Upcycling Stories #6 – Frau Patchwork-Frida

Eigentlich hatte ich ein ganz anderes Outfit geplant für den heutigen Me Made Mittwoch im April. Und dieses Top hier hab ich schon vor zwei Wochen genäht. Als ich noch mit Elan und „mir-doch-egal-ob-ich-zu Hause-bleiben-muss“-Attitüde Projekte auf meine gedankliche Liste setzte und mir kaum ausmalen konnte, wie viel ich vor lauter StayAtHome Zeit so alles produzieren würde. Kam aber nicht dazu. Eigentlich hat sich in meinem Leben nicht viel geändert – ich bin ja sowieso die meiste Zeit im Home Office. Was für mich wegfällt, ist mein Freizeitbereich und das damit verbundene Sozialleben. Mitbewohner habe ich auch keine mehr, nicht mal eine Katze (Silberfische, Mehlmotten und Spinnen zählen nicht als Mitbewohner, oder?). Die rasanten Entwicklungen haben mir daher ein bißchen zugesetzt und ich habe dann doch einige Zeit damit verbracht, mich über das Virus und was die Experten dieser Welt darüber zu wissen glauben, zu informieren, um zu verstehen, warum ich eines morgens im März in einer Diktatur aufgewacht bin. In der mich die Polizei von einer Parkbank vertreiben und demnächst auch noch Bußgeld kassieren darf, sofern ich mich wage, darauf zu setzen. So ganz überzeugt bin ich nicht von der Radikalität der Maßnahmen und beobachte interessiert den schwedischen Weg, in der Hoffnung, dass er sich als erfolgreich erweist und wir ihm vielleicht auch bald folgen können. Versteht mich nicht falsch, ich nehme das schon Ernst, jedoch ist mir Hysterie grundsätzlich fremd und übervorsichtig und ängstlich war ich auch noch nie. Das mag ich mir jetzt auch nicht mehr angewöhnen in meinem Alter, ich bleib bei meinem realistischen Optimismus. Der sagt mir, das wird schon alles für irgendwas gut sein – für was, sehen wir dann später. Zum Beispiel fand ich ja ziemlich doof, dass mein Friseur mir die Haare zu kurz geschnitten hat. Aber jetzt bin ich froh, dass ich so schnell nicht wieder hin muss….

Nun aber zu meinem genähten Werk, ein Projekt, das schon Ewigkeiten im Fundus meiner Projektideen auf Umsetzung gewartet hat. Wie so oft war mir beim Pinteresten (ist das ein zulässiges Verb? Was sagen die Scrabble Experten?) ein Teil ins Auge gesprungen – das ich nachnähen wollte. Dieses Top hier ist von einer Designerin namens Rachel Comey und aus einer Kollektion von 2015.

Design von Rachel Comey

Ich wollte nicht so gerne dickes Jeanshosen-Material für meine Version verwenden. Das sieht zwar cool aus, so steif und „boxy“ (yeah ich Fashion Profi), aber bequem konnte ich mir das nicht vorstellen. Aber ich hatte auch ausrangierte Jeanskleidung in Blusenqualität. Zwei sehr dünne Sommerhosen und ein Rock, ein Teil davon zerlöchert und aus den anderen rausgewachsen. Auch noch in 3 verschiedenen und zusammen passenden Farben – perfekt.

Als Schnittmuster hab ich mir die bewährte Frau Frida von Studio Schnittreif genommen, ein paar Linien ins Schnittmuster gezeichnet, die einzelnen Teile neu abgepaust und nach Farbwunsch durchnummeriert, damit ich beim Zuschnitt weiß, was wohin muss. Ich hatte erwartet, das kleine kurze Top problemlos aus dem vorhandenen Material zusammensetzen zu können, aber so ganz einfach war es dann doch nicht.

Die Elemente fürs Vorderteil hab ich noch gut rausbekommen, aber auf der Rückseite habe ich mit Nähten und rausgelassenen Säumen experimentieren müssen, damit es passt. Die mittelblaue Hose hatte auch noch Teilungsnähte, die im Weg waren. Aber das gefällt mir so auch ganz gut. Die Kombi-Möglichkeiten sind farblich eher eingeschränkt, aber überraschenderweise fand ich die Jeans-mit-Jeans Kombis viel besser als gedacht. Ich musste vorne am Saum nochmal begradigen, die flutschigen Stoffe waren nicht so der Hit für Patchwork, jetzt fehlt leider 1 Zentimeter. Aber für die kommende Saison stehen sowieso High Waist Hosen auf meinem Nähplan.

