The Refashioners 2018 – Teil 1

Ich bin wieder dabei – bei „The Refashioners„. Meinen Zweiteiler vom letzten Jahr trage ich übrigens sehr gerne, sowohl als Kombi, als auch einzeln. 

Dieses Jahr lautet das Motto „Inspired by“ und ich hatte die freie Wahl, mich von was auch immer inspirieren zu lassen – um es dann als Refashion-Projekt umzusetzen. Ich hatte schnell die Idee, irgendwas mit Spitzen zu machen, wofür man alte Tischdecken, Gardinen, etc. verwenden könnte. Hier meine Inspirationen (Fotos sind von Anthropologie):

Da ich bereits letztes Jahr einige Meter Spitzenborte von einem alten Vorhang aus dem Hausmüll „gerettet“ habe, fiel meine Wahl auf die Version oben rechts. Aber mal ehrlich – ohne eine Hose in genau der Farbe macht das Ganze ja keinen Sinn!

Für die Hose musste ich gezielt auf die Suche nach Ausgangsmaterial gehen und habe mich dafür bei den ebay Kleinanzeigen und KleiderKreisel umgeschaut. Mit Standort-Filter Berlin, denn man muss ja nichts quer durch die Republik schicken, wenn es auch anders geht. Was hab ich gefunden? Einen Jumpsuit, das wäre eine recht einfache Lösung – nur Oberteil abtrennen und schon hat man eine Hose.  Leider konnte mir die Verkäuferin auf Nachfrage nicht sagen, aus welchem Material der Anzug ist. Steht ja normalerweise im Kleidungsstück/Etikett, aber gut – vielleicht kann sie nicht lesen. Hab das Teil dann auch nicht gekauft, denn am Ende einen 100% Polyester Fetzen zu bekommen, war mir zu riskant. Zum Glück fand ich auf KleiderKreisel diesen Leinenrock, den ich dann mit einer super netten persönlichen Übergabe vor dem Berliner Ensemble Theater erworben habe.

Ich bin ein bißchen überfragt, ob ich damit meinem Jahresmotto „2018-DIY-Don´t Buy“ noch gerecht werde. Aber das war mir in dem Fall auch Schnuppe. Tatsächlich hat mich aber mein Bruder auch leicht irritiert gefragt, ob es nicht total sinnfrei ist, einen Rock zu kaufen mit der Absicht, eine Hose daraus zu nähen. Ich vermute – ja, das ist es. So what. Ihr versteht mich ja immerhin 😉 (…oder?)

Jetzt ging es an die Schnittsuche. Für das Top brauche ich ja nur einen ganz schlichten eher kastigen Schnitt mit langen Ärmeln – sowas müsste in meinem Nähbuch aus Japan sein.

 

Ich blätterte es durch und fand auch einen super Hosenschnitt, im Buch auch aus Leinen genäht – wunderbar, denn so konnte ich mir das Ergebnis besser vorstellen. 

Als ich das Buch in Tokyo gekauft habe, dachte ich – egal welche Sprache, mein Nählevel reicht aus, um ohne Anleitung diese Sachen zu nähen. Stimmt auch. Aber wie zur Hölle findet man heraus, welche Schnitt-Teile man vom Bogen abkopieren muss? Zum Glück hatten die einfach lateinische Buchstaben – ich musste nur nach „G“ suchen. Und welche Größe? Ich habe vermutet, dass mit den Zahlen 7, 9, 11 und 13 (die einzigen Zeichen, die ich außer „Lesson 12“ und „G“ auf dieser Seite überhaupt lesen konnte) eventuell die Größen gemeint sein könnten. Und mit Hilfe von Google herausgefunden, dass tatsächlich die japanische Größe 9 eine europäische Größe 38 oder M ist. 

Das ist das erste mal, dass ich überhaupt aus einem Nähbuch nähe – haha, warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?! Apropos japanisches Nähbuch: vor kurzem hat mich Melanie vom Stiebner Verlag und vom Blog „The Flying Needle“ angefragt, ob ich vielleicht Lust habe, Bücher aus dem Verlagsprogramm zu rezensieren. Hatte ich und jetzt kommt eine kurze Werbeunterbrechung: Im Stiebner Verlag gibt es nämlich japanische Nähbücher auf deutsch übersetzt. Ich habe mir von Melanie ein solches schicken lassen, und zwar ein Exemplar von „Schöner Nähen mit Profitechniken„. Schöner Nähen mit Profitechniken Ein Nachschlagwerk konnte ich tatsächlich dringend gebrauchen, denn ich muss viele Techniken immer wieder nachschauen – wie bei dieser Hose die Paspeltaschen (die im Schnitt gar nicht vorgesehen waren, aber ich finde das muss sein) und den seitlichen Nahtreißverschluss. Egal wie viele Paspeltaschen ich schon genäht habe – das kann ich mir einfach nicht merken! Das Buch hat für jede Technik Step-by-Step Anleitungen mit vielen Fotos, das ist wirklich super hilfreich und empfehlenswert. 

