Glanzpunkte der flexiblen Nähplanung

Eine fast unendliche Geschichte ist das, die von meinem neuen Blouson. Ihren Anfang nahm sie im Herbst 2016 (also noch vor Amtsantritt von Donald Trump, das nur mal als Anhaltspunkt für das Zeitfenster der Entstehungsgeschichte), als ich meinen schwarzweißwilden Blouson genäht hatte. Den fand ich so gelungen, dass ich direkt im Anschluss einen zweiten zugeschnitten hatte, aus Glanzsatin. Dann kam der ein Winter dazwischen und der Blouson war zu dünn zum Anziehen (da muss man ihn ja logischerweise auch noch nicht nähen). Dann – keine Ahnung warum – hab ich die Schnittteile, in einem Karton verpackt, einfach vergessen.

Irgendwann 2 Jahre (und ca 53 fertig gestellte Kleidungsstücke) später fand ich diese Kiste beim Aufräumen wieder und fragte mich, warum zur Hölle ich eigentlich diesen Polyestersatin gekauft hatte und ernsthaft anziehen wollte. Na gut, die Farbe ist halt schon seeeehr coool – und der Stoff glänzt so schön! (Hey, zwei Pluspunkte!). Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass ich inzwischen Naturfasern und Biostoffe deutlich bevorzuge und Polyester aus ökologischen Gründen eigentlich nicht mehr kaufe. Aber es war ja kein Stoff mehr, (den ich hätte tauschen oder verkaufen können) sondern zugeschnittene Teile und diese unfertig wegzuwerfen, ist nun keine Option, wenn man sich mit Nachhaltigkeit im Bereich Bekleidung auseinandersetzt und zur Priorität macht.

Also blieb nur die Fertigstellung, aber das ist echt so ein doofer Stoff, der einem die Haare zu Berge stehen lässt (statische Aufladung und so). Sicherheitshalber (um mich zum fertig Nähen zu motivieren) setzte ich den Blouson im Dezember 2018 auf meine #makenine2019

Bei Selmins #12ausdemstoffregal Thema im Februar 2019, Thema „Perfect Match“ wühlte ich mich dann durch meine Stoffvorräte, um einen passenden Futterstoff für den Blouson zu finden. Der musste dünn sein und aus Naturfaser, ersteres damit der schöne Fall vom Satin nicht ruiniert wird und zweiteres, um die statische Aufladung zu minimieren.

Nachdem ich eine schwarz-weiß gepunktete dünne Baumwolle (vom Maybachufer glaube ich) zum perfekten Partner auserkoren hatte, überlegte ich mir, dass es doch total schön wäre, den Blouson beidseitig zu tragen.
Yes! Hammer Idee, ich war sofort von ihrer Genialität überzeugt und hab einen Wendereißverschluss bestellt.

Hey du…..Pssssst! Willst du ein „O“ kaufen? (wer kennts?)

Dann musste aber zuerst noch die Winter Capsule Wardrobe fertig werden. Und dann war auch schon Sommer. Wer braucht da gedoppelte Jacken? Im Herbst kam dann die #fiveforfall Projektliste und ein neuer Blouson kam ins Spiel (einer für Draußen auf dem Fahrrad, aus beschichteter Baumwolle). Leider kam ich mit den Projekten nicht hinterher und schnell war es auch für den Outdoorblouson schon zu kalt draußen (den mach ich jetzt im Frühjahr! Doch! Ganz sicher!). Allerdings erinnerte ich mich dann Mitte Oktober an meine #makenine2019 und dass da noch so einiges fehlt. Ich wollte unbedingt noch 2 Projekte davon abhaken und hab diejenigen ins Auge gefasst, die schon begonnen waren: die rostfarbene Jeans (war schon zugeschnitten) und eben der Blouson.

Ich beschäftigte mich also mal mit dem Zuschnitt des Punktestoffs und hatte Glück, denn der ohne Bestimmung gekaufte Batist hat genau auf den Millimeter ausgereicht, mit Schnittmustertetris. Es gab übrigens aus dem ersten euphorischen Zuschnitt in 2016 schon mit Verstärkung bebügelte Belege aus Satin, die nun überflüssig waren. Die hab ich natürlich auch nicht einfach weggeworfen, denn sie machen sich doch gut als Flügel dieses hübschen Vogels, oder? (Applikation auf einer Kinderhose)


Als die rostfarbene Jeans ganz kurz vor Weihnachten fertig wurde und in meinem Kopf Bestandteil des Weihnachtsoutfits sein sollte, hab ich mich dann in letzter Minute doch gegen den Blouson und für eine spontane Weihnachtsbluse entschieden, da mir die Kombi von beiden für ein Weihnachtsoutfit nicht passend war. Aber schön ist das Outfit auch, sogar die Ton-in-Ton Variante.