Leider sieht man ein Detail nicht so auf den Fotos: die Ärmel hab ich so zugeschnitten, dass die „Säume“ aus einer original Hosenbeinnaht bestehen (also gar nicht mehr gesäumt werden mussten)

Und meine kurzen Jäckchen gefallen mir auch ganz gut dazu.

Mir ist aufgefallen, fast alle meine Upcycling Projekte haben mit Denim und Patchwork zu tun. Die Blautöne haben es mir einfach angetan und ich könnte locker noch 10 Teile aus meiner Ideensammlung nachnähen. Eine Jacke nach diesem Schnitt hier wär noch ein Plan. Diese Woche hab ich die krasseste Upcycling Jacke auf Instagram entdeckt, die ich je gesehen habe. Eine coole Lady aus Colorado, USA hat sich aus mehreren Outdoorjacken diese mega beeindruckende Patchwork Wendejacke genäht – Hammer, oder?

Quelle: Instagram Account wakeupanddance

Ich hab mein nächstes Refashion-Projekt auch schon geplant – es wird ein Oberteil aus ausrangierten Leinenhosen. Eine der Hosen muss ich aber noch färben…

36 Gedanken zu „Upcycling Stories #6 – Frau Patchwork-Frida“

  1. Liebe Kathrin, ich bin über den MMM auf dich gestoßen und hab mich über die letzten Tage verteilt durch deinen ganzen Blog gelesen….ich bin begeistert! So viele tolle Kleidungsstücke ❤ Besonders toll finde ich ja die perfekt zusammenfassenden Stücke der letzten Zeit! Ich hab dich jedenfalls gleich mal auf Insta abonniert
    Lg Karin

    1. Hallo Karin! Da hast du ja ganz schön Zeit investiert um die inzwischen über 100 (hab nachgezählt, hui!) Blogbeiträge alle zu lesen. Schön dass du meinen Blog gefunden hast und ich freu mich immer sehr über jeden einzelnen Kommentar, der mir da gelassen wird. Kathrin

  2. Für Deine Zeit zuhause wünsche ich Dir gutes Durchhaltevermögen und gute Nerven! Was Dein Outfit anbelangt: Ich finde, Du hast Deinen eigenen Stil mit einem echten Wiedererkennungswert. Das muss man erst mal schaffen!
    LG Julia

  3. toll geworden, Dein Bluse, und vor allem mit Jeans kombiniert gefällt sie mir sehr gut. Die Jeansblautöne passen ja auch einfach so gut zusammen, das wirkt dann sehr harmonisch.
    Falls Du Interesse hast, Dich über „Coronoia“ zu informieren, aber etwas jenseits der offiziellen Interneterfahrungen, schau doch mal bei impf-info.de , bei martin-hirte.de oder bei wodarg.com vorbei…
    LG Barbara
    LG

    1. Haha, ja das Wort „Coronoia“ passt ganz gut. Die Linksammlung auf der Seite impf-info find ich gut, fasst eigentlich alles zusammen, womit ich mich auch bereits beschäftigt habe.

    1. Danke Sandra! Meine Kreativität ist auch manchmal anstrengend für mich. Ich kann gar nicht so viel machen, wie ich gern würde und im Kopf hätte…

    1. Es ging eigentlich mit dem Aufwand. Das Shirt selbst ist ja super simpel. Ich hab an einem Abend das Zuschnitt-Puzzle gemacht und am nächsten das Shirt genäht.

