Leinen los!

Im Sommer gibt es keinen angenehmeren Stoff als Leinen, denn er hat eine kühlende Wirkung und transportiert Schweiß besonders schnell ab. Ich liebe Leinenhosen, gerne mit weiten Beinen. weil sie wirklich angenehm bei Hitze sind. Oberteile aus Leinen sind ein bißchen problematisch, denn der Stoff ist bekannt fürs Knittern, das finde ich bei Hosen noch halbwegs ok, aber Tops und Blusen… hm. Davon abgesehen, dass ich auch viel lieber elastisch-bequeme Oberteile trage als Blusen aus Webstoffen. Die Lösung lautet: Leinenjersey! Leider findet man den nicht an jeder Ecke und ich greife deshalb immer gern zu, wenn mir sowas mal begegnet.

Meine Stoffschätze aus Leinen (und Hanf)

Ich zeig euch mal mein kleines Leinen-Stofflager, rechts sind von oben nach unten: Leinen-Viskose Webstoff von 1000Stoff, Hahnentritt Webstoff aus Kyoto, weißer Jersey aus Tokyo, grauer Jersey und Streifenjersey sind Maybachufer Schatzfunde. Die beiden Stoffe links sind nicht aus Leinen sondern aus Hanf, die Fasern sind aber sehr verwandt miteinander. Zum Hanf schreib ich aber ein anderes Mal mehr. Ich wollte die Stoffe nur mit zeigen, da mir eine kleine Kollektion vorschwebt. Und wer so gar keine Ahnung hat, was nun Leinen überhaupt ist – dieser sehr witzige YouTube Kanal erklärt euch das!

Ganz preiswert ist das Material nun leider nicht, aber aus Gründen der Nachhaltigkeit spricht auch noch vieles für Leinen: der Anbau ist mit weniger umweltschädlichen Substanzen verbunden als bei Baumwolle und braucht deutlich weniger Wasser, außerdem wächst Leinen auch in Deutschland und Europa. Und Leinenkleidung hält lange! Unsere Großeltern hatten übrigens noch die Schränke voll mit Leinen – Unterhemden, Nacht- und Bettwäsche, Tischdecken (z.T. handgewebt)… bis die Baumwolle im letzten Jahrhundert alles abgelöst hat und Kleidung sowieso nicht mehr lokal produziert wird. Leinen macht gerade mal 2% aller weltweit produzierten Textilfasern aus.

Mit Hose „Mikkaela“ von Schnittgeflüster

Ich arbeite ja seit letztem Spätsommer im Nebenjob in einem tollen Kreuzberger Stoffladen. Dort hatten wir einige schöne Leinenjerseys, aber Mitte August war ich mit meinen Sommernähprojekten schon durch und hab mich darum nicht gekümmert. Es ist ja ohnehin ein bißchen schwierig, in einem Stoffladen zu arbeiten, ohne das verdiente Geld direkt in Stoffe zu investieren und anfangs war ich da sehr eisern und resistent. Als aber im Frühling beim Aufräumen der Restekiste noch ein Stück von diesem feinen jeansblau-gestreiften Jersey aufgetaucht ist, musste ich ihn dann doch haben.

Tatsächlich hab ich dieses Shirt, eine „Odette“ aus der La Maison Victor schon vor dem selbst gebatikten Shibori Shirt genäht, quasi als Probemodell. Da ich mit dem selbst gefärbten Stoff keine Experimente machen und sicher sein wollte, dass der Schnitt sitzt. Er sitzt – ohne Änderungen, außer wie beim anderen Shirt auch, ein begradigter Saum. Und es ist ziemlich kurz, das Shirt wurde genau so lang, wie es mit dem 70 cm Stoffrest ging.

Sommerlich gestylt mit gelbem Stretchrock und türkisen Accessoires

Und eigentlich dachte ich auch nicht, dass das Shirt auf dem Blog landen würde, denn es erschien mir zu unspektakulär. Einfach nur ein normales Tshirt. Nix weiter. Langweilig. Aber die Basicteile gehören ja nunmal auch zum Nähen – vor allem wenn man wie ich inzwischen gar keine Kleidung mehr kauft. Und wenn man mal ehrlich ist, sind diese schlichten Teile die Alltagshelden, die man immer wieder anzieht. Meine beiden neuen Odette Leinenshirts wurden bei der Hitze im Juni ständig getragen, in Kombination mit meinen Leinenhosen. Und da ich euch beim Shibori Shirt die übliche Modenschau vorenthalten hatte, hole ich das hiermit auch nach.

Die gelbe Hose hatte ich letztes Jahr für den Refashioners Contest als Outfit mit einer Bluse genäht und dieses Jahr nochmal beim „Dressmaker of the Year“ Wettbewerb eingereicht. Überraschend kam mein Outfit in der Kategorie Upcycling in die Short-List Auswahl (= Top 5)! Und ich musste die Teile im Original nach England schicken zur Endausscheidung… In dieser Saison echt meine Lieblingshose.

Die Sailor-Pants aus Leinen waren vor Jahren ein glückliches Second-Hand Schnäppchen auf dem Flohmarkt, der jedes Wochenende quasi vor meiner Tür stattfindet. Letzten Sonntag hab ich dann genau die Sandalen dort gefunden, die mir noch zu meinen Sommerlooks gefehlt haben. Juhuu!

Sommerlicher geht´s nicht mehr. Ahoi.

Eigentlich hätte ich gerne beim MeMadeMittwoch teilgenommen, bei dem es diesen Monat um die Reisegarderobe ging. Aber es ist etwas verhext mit mir und der Punktlandung von Blogartikeln auf einen einzigen Tag im Monat. So geht es heute wieder wie immer zu SewLaLa und Du für Dich und den Creative Lovers. Aber meine Reisegarderobe zeig ich euch trotzdem noch – ich war 10 Tage in Portugal, bei 20-24 Grad und hatte diese Sachen dabei:

Shibori Odette, Fliesenmuster Top, Gestreifte Leinen Odette mit Second Hand Hose, Jacke Mona, Skinny Jeans, Kleid Carly, Rüschen-Ringeltop, Batiklook-Shirt, Velara Hose

Leider habe ich auf der Heimfahrt vom Flughafen meine Nickyjacke „Mona“ verloren. Ich hab gehofft, sie taucht im Fundbüro der BVG wieder auf, da ich sie in der Sauna-ähnlich temperierten U7 ausgezogen hatte und vermutlich beim Aussteigen vergessen… aber bisher Fehlanzeige. Schöner Mist. Diese Jacke passt zu allem und ich brauch sie wieder – unbedingt!!!

12 Gedanken zu „Leinen los!“

  1. Ach, ich drücke dir die Daumen, dass du die Jacke wieder bekommst, ist ja ein echtes Schätzchen. Den Beitrag mit dem Shibori-Shirt hatte ich übersehen – ist toll geworden!
    Vielleicht arbeitest du ja in dem Sotffladen, der diese Woche 15% Rabatt anbietet. Jedenfalls fürchte ich, werde ich meinen Vorsatz nicht halten können, keine neuen Stoffe zu kaufen, und am Ende der Woche auch ein Stück Leinenjersey mein Eigen nennen…
    Liebe Grüße Christiane

    1. Wir haben zwar auch eine 15% Aktion auf Sommerkleiderstoffe, aber keinen Leinenjersey… da warten wir noch auf eine Lieferung. Das mit den Vorsätzen kenne ich, ich führe eine Stoffbilanz Tabelle und will am Ende des Jahres kein Plus haben. Im Moment liegt es bei ca 9 m, ich hab 31 m gekauft und 22 vernäht… das könnte ich mit Disziplin schon schaffen bis Ende des Jahres.

  2. Danke für das Zeigen dieses tollen Shirts – ja, diese Basics müssen auf die Blogs! Deine Urlaubsoutfits sehen allesamt großartig aus – ich beneide Dich um Dein Gefühl dafür, was Dir steht und gut zusammen passt. Und ich drücke Dir die Daumen, dass die Jacke wieder auftaucht – manchmal hat man noch Glück…Liebe Grüße! Karin

    1. Dankeschön! Ich habe selbst das Gefühl, dass ich durch das bloggen stilsicherer geworden bin und meine Einzelteile viel besser aufeinander abgestimmt sind. Ich plane meine Sachen genauer, nehme nicht aus einer Laune raus beim Stadtbummel irgendwas mit, sondern setze mich hin und nähe es. Und dann sehe mich ja auch auf den Fotos in der Kleidung – was mir tatsächlich einen objektiveren Eindruck vermittelt als der Blick in den Spiegel.

  3. Den Stoffrest hätte ich mir auch geschnappt. Schönes Shirt, das perfekt zu den drei Hosen passt. Schicke Stylingbeispiele zeigst du wieder.
    Liebe Grüße von Ina

  4. Ach wie doof mit der Jacke, ich drücke Dir die Daumen, dass Du sie wieder bekommst. Eine sehr stimmige Sommergarderobe, die sehr gut zu Dir passt. Besonders mag ich Deine selbst bedruckten und gefärbten Stoffe. LG Manuela

    1. Danke! Das würde ich gern noch viel öfter machen – die Stoffe selbst „designen“. Stempel liegen unbenutzt herum und meine Plotter zum Schablonen erstellen ist auch schon eingestaubt. Zu viele Wünsche und Ideen, zu wenig Zeit.

  5. Was für ein schönes Shirt! Man sieht doch, dass gerade solche schlichten Sachen den Grundstock der Garderobe bilden. Und wenn man solche Basics nicht posten sollte, dann könnte ich jedenfalls meinen Blog direkt schließen ;o)

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