Check it out now!

Markenkleidung, vor allem übertrieben teure, hat mich noch nie interessiert. Außer vielleicht als Teenager, als es Levi´s Jeans sein mussten. In der Schule trugen die modebewussten Mädchen karierte Benetton Strickpullis, die fand ich, naja, ziemlich spießig. Hab mir dann (ganz und gar unspießig) lieber selbst welche gestrickt, oder genäht. Besonders cool fand das damals aber auch keiner. Ich lebte in der hessischen Provinz, auch nach meiner Schulzeit noch für einige Jahre und das dortige Angebot an Stoffen war ziemlich überschaubar. Ein Stoffladen mit Regalen voller „nix dabei, dafür teuer“. Außer Kurzwaren vielleicht. Dann gab es diverse regionale Restpostenmärkte und einen Laden, der Produktionsüberhang eines lokalen Bekleidungsunternehmens verkauft hat. Vermutlich hat mein heutiger Hosenstoff dort den Weg zu mir gefunden, man nimmt dann aus Verzweiflung nämlich irgendwann alles, was einem so halbwegs gefällt. Der „Designer Glanz „, der Hauch von London, Glamour und High Street Fashion war zu verlockend, wenn man ihn in der Kleinstadt vorfindet. So war das früher, wir hatten ja nichts 😉

Ich würde es Fehlkauf nennen. Nie hatte ich ernsthafte Ambitionen, mir ein „Burberry“ Lookalike Kleidungsstück zu nähen (vor allem aber: zu tragen). Warum ich den Stoff nie aussortiert habe, ist mir tatsächlich ein Rätsel. Aus welchem Material er besteht, weiß ich natürlich nicht mehr, sehr wahrscheinlich irgendwelche Polytierchen. Klassischerweise sind Tartanstoffe aus Wolle – Tartan ist übrigens die offizielle Bezeichnung für die Schottenkaros. Ein bißchen verwirrend finde ich die vielen Begriffe für „Karo“ im Englischen schon – oder kennt jemand den Unterschied zwischen check, plaid und tartan?

Unnützes Wissen: Im schottischen Register für Tartanmuster wurde das Burberry Muster bereits im Januar 1920 eingetragen und steht somit kurz vor seinem 100ten Geburtstag!

Right about now

Warum also jetzt? Im März hatte ich für die #12ausdemstoffregal Challenge mit dem Thema „Rat der Ältesten“ mein Stofflager durchsucht und dabei fiel er mir in die Hände.

Karohosen sind ja schon seit letztem Jahr großer Trend. Viel jüngere und coolere Menschen als ich ziehen Tartanhosen an. Sogar mit Burberry Muster – Beyonce zum Beispiel. Ganz im Sinne der Challenge habe ich also meine Karohose aus dem alten Stoff genäht, statt mir neuen Karostoff zu kaufen. Obwohl er nicht ganz in mein Farbschema passt. (Grau/gelb wär halt einfach besser…)

Welcher Schnitt? Die letzte Ausgabe der La Maison Victor beinhaltete den Hosenschnitt Metta, von dem ich bei Instagram und facebook schon einige karierte Varianten gesehen habe. Dort wird hinten ein Gummi offen anstelle des Bunds angenäht, was mir persönlich nicht soo toll gefallen hat. Meine Wahl fiel auf ein sehr ähnliches Modell aus der Burda Easy 1/2019. Mit eingezogenem Gummi am hinteren Bund.

Eigentlich ein einfacher Schnitt, ich dachte auch, das Projekt an einem Abend nähen zu können, aber bei Hosen ist das ja immer so eine Sache mit der Passform. Ich hatte mir wirklich viel Mühe gegeben beim Zuschnitt, damit der Musteranschluss für den Bund genau passt. Bei 1,15 m Stoffmenge und Karozuschnitt musste ich da ganz schön puzzeln. Um dann erst bei der Anprobe festzustellen, dass die Hose viel zu weit oben endet (oberhalb des Bauchnabels!) und ich den Bund wieder abtrennen musste! Um einen ganzen Rapport zu kürzen war zu viel, so dass der Anschluss in die Querrichtung nicht optimal geworden ist. Aber da ich generell immer Gürtel trage, sieht das auch keiner.

Gehen Streifen wirklich immer? Auch zu Karo?!
Obwohl ich den Bund 4 cm nach unten versetzt habe, passen die Hände zum Glück noch in die Taschen…

Ich glaube, ich hätte aber auch noch mehr kürzen können, im Rücken ist immer noch zu viel Stoff, der sich beim Tragen dann unschön staucht und beult. Aber das ist bei Gummizug wohl auch nicht ganz zu vermeiden. Auf den Gummizug hätte ich aber letztlich auch verzichten können, denn als Schlupfhose war mir die Passform zu eng – ich musste mich derart reinquetschen, dass ich, nachdem der Bund wieder abgetrennt war, auch die Seitennaht nochmal ein Stück aufgemacht und einen seitlichen Reißverschluss eingenäht habe.

Vorne habe ich aus der Schrittnaht noch was weggenommen und die Hosenbeine ab der Wade verschmälert. Ein Haufen Anpassungen, aber jetzt bin ich im Großen und Ganzen zufrieden mit der Hose – und der elastische Bund sorgt halt zumindest für Bequemlichkeit 😉 Und hey – da ich selber nähen kann und die Hose nicht bei Burberry kaufen musste hab ich auch noch richtig Geld gespart – so in etwa 590 €!!! ( Na gut, ich geb zu, wenn man genau hinguckt, erkennt man schon, dass es gar kein Burberry ist)

Als Kombipartner würde ich mich wie schon bei der Boro Jeans begrenzen auf möglichst unifarben und am besten schwarz oder weiß. Vielleicht noch grau? Gehen die Streifen mit dem Karo? Denn wie die „Burberry Babes“ Burberry mit Burberry zu kombinieren, wird mir dann doch too much. Ein bißchen.

Ich bin gespannt, was die Damen vom Me Made Mittwoch zum Revival der Karohose zu sagen haben. Als kleines Schmankerl habe ich auf Pinterest für alle Interessierten ein kleines Burberry Kuriositäten-Kabinett angelegt. Es ist schon recht interessant, was man auf dieser Welt alles mit Burberry Karos bemustern kann…

Burberry house

16 Gedanken zu „Check it out now!“

  1. Wahnsinn, dass der uralte Stoff seine Bestimmung gefunden hat – und dazu noch voll trendy ist. Eine schöne, wie ich finde gut passende und sehr sorgfältig zusammengesetzte Hose hast du da genäht. Gefällt mir gut. LG Anja

  2. Huhu Katrin,

    mir gefällt die Hose ausgesprochen gut!!! Mir gefällt immer wieder, wie Du Deine genähten Werke mit Deinen Kombipartnern präsentierst.
    Das Burda- Schnittmuster war mir gar nicht so aufgefallen, danke für den Tipp. Meine erste genähte Hose vor gut 21 Jahren war tatsächlich eine Karohose in grau-schwarz-rot, ich habe sie geliebt.

    LG
    Sandra

    1. Siehst du so alt ist der Stoff auch cira. Das war die letzte große Trendwelle für Karohosen… 😉 Das tröstet mich über die viel zu großen Mengen meines Stofflagers: nix wegwerfen, egal wie häßlich – in der Mode kommt alles wieder! Mein erstes genähtes Kleidungsstück war ein fliederfarbener Blouson mit Comic-Innenfutter und mindestens 10 eingenähten Zippern. Da war ich ein Teenager. Ich denke damit könnte ich in Berliner Vintage Läden heute Höchstpreise erzielen. Ebenso wie mit meiner selbst gestrickten Fledermausjacke von damals in Regenbogen-Mohair. Schade dass ich das damals nicht fotografiert habe und ich hab die Teile dummerweise längst aussortiert.

  3. Richtig toll… Ich habe heute in der Bahn ein Mädel mit so einer Hose gesehen und gedacht, das sieht cool aus, obwohl ich es mir nie vorgestellt hätte… Jetzt brauche ich vielleicht auch mal eine…

  4. …the funk soul brother! Ich mag Karohosen, wenn ich Zeit habe, würde ich schon auch noch gerne eine nähen. Also, zu dem Gelb passt die Hose super, da wirkt das beige auch gleich ein bisschen gelblich. Und, hey, bei 1,15 alle Streifen passgenau hinzukriegen, ist echt ne Leistung! Liebe Grüße Christiane

    1. Ja, mein Schnittmustertetris ist Sewing Oscars verdächtig…hab mir selbst auf die Schulter geklopft 😉 Denn es war auch tatsächlich Milimeterarbeit. Der Bundbeleg musste gegen den Fadenlauf geschnitten werden, was aber praktisch ist, denn in diese Richtung ist der Stoff auch nicht elastisch und der Bund hat mehr Halt.

  5. Die Hose ist ein perfekter Kombipartner – mir gefällt auch das Streifenshirt dazu, obwohl ich wohl nicht so mutig wäre, so aus dem Haus zu gehen. Und sie sitzt super, wahrscheinlich fällt das bisschen an zuviel Stoff nur dir auf …
    Liebe Grüße von Doro

  6. Auf den Bildern sitzt die Hose 1A-super angepasst und mit deinen Änderungen gefällt mir der Schnitt auch viel besser, als das Original.
    Den Karostoff finde ich ganz toll; wie gut, dass du ihn nie aussortiert hast, : ) und die Musteranpassung ist dir auch wunderbar gelungen.
    Sehr bewundere ich auch immer deine Bilder mit den verschiedenen Kombiteilen -was für ein Aufwand, aber schön für den Betrachter.
    Mir gefallen alle deine Kombmöglichkeiten, bis auf den gelben Sweater; ich finde, der erschlägt die Karohose, aber das ist Geschmacksache.
    LG von Susanne

    1. Ich verstehe deine Bedenken mit dem gelben Pulli, der kommt auf dem Foto auch greller rüber als in echt, weil ich bei Kunstlicht fotografieren musste. Die Fotoserien mit Kombinationen sind natürlich ein bißchen Aufwand, aber für mich im Alltag auch sehr hilfreich. Denn ich kann viel leichter eine Outfitentscheidung treffen und die Sachen einfach aus dem Schrank holen und anziehen ohne lang zu überlegen oder vor dem Spiegel rumzuprobieren.

  7. Eine sehr schicke Hose! Die Passform sieht sehr gut aus – wenn es Dich dauerhaft stört, könntest Du per Leiterstich noch etwas Stoff im Hohlkreuz wegnehmen ohne Trennen zu müssen 🙂

    Ansonsten ist der Stoff halt endlich lang genug gereift, damit er angeschnitten werden konnte – welch Glückes Geschick, dass er bei Dir ausreichend lange ruhen konnte, um seinen ganzen Geschmack zu entwickeln 😉 Mit dem Gelb gefällt er mir persönlich am besten – viel Freude wünsche ich Dir damit!

    Liebe Grüße, Anne

    1. So lange gereift, bis er wieder topmodern wurde und keinem auffällt, dass es schon ein Vintage Textil ist. Ich habe Hoffnung für einige andere gut gelagerte Stöffchen…

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