Ich nahm mir vor, ganz fest, dass die Wendejacke mein erstes Projekt in 2020 werden würde. Hat fast geklappt. Es kamen nur 2 Nickipullis dazwischen. (War ja auch kalt).

Ich bin im Nachhinein nicht mehr ganz so glücklich mit dem Schnitt. Hätte ich von vornherein eine Wendejacke geplant, hätte ich einen professionellen Jackenschnitt verwendet und nicht mein selbst zusammengebasteltes Werk. Denn die starken Fledermausärmel in Zusammenhang mit dem Baumwollfutter „knäueln“ etwas herum, was beim ersten Jäckchen aus Viskose gar nichts ausmacht, da es dort viel fließender fallen kann. Der Schulterbereich wirft also einige ungewünschte Falten, was bei der glänzenden Seite auffällt, der anderen nicht so doll. Außerdem sind die Ärmelabschlüsse eigentlich zu eng für einen Stoff ohne Stretch, mit Futter noch enger und daran konnte ich nun nichts mehr ändern. Ich komm rein, aber hochschieben kann ich die nicht (was ich aber so gern mache).

Aber ich will gar nicht mehr weiter an den Mängeln herumkritteln, im Großen und Ganzen find ich die Jacke nämlich trotz ihrer Minuspunkte ganz schön toll. Sie macht optisch richtig was her und die Wendemöglichkeit führt zu unendlichen Outfit-Kombis – ich kann mich auch nicht entscheiden, welche Seite nun die schönere ist. Mal sehen, wie häufig das gute Stück zum Einsatz kommen wird, die Glanzseite ist mehr so für die Ausgehgarderobe, aber die Punkteseite ist doch ganz alltagstauglich.

Happy End.

Ich bin stolz auf mein Durchhaltevermögen und besuche guter Dinge den Me Made Mittwoch im Februar. Habt ihr auch so Projekte, die sich (aus Gründen) ziehen wie Kaugummi? Ich hatte übrigens ein Semester lang „Zielorientierte Projektplanung“ während des Marketingstudiums. Braucht man das?! 😉

Outfit Kombinationen mit
Ringelrüschentop (Juni 2018)
Skinny Jeans (März 2019)
Rostbrauner Jeans (Dez 2019)
Culottes (Mai 2018)
Boro Jeans (Oktober 2019)
Schwarze Bluse (second Hand)

21 Gedanken zu „Glanzpunkte der flexiblen Nähplanung“

  1. Wenn alles beim ersten Anlauf geklappt hätte, wäre der Post nur halb so unterhaltsam geworden. Ich habe mich königlich amüsiert und auch ein wenig ertappt gefühlt. Irgendwie kommt immer die nächste Idee dazwischen und dann wechseln auch noch die Jahreszeiten… Logisch. Es ist am Ende ein tolles Blouson geworden mit einer großartigen Story. Liebe Grüße Manuela

  2. Das liest sich wieder wie ein (sehr guter) Roman, ich stehe ja zu Happy End Schnulzen… Die Jacke passt perfekt zu deinen Sachen und ich sehe schon wie du zum Jahresende wieder ganz viele Kombi – Bilder Zeigst… Richtig toll! LG Sarah (PS die neue Haltestelle ist schon aktiv, liegt aber im Nirgendwo…)

  3. Hallo Kathrin,
    was lange währt, wird am Ende gut… nein, nicht nur gut, sondern ein besonderes Kleidungsstück. Ist ein echter Entstehungskrimi…
    Dein Blouson ist echt cool geworden. Viel Spaß beim Tragen.
    Liebe Grüße,Sandra

  4. Dieser Blouson ist supercool geworden und durch diese vielen Kombinationsmöglichkeiten doch auch ganz schön nachhaltig. Deine Neverending-Story dieses Projektes kenne ich selber nur zu gut. Bei mir werden ab nächster Woche UFO’s fertig gemacht, wenn Du magst, mach mit.
    Viele Grüße, Stefanie

    1. Sehr tolle Aktion mit dem Ufo-Angriff. Aber du wirst es nicht glauben, es war mein letztes. Ich bin eigentlich nicht so der UFO Typ, sondern ziehe eher durch. Ich hatte dennoch 3-4 angesammelt und die sind nun alle gelandet. Ganze Kisten voll würde mich ziemlich unter Druck setzen glaub ich…

