Ode an die Freude

Am meisten von allen derzeitigen Verboten (bzw. Covid-19 bedingten Einschränkungen) nervt mich das Spaßverbot. Also nicht, dass das offziell im Maßnahmenkatalog stehen würde, diese Einschränkung besteht offensichtlich auf freiwilliger Basis. Ist auch verständlich, ein bißchen, denn so richtig witzig ist die Situation auch zugegebenermaßen nicht. Es gibt aber kaum andere Gesprächsthemen und selten bis nie höre ich optimistische Einstellungen…
Aber mein Credo ist, mich nicht zu doll auf negative Dinge zu fokussieren, die ich ohnehin nicht ändern kann. Sondern lieber den Blick auf die guten Dinge zu richten und damit der Lebensfreude mehr Raum zu geben, als dem Frust über Unabänderlichkeiten.

Dass ich meine Stoffdiät soweit ganz gut durchhalte, hab ich ja neulich schon berichtet. Was ich aber nicht geschafft habe, ist der Verzicht auf Schnittmusterkäufe. Als ich Anfang des Monats zu meiner Familie gereist bin, musste ich 30 Minuten Zeit im Frankfurter Hbf tot schlagen. Kann ich super an Bahnhöfen – nämlich im Zeitschriftenladen. Üblicherweise blätter ich dann so durch 5-6 Nähzeitschriften und stelle fest: häßlich, langweilig, garnichtmeingeschmack, hab ich so (oder so ähnlich) schon… Dieses mal aber gab es gleich mehrere Hefte mit jeweils mehreren interessanten Schnitten und ich ging deshalb letztlich mit 3 gekauften Heften aus dem Laden. Eins davon war das Burda Sonderheft „Tops & Blusen“, in dem mir mindestens 5 Schnitte super gut gefallen. Das Preis-/Leistungsverhältnis von Magazinen, vor allem wenn man mehrere Schnitte daraus näht, ist halt verlockend gut.

Sofort verliebt war ich in dieses oversized Blusentop. Eigentlich in das ganze Outfit – inklusive Sonnenbrille und gelbem Fahrrad! Wieder zuhause angekommen, hab ich deshalb gleich mein Stofflager durchforstet, um etwas für dieses Modell zu finden. Ich hatte zunächst darauf spekuliert, dass ich meinen Geburtstagsgeschenk Stoff dafür nehmen kann. Aber 1 m Indigo gefärbter Stoff von Merchant & Mills mit nur 110 cm Breite – war leider eindeutig zu wenig für dieses Modell. Schade.

Ein ganz altes Schätzchen hab ich schließlich ausgewählt. Einen Batist, von dem ich nicht mehr weiß, wo ich ihn eigentlich gekauft habe und ca 10 Jahre in meinem Stofflager. Ich weiß aber noch, dass ich ihn zusammen mit diesem Stoff gekauft hatte und vermutete als Quelle den Maybachufermarkt. Beim Zuschnitt hab ich allerdings Plastik Tags am Stoffrand gefunden, was tatsächlich eher für Karstadt Stoffcoupons spricht… Naja, jedenfalls hatte ich ewig keine Idee für diesen Stoff. So groß gemustert! Total schön, Farben, Stoffqualität und alles – aber was soll das werden? Ich glaube beim Kaufen schwebte mir ein Strand Pareo vor. (Das Muster erinnert einerseits an afrikanische Waxprints und sieht aber auch irgendwie aus wie – Miesmuscheln?) Nur – wer trägt diese Dinger eigentlich in Wirklichkeit? Ich jedenfalls hab noch nie einen Pareo gebraucht.

Letzten Herbst hatte ich mir den Stoff bereits als Innenfutter für einen geplanten Windbreaker Blouson rausgelegt (den ich dann doch nicht genäht habe, zumindest noch nicht…). Denn: besser als Futterstoff verwenden als gar nicht. Vor dem Zuschnitt von diesem Burda Top dachte ich mir auch, wenn das Experiment schief geht und mir das Ergebnis nicht gefällt, kann ich immer noch den größten Teil als Futterstoff „recyceln“, denn der Schnitt hat ja nur Schulter- und Ärmelnähte und ist extrem weit.

Das kurze Jäckchen mit angeschnittenen Ärmeln ist weit genug und passt drüber! Die Leinen Chambray Hose ist Second Hand.

