Es sprudelt eben! Ich kenne es zu gut, wenn Ideen schneller sind als man realisieren kann, man nur noch notiert, recherchiert, reflektiert – nur nix fabriziert. Und dann kommt ne hübsche Blockade. Das finde ich so spannend, dass ich das genau beobachte um nicht, bis ich 100 bin, immer dieselben Phase durchlaufe, zumindest nicht unbewusst. Es ist inzwischen so eine Art Forschungsthema von mir 😉 Aber eine Frage hätte ich noch: Wie hast du das denn bisher gemacht mit deinen Selbstportraits – ich hatte bisher keine Kamera und jetzt neuerdings eine alte gebrauchte (deine alte ist wohlmöglich meine neue) und verstehe nicht, wie ich die Bilder mit Fernauslöser scharf kriegen soll. Ich hab tolle Bilder gemacht, nur leider ist die Zimmerpflanze scharf und nicht ich. Hast du da einen Tipp für mich? Dankende Grüße, Veronika aka Frau von Thümpl

    1. Puh. Das tut mir gerade gut zu wissen, dass es Menschen gibt, die ähnlich ticken. Danke! Bewusst handeln und Selbstreflexion hilft natürlich enorm, wenn man etwas verändern will. Trotzdem, man kann nicht immer alles unter Kontrolle haben und ich akzeptiere, dass ich nicht jederzeit auf dem gleichen Level produktiv bin und sein kann. Ich habe als Grafikerin auch noch einen kreativen Beruf, bei dem ich mir die „Auszeiten“ nicht selbst aussuchen kann, aber auch da ist das so. Manchmal sprudelt es nur so und ein anderes mal muss ich mich selbst zwingen (oder die Deadline).
      Meine Vorgänger Kamera hatte einen ok funktionierenden Autofokus. Es gab schon hier und da Ausschuss wegen Unschärfe, aber überwiegend hat das funktioniert. Deine Kamera ist aber nicht sooo alt, dass man noch manuell fokussieren muss, oder ? 😀

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