  5. Ui, das ist wirklich ein langer Herstellungsprozess. Bei mir sind es wenn dann Teile, die einfach so gar nicht gehen. Da liegt noch eine Latzhose, die längere Träger braucht, eine Hose, die unmöglich sitzt und wo ich gar nicht weiß, wo anfangen, eine Shorts, die im Schritt zwickt… mehrheitlich Sachen, wo ich noch nicht weiter weiß.
    Du kannst auf jeden Fall stolz sein auf dein Durchhaltevermögen! Die Jacke ist von beiden Seiten schön, ich hoffe, die Plastikseite ist am Körper auch okay zu tragen, damit habe ich so ab und an mal Probleme (und es müffelt so schnell, wenn geschwitzt wird), deshalb ist auch schon fast alles aussortiert. Aber ich hoffe, du hast da Glück!

    1. Richtig, ich mag das auch nicht so gern am Körper haben und werde sehen, ob sich das in der Praxis bewährt als Wendejacke oder ich doch am Ende die Baumwolle innen bevorzuge.

      1. Die im speziellen kenne ich nicht, habe aber schon mal eine andere ausprobiert. Seit einem Jahr mache ich mein Deo aber selbst (aus Wasser, Natron, Teebaum – und Limettenöl) und bin damit sehr zufrieden 🙂

  6. Die Bilder Deiner neuen Wendejacke sehen klasse aus, Du hast ein tolles Kombiteil gezaubert! Allerdings würde mich die Aufladung des Polyester-Stoffes in den Wahnsinn treiben … In meiner Nähkiste liegt noch eine unvollendete Seidenhose. Die habe ich im Spätsommer angefangen, als es plötzlich richtig kalt wurde und ich die Lust am Nähen verloren habe. Ich finde es schwierig, sich dann wieder aufzurappeln. Daher Hut ab vor Deinem Durchhaltevermögen!

    1. Gegen die Aufladung hilft ja die Baumwollseite, an der glatten Satinseite reibt sich der Stoff nicht so doll, aber die linke Stoffseite war halt ziemlich fies, die wollte ich nicht mit direktem Hautkontakt tragen. Und ja – ich hab mich echt am Ende selbst in den Hintern getreten, um das Projekt noch fertig zu machen.

  7. Was für eine coole Idee, daraus eine Wendejacke zu machen.
    Deine Bilder sind echt großartig anzuschauen. Lauter wirklich schöne Outfits.
    Ich kann auch keine Präferenz auf eine Seite abgeben. Beides hat absolut seinen Reiz.
    Viele Grüße Elke

  8. Hut ab – du hast ein richtig tolles Teil genäht! Gut Ding will eben Weile haben … Und die vielen Kombinationsmöglichkeiten machen die Jacke wirklich zu einem Allroundtalent!
    Liebe Grüße von Doro

  9. Da hattest du einen richtig langen Atem. Hat sich gelohnt, die Jacke sieht toll aus! Aber richtig genial ist, dass sie im Stil und mit der Farbe, obwohl so lange geplant, perfekt in deine Garderobe passt. Zielorientierte Projektplanung eben! Je länger bei mir Ufos vor sich hin gammeln, umso weniger Lust habe ich darauf. Ich denke mit Grausen an die untersten Schichten meiner Ufo-Kiste. Die sollte ich auch mal ausmisten.
    Liebe Grüße Christiane

    1. Stell dir vor, das war wirklich mein letztes UFO! Hab alle fertig. Bzw. gerade neue angefangen – 4 ganz frische Zuschnitte warten auf zeitnahe Umsetzung. Mal sehen ob´s gelingt.

  10. Die Outfit-Fotos sind allesamt klasse und man sieht nicht, dass sich Ärmel knäueln o.ä. Schaut richtig toll aus. Hut ab vor dem Projekt einer Wendejacke, da muss wirklich jede Naht sitzen, damit es so gut wie bei Dir ausschaut. Wunderbar, dass die Jacke zu so vielen Hosen perfekt passt – da hast du nun einen echten Kombi-Hit mehr im Schrank. LG Kuestensocke

    1. Liebe Küstensocke, die Bilder mit den unschönen Falten hab ich aussortiert… aber man ist ja auch oft überkritisch bei der Begutachtung der eigenen Werke.

  11. Sehr lässig deine Jacke. Ich hätte auch noch einen gefütterten Blouson als Schnittmuster liegen, aber den dazu passenden Stoff schon wieder für andere Projekte verwendet. Das passiert mir viel öfter, dass ich Stoff für bestimmte Projekte besorge und wenn ich sie dann aber nicht gleich verarbeite, sind schon wieder neue Ideen da und der Stoff wird dafür eingesetzt 😉

    LG Karin

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