Eigentlich auch ein bißchen zu weit. Ich hab Größe 36 genäht, die kleinste mögliche Größe. Das Ruffle Sleeve Top, das ich aus dem anderen „Zwillings“Stoff genäht hatte (gleiche Stoffqualität, nur anderer Print), ist ja schon sehr weit – und dieses hier hat noch einige Zentimeter mehr. Aber das ist ja auch irgendwie Absicht bei oversized Schnitten und luftige Kleidung ist im Sommer auch zugegebenermaßen richtig angenehm. Ich erinnere mich an einen der schönsten Abende des letzten Sommers, an dem ich das Ruffle Sleeve Top an hatte – es war ein Open Air Konzert der absolut faszinierenden Künstlerin Angelique Kidjo.

Ich übe mich im Sommer-Urlaubsfeeling! Hose Mikkaelea (Schnittgeflüster)

Diese aus Benin stammende Sängerin versprüht eine unfassbare Energie und Lebensfreude und das live zu erleben war einfach nur großartig! Der Abend endete damit, dass sich Angelique zunächst freiwilliges Publikum auf die Bühne zum Mittanzen und feiern holte und dann selbst die Bühne verließ und zwischen die Zuschauer mischte – einfach nur ansteckend: alle haben mitgetanzt, gesungen und das Leben gefeiert! So wie hier bei den Grammy Awards, so könnt ihr euch das vorstellen (und da hat sie die Leute auch noch sprichwörtlich vom Hocker gerissen):

In meinem Ruffle Sleeve Top fühlte ich mich dabei schon ganz passend gekleidet, aber sollte ich nochmal die Gelegenheit haben, ein Live Konzert dieser tollen Frau zu besuchen, wird mein Muschel Top meine erste Wahl sein.

Eigentlich hab ich Muster zur Boro Hose bisher eher gemieden – hier funktioniert es aber finde ich.

Ich finde das groß gemusterte Shirt an mir noch ziemlich gewöhnungsbedürftig, aber es ist doch eindeutig ein richtiges Gute-Laune-Teil! Der Stoff ist kein Waxprint aber doch eindeutig afrikanisch assoziiert. Bei Karlotta Pink gibt es z.B. einen echten Waxprint mit diesem „Muschel“-Motiv. Ich finde diese Stoffe an farbigen Frauen oft so unglaublich schön – als blasse Mitteleuropäerin kann man dem Look nicht so ganz gerecht werden. Aber das macht nichts. Wenn es Freude macht….

Deine Zauber binden wieder, was die Mode streng geteilt. Alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt.


Verlinkt: Du für Dich, Creative Lovers, Handmade oT, 12ausdemstoffregal

7 Gedanken zu „Ode an die Freude“

  1. Haha… Ich komme ja jeden Tag über den Hauptbahnhof, aber ich weiß warum ich nicht abbiege… Ich kann gar nicht ohne Zeitschrift aus dem Laden! Ich finde es super, dass du drei Hefte gekauft hast… Was wohl die anderen zwei für welche waren… 😉 Das Top ist Top, genau wie deine Einstellung zur Sache! behalt das so bei, und mach weiter Stoffdiät bitte! Ganz liebe Grüße, Sarah

  2. Sehr schön lässig! Ich habe schon beim Vorschau Bild im Feedreader gedacht, „das könnte ich ja mit diesem Shirt aus der Burda letztes Jahr nähen!“ 😀 Ich bin sonst gar kein Freund von oversized und kastig, aber irgendwas an dem Proportionen dieser Bluse hat mich damals sehr gereizt. Aber noch nicht genäht, denn ob ich es wirklich tragen würde? An dir gefällt es mir super. Sieht perfekt aus für Hitze und gute Laune! Vielleicht finde ich ja auch einen passenden (vor allem: weich fallenden) Stoff mit gute Laune Muster.
    Die Sätze deiner Einleitung haben mir aus der Seele gesprochen. Auch ich habe mir erst diese Woche wieder erlaubt, draußen einfach Freude an Sonne und Leben zu haben, statt Sorge um Mindestabstände und zweite Welle. Auf ein Eis und schöne Muster!

    1. Ja, da hast du Recht. So einen Stoff darf man möglichst nicht zerschnippeln. Ich hab auch die Schnittteile extra noch so platziert, dass möglichst viele ganze Motive zu sehen sind.

  3. Das sieht toll aus!
    Der Stoff ist wie gemacht für das Shirt. Gut, dass du soviel Zeit am Bahnhof hattest .
    Ich kaufe auch immer gerne Nähzeitschriften, schaue mir gerne die Bilder an und stelle sie dann ins Regal ohne was zu nähen. Gut, dass mein Mann im Moment die Einkäufe übernimmt, dann komme ich nicht in Versuchung.

    1. Ich nähe schon öfter aus Zeitschriften, aber längst nicht alles, was ich beim Kauf derselben so vorhatte… Der normale Einkauf ist bei mir total ungefährlich, außer der Burda hat der hiesige Edeka nämlich nichts im Angebot. Aber Bahnhöfe…. 😉

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