Herrera Coat – Sashiko Style

Eigentlich hatte ich zum Thema Schnittmuster Probenähen ja festgestellt – nee, nix für mich. Einmal probiert und dann abgehakt. Aber keine Regel ohne Ausnahme – wenn das richtige Projekt zur richtigen Zeit kommt, so wie der Mantel Herrera von Damar. Ihr Beitrag zu den Refashioners 2018 war ein von Carolina Herrera inspirierter Mantel und ich hatte bei diesem Anblick sofort Herzchen in den Augen… 

Als ich dann im Oktober eine liebe Anfrage von ihr bekam, ob ich vielleicht DIESEN Schnitt mit Probenähen möchte, hab ich trotz Zeitmangel und No-Probenähen-Plan nicht nein sagen können. 

Außer dem Modell, das ich von Damar kannte, gibt es den Schnitt noch in einer vereinfachten und einer kurzen Variante:

Bei Probenähen kann man ja immerhin mal Stoff Schrankleichen verarbeiten und das Lager minimieren. Ich habe aus einer Phase von Stoffraffsucht (oh toll, ich kauf mal vorsorglich einen Meter) eine Kollektion von Stoffen, die für nichts reichen. Was mich da geritten hat, weiß ich auch nicht. Aber zwei davon wurden nun in Kombination zu meinem Herrera Coat.  Ich hatte zunächst noch mehr Patchwork Look geplant, aber so gefiel es mir schließlich am Besten: dunkelblau mit schwarzblau und die ohnehin schon auffällige Vorderblende mit Sashiko Technik bestickt: 

Ich fürchte, ich habe inzwischen einen handfesten Japan-Tick entwickelt.
Sashiko hab ich noch nie vorher gemacht und mir ein einfaches Muster ausgesucht, kleine Kreuzchen. Dafür habe ich ein Raster vorgemalt. Gar nicht so einfach, die Stiche alle gleich groß zu sticken, aber im Gesamtbild fällt das nicht auf. 

   

Die Stoffe sind vom Maybachufer, Zusammensetzung also unklar. Der eine hat eine Jeansoptik und ist relativ soft. Ich dachte deshalb, dass der Mantel auf jeden Fall eine Einlage braucht. Und Futter auch, denn er soll winterfest sein. Der Schnitt hatte kein Futter vorgesehen (in der Probeversion – in der Kaufversion ist es jetzt optional drin), aber ich habe einfach die Belege weggelassen und den kompletten Mantel verstürzt. Mein Futterstoff wurde ein ebenfalls sehr gut abgelagerter Fleece in navy. Juhu, mindestens 25 cm Platz im Stoffschrank! Da der Fleece dehnbar ist, musste ich mich auch nicht mit Bewegungsfaltenkonstruktion herumschlagen. 

Als Einlage habe ich nach etwas Recherche ein etwas seltsames Material gewählt: es heißt Raschelware. Fühlt sich nicht so steif an wie Vlieseline, sondern hat Stand und ist trotzdem beweglich. Weiß nicht wie ich besser es erklären soll. 11 Teile mussten damit vollflächig bebügelt werden – das ist ein sehr lästiger und spaßfreier Arbeitsschritt, aber was macht man nicht alles als DIY Modeopfer. 

Die Stoffe habe ich ziemlich restlos aufgebraucht und musste auf der Rückseite noch eine ungeplante Teilung einbauen. Auch Taschenbeutel waren nicht mehr drin. Für das Taschenfutter habe ich deshalb einen passenden gemusterten Baumwolldruck verwendet. Der blitzt manchmal ein bißchen raus, was ich ganz hübsch finde. 

Eigentlich wird der Herrera Coat mit 2 Knöpfen relativ weit oben geschlossen. Aber wie das bei Probeteilen so ist – nachdem man genäht und anprobiert hat, zeigen sich die kleinen Fehlerchen. Mein Mantel war im Brust/Schulterbereich sehr schmal und hätte nach unten ziemlich aufgesperrt – die ganze warme Abfütterung wäre ja für die Katz, wenn er halb offen steht beim Tragen. Also hab ich mich für einen Reißverschluss entschieden. Der stammt aus meinem Fundus, er ist teilbar, aber nur ein 1-Weg Modell. Würde ich die Jacke nochmal nähen, bekäme sie einen 2-Wege Reißverschluss. 
   

Ich bin super happy mit meinem Mantel – der Schnitt ist genau meins: geradlinig aber mit special effects. Die Ärmelform ist sehr ungewöhnlich und die angeschnittene Kragenlösung finde ich auch toll. Was ich zu bemängeln hatte, wie Ärmel etwas länger und den Halsausschnitt etwas weiter, wurde im Schnitt bereits eingearbeitet. Aber ich mag meinen Mantel und trag ihn wie er ist! Da das Probenähen schon im Oktober war, konnte ich ihn ausgiebig testen und spazieren tragen…

Verlinkt: Sew La La, Du für Dich

 

9 Gedanken zu „Herrera Coat – Sashiko Style“

  1. Wieder ein absolut geniales Einzelstück, das total deine Handschrift trägt … meine Güte mit der Stickerei ist es noch mehr besonders ! richtig toll ! ich musste den Beitrag schon mehrmals angucken … bin richtig am schwärmen . leider habe ich mir ja gerade einen Mantel genäht… lg Sarah

  2. Ich habe den Schnitt schon bewundert (aber ich hab schon so viele Mantelschnittmuster, ach herrje …). Deine Version ist genial! Die zwei Stoffe zusammen passen perfekt. Und durch den Reißverschluss ist die Jacke auch noch praktisch geworden. Es gibt nichts schlimmeres (für mich) als Winterjacken/mäntel, die sich nicht gut schließen lassen.
    Viel Freude noch mit deinem Mantel! Viele Grüße, Anna

    1. Ich gebe zu, noch praktischer (vor allem beim Radfahren) wär es wenn der Reißverschluss nicht bis ganz nach unten gehen würde oder auch von unten geöffnet werden könnte. Aber als Spaziermantel ist es so perfekt!

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