Zurück zu meiner Refashion Hose: Für den Zuschnitt habe ich den Bund abgetrennt und dann die Hosenbeine sowie die Taschenbeutel zugeschnitten. Den Bund – wie er am Rock war – fand ich eigentlich total schön und habe beschlossen, auszuprobieren, ob ich den nicht einfach auch genau  so für die Hose verwenden könnte. 

Zur Überprüfung der Größe hatte ich eine passende Hose mit dem Schnitt abgeglichen und das sah ganz gut aus, außer dass die vorgesehenen Abnhäher hinten wohl dazu führen würden, dass sie zu eng wird. Also hab ich einfach nichts abgenäht und ein Glück – sie passt und sitzt ohne Abnäher hinten perfekt 😉 
Ich hätte wohl oben für mehr Luft eine Größe 11 vertragen können, aber Leinen gibt nach und die Hose ist nicht unbequem. Was ganz bestimmt auch dem Original Bund zu verdanken ist, denn der ist auf der Rückseite aus Bündchenstoff mit eingenähtem Gummiband – also elastisch. Von dem Faltenteil vorne habe ich ein bißchen weggenommen – mir gefällt das Ergebnis wirklich richtig gut! Außer keine Abnäher zu machen, habe ich ansonsten NICHTS am Schnitt geändert oder angepasst. Bei einer Hose. Wie krass ist das denn?!

Das Spitzentop ist leider noch nicht fertig und ich übe mich gerade im Häkeln um die Lochmusterteile genau wie in der Inspirationsvorlage hinzubekommen….

Solange kann die Hose aber schonmal getragen werden, sie ist nämlich nicht wintertauglich und daher werden die letzten warmen Tage genutzt um sie auszuführen…

…z.B. mit gekauftem Blusentop und grauer Strickjacke…

… oder mit farblich passendem Morris Blazer und Cami Top richtig
Business tauglich…

… oder herbstlich mit Bluse und buntem Schal…

… und Kuschel Strickjacke.

Eigentlich ist mein Post lang genug geworden und es ist auch schon spät genug, aber ich möchte euch folgendes Projekt nicht vorenthalten, das eindeutig auch in die Rubrik „Refashion“ und „Inspired by“ fällt. Ich habe einen sehr guten, sehr bekloppten Freund, der sich aus Mode eigentlich überhaupt nichts macht, es sei denn, sie ist witzig. Er trägt z.B. nur Tshirts mit selbst designten fröhlich-bescheuerten Aufdrucken und seine Handyspeicherkarte hat die größte Sammlung an „lustigen Fotos aus dem Internet“ die man sich vorstellen kann. Des öfteren schicke ich ihm deshalb meine absurden Fundstücke aus dem Netz – wie kürzlich dieses hier:


Ich hatte eigentlich nach Strickanleitungen für meine Baby-Nichte gesucht und musste so lachen über diese Mütze! Und Herr Spaßvogel wollte daraufhin so eine haben – für sich selbst. Ist klar. 😉

Und natürlich kein Problem! Seine alte Adidasjacke aus jungen Jahren war ohnehin schon in meinen Upcycling-Materialkorb gewandert- die Farbe passt auch bestens- und los geht´s.

Mit dem Schnitt „Charly“ von Hedi näht habe ich eine Kapuzenmütze aus dem Rückteil der Jacke geschnitten und mit schwarzen Jerseyresten gefüttert. Fehlen nur noch die Stielaugen. Zunächst zwei blaue Stoffschläuche genäht, die Enden abgebunden und mit Watte ausgestopft. Dann die Adidasstreifen von den Ärmeln abgetrennt und an den zugeschnürten Enden zu Knäueln aufgewickelt und das Ende vernäht. Die Stiele musste ich dann per Hand annähen und als Pupillen  habe ich Kreise aus Lederresten aufgeklebt  – et voilá:

Es war ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk und die Freude riesig! Wenn Nähen für andere Personen immer so viel Spaß machen würde… würd ichs glatt öfter machen 🙂

Verlinkt: Sew La La, Du für Dich

6 Gedanken zu „The Refashioners 2018 – Teil 1“

  1. Die Hose ist ja mal der absolute Knaller! Ich bin wirklich begeistert. Die Farbe mag ich, und dass du sie aus einem Rock gezaubert hast hat meinen vollsten Respekt. Ein gelungenes Projekt!

  2. Ein toller Post, danke. Zum einen die Hose, die ist toll geworden und alle gezeigten Kombinationen gefallen mir sehr sehr!
    Und die Mütze, ich wundere mich auch oft, wie man Kinder im Alltag verkleidet und das der Freund sich so darüber gefreut hat ist wirklich witzig!
    Viele Grüße,
    Ina

    1. Ich glaube, dass die Kindermütze für Halloween gedacht war – ich kann mir nicht vorstellen, dass das Alltagskleidung sein soll. Zu Halloween gibt es in New York sogar einen Kostümwettbewerb für Hunde…

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