Upcycling Stories #8 – Dornröschen

Nach meinen Eindrücken aus dem Leinenmuseum habe ich endlich schon länger geplante Upcycling Projekte motiviert in Angriff genommen. Dieser Beitrag wird märchenhaft – ich hab nämlich ein paar Textilien aus ihrem 100jährigen Schlaf wach geküsst.

Ich liebe ja Flohmärkte und hab dort schon das ein oder andere Textil mitgenommen für Upcycling-Projekte. Auch dieser Stapel wuchs wie das Stofflager nur immer weiter an – Zeit ihn etwas abzubauen!

Auf einem Sylter Flohmarkt vor 2 Jahren fand ich eine fantastische Leinentischdecke mit Weißstickerei. Leider hatte sie einige Löcher und Flecken in der Mitte, aber sonst hätte ich sie vermutlich auch nicht für 5 Euro bekommen. Immerhin hatte die Verkäuferin zum Glück den richtigen Verdacht, dass jemand die schöne Rosen-Stickerei vielleicht noch für etwas anderes gebrauchen könnte und das Teil ist nicht im Müll gelandet.

Ich vermute, die Stickerei ist Handarbeit, es ist ein ziemlich grobes Stickgarn. Aber es sieht so perfekt gestickt aus, dass ich es nicht sicher sagen kann.

Dass es ein Oberteil werden sollte, war eigentlich von Anfang an klar, aber ich hatte noch keine konkrete Vorstellung. Ich habe schließlich eine Frau Frida (einer meiner Lieblingsschnitte, habt ihr sicher schon gemerkt) daraus gemacht. Vorder- und Rückteil mussten jeweils eine Naht in der Mitte bekommen. Da man das bei dem weißen Stoff sowieso sieht, habe ich mich für ein Zierband entschieden, das diese Naht noch extra betont. Auch die Schulternähte haben so ein Zierband bekommen. Das Band hab ich (glaub ich) mal am Maybachufer mitgenommen, es ist Baumwollband. Ich weiß leider nicht, wie man sowas nennt… kann jemand helfen? Ich kenn sowas von Konfektionsware und dachte, das kann ich sicher mal gebrauchen…

Das Label mit meinen Initialen hat meine Mutter von einem Flohmarkt für mich mitgebracht.

Die Borte mit den blauen Rosen aus dem Museums-Shop vom Leinenmuseum sollte auch zu einem Oberteil werden und dort vorn mittig plaziert – das hatte ich mir direkt so vorgestellt. Auf der Suche nach einem passenden Material für das Top hab ich meine Tüte mit Weißwäsche durchsucht und ein Nachthemd/Unterkleid von meiner Uroma herausgefischt. Das ist aus dünner Baumwolle und hatte eine schöne Ausschnittverzierung. Ich hatte eigentlich mal gedacht, es zu einem Unterhemd zu kürzen, aber es hatte mir auch nicht so gut gepasst und lag nur herum.

Weil der Stoff so schön sommerlich leicht ist, fand ich ihn super für die Sommerbluse, die mir vorschwebte. Das Kleid war schon mal von Hand enger genäht worden, die Zugabe musste ich wieder herauslassen und die Abnhäher vorn und hinten habe ich aufgetrennt. Auch hier kam noch eine zusätzliche Zierborte zum Einsatz, die ich mal vom Maybachufer mitgebracht habe. An der Schulter wollte ich zuerst auch Einsätze von der bestickten Borte verwenden, aber die war einfach zu breit. Statt dessen hab ich einen Streifen aus Baumwollnetz (ehemaliger Bestandteil eines Ikea-Kissens) verwendet.

Achso: auch dies ist eine Frau Frida. Übrigens hieß meine Uroma so. Frieda. Was sonst hätte ich also aus ihrem Nachthemd nähen sollen?

Irgendwie sieht diese Version in blau/weiß viel mehr nach Sylt aus als die andere. Aber ich find sie beide voll schön! Auch wenn solche Teile nicht typisch für meinen sonst eher grafischen und weniger romantischen Stil sind. Zur Jeans fühl ich mich perfekt damit angezogen.

Aber ich kann auch romantisch! Bei meinem Wochenendausflug nach Hamburg hab ich mir passende Locations für die Dornröschen-Modestrecke gesucht. Leider war kein Stylist und Visagist am Start, aber ich hab alles gegeben 🙂

Ein Besuch im Freilichtmuseum Kiekeberg war die absolut passende Umgebung für meine Blusen.
Der Rock hat auch immerhin schon so 40 Jahre auf dem Buckel, er gehörte schon meiner Mutter.
Hinter der Tür links war ein alter Webstuhl aufgebaut. Und ja, ich hab mich im Museum umgezogen.

Das Freilichtmuseum zeigt alte reetgedeckte Bauernhäuser und altes Handwerk, es gibt Gänse, Schweine, Hühner, Bauerngärten und ein tolles Seminarprogramm und Ferienprogramm für Kinder.

Die Fotos vom Titelmotiv sind aus dem Rosenpark vom „Planten und Blomen“ in Hamburg. Ein superschöner Stadtpark, da wird man als Berliner ganz neidisch. Wir haben zwar auch Parks, aber die sind nicht mal halb so schön. (Außer die, die Eintritt kosten und ein paar km weg sind.)
Und das letzte, mein Lieblingsbild, ist auf der Heimreise entlang der Elbtalaue zwischen Hamburg und Berlin entstanden. Das Haus ist ein Ferienhaus für größere Gruppen (mit Seminarraum und Wellnessbereich) in einem Mini-Dorf umgeben von Feldern direkt an der Elbe. Hat jemand Lust auf Näh-Urlaub?!

https://naehfrosch.de/du-fuer-dich-am-donnerstag-109/Verlinkt: Upcycling Love, Creative Lovers, Einfach Nachhaltig, Handmade on Tuesday, Öko-Logisch!

21 Gedanken zu „Upcycling Stories #8 – Dornröschen“

  1. Boah, die neuen Oberteile sind so schön. Und die ganzen kleinen Details, die du noch zusätzlich eingefügt hast, da gehört auch schon eine Portion Vorstellungskraft dazu. Ich mag den Stil sehr gern, aber mit Kleinkind schreckt mich weiße Kleidung gerade sehr ab 😉 LG Ina

  2. Meine Mutter war Handwebmeisterin und hatte bei uns im Haus ihre Werkstatt mit 4 Webstühlen. Das hat sie einerseits fit gehalten – sie ist noch mit Ende Siebzig zwischen den Stühlen herumgeklettert und -gekrochen, um die Kette neu aufzuziehen. Andererseits hat es uns gelehrt, diese Arbeit zu schätzen. Ihre handgewebten Tischdecken sind immer noch in Gebrauch.

    1. Wow, cool. Hast du das auch mal ausprobiert mit dem Weben? Mich juckt das ja schon… aber: zu viele Ideen zu wenig Zeit. Aber irgendwann bestimmt – wenn das so fit hält, erst recht 😉

  3