  4. Das gefällt mir sehr gut, super Idee, das merke ich mir.
    die einschränkungen nerven mich auch, obwohl ich übezeugt bin das es gut ist.
    LG Jeanette

  5. Schöööön! Besonders gut gefällt mir das kleine helle Dreieck unten. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Dreiecke ganz schön viel Stoff beanspruchen und es deshalb mit den drei Hosen eng geworden ist. Mist, jetzt wollte ich für die nächsten Stoffspielereien mit dem visible mending deine geniale Jeans nachmachen, aber komme nicht in einen Second Hand Laden. Vielleicht probiere ich es mal mit einer der Hosen von meinem Mann.
    Es wird tatsächlich wenig diskutiert momentan, das wird sich sicher bald wieder ändern. Das Wort Diktatur ist mir zu krass, bei uns darf immer noch jeder fast alles sagen, ohne verhaftet zu werden. Aber die Blockwart-Mentalität momentan nervt.
    Dass deine Haare wieder wachsen dürfen, finde ich übrigens gut!
    Liebe Grüße und feste Wünsche, dass dir nicht die Decke auf den Kopf fällt zu Hause. Christiane

    1. Das stimmt, vor allem weil die Dreiecke ja im Fadenlauf bleiben sollten. Die Ebay Kleinanzeigen sind auch eine gute Quelle für Second Hand Klamotten, aber eine Hose von deinem Mann ist eigentlich die coolere Idee. Ich hab auf instagram schon richtig tolle Jeans gesehen, die aus großen Männerjeans komplett neu zugeschnitten wurden – sowas hier z.B. https://www.whitneymakes.com/joinus4jeans-whitney-makes-franken-jean-morgans/
      Und naja, Meinungen kann man zwar noch haben, aber die werden nicht gehört, bzw. bekommt man schnell wüste Beschimpfungen zu hören, wenn man Bedenken äußert. Ich gehöre übrigens keinesfalls zu den Verschwörungstheoretikern, die an die bevorstehende Weltherrschaft einer reichen Elite glauben – aber ein gesundes Mittelmaß in der Argumentation, rational und mit gesundem Menschverstand nachvollziehbar – das fehlt mir einfach. Maximale Maßnahmen auf Basis minimaler Gewissheit (die Datenerhebungen sind einfach unfassbar lückenhaft, die veröffentlichten Zahlen ohne jede Bezugsgrößen und nur sehr begrenzt aussagefähig!) und die Verbreitung von Angst und Panik hat für mich leider nichts vertrauensbildendes. Angst macht Menschen erst krank.

      1. Schon merkwürdig, wie unterschiedlich alles sein kann. Hier in Berlin Wedding nehmen bisher kaum Leute das ganze ernst. Erst seit dieser Woche gibt es bei manchen Läden maximale Kundenanzahl und entsprechende Wartezeit draußen. Viele Leute halten auch keinen Abstand.

  6. Toll!!! Auf den Fieda Schnitt wäre ich garnicht gekommen… Ich stehe auch total auf Jeans Patchwork, und habe hier auch noch einen ordentlichen Stapel. Aber davor habe ich noch eine laaaaange Liste mit anderen Ideen!!! (Und diverse Mundschütze zu nähen…) 😉
    LG Sarah

  7. Ein sehr schönes Oberteil, gefällt mir genauso gut wie dein Patchwork-Pulli (Bernette). Würde ich sofort nachmachen, aber ich habe nur einen Stapel ausrangierter Hosen hier, das wäre mir für eine Schlupfbluse zu steif. Und vielen Dank auch für den Hinweis auf die Patchwork-Outdoorjacke, ich bin immer auf der Suche nach Inspiration, was ich mit meiner ausrangierten Funktionskleidung machen soll. Da bleibt ja sonst leider nur die Mülltonne … LG und halte durch im Homeoffice! Gisela

    1. Ich bin ja froh darüber, dass ich in dieser Situation noch genug Arbeit habe, aber da das ganze Freizeitgeschehen nun auch noch am Computer stattfindet (Chorproben, Sport,…) hoffe ich, dass ich bald endlich wieder mehr Zeit habe, um zu Nähen, stricken, färben – offline und mit den Händen.

    1. Das wäre für mich der Horror, ich hab im Moment zum Glück noch genug Arbeit. Aber wie ich noch von der Wirtschaftskrise 2008 weiß, trifft es mich vermutlich zeitversetzt… weil in der Rezession die Ausgaben für Marketing und Werbung einfach auf ein Minimum reduziert werden. Ein ganz schöner Mist, das alles. Wenn du bei der Soforthilfe mit dem Antrag durchgekommen bist, bekommst du auch dein Geld. Und ich weiß gar nicht, ob ich es beantragen kann, wenn es mich nicht unmittelbar trifft.

    1. Dankeschön! Das Problem ist inzwischen, ich kann mich kaum noch von Kleidung trennen, weil ich immer denke, man kann ja noch was Neues draus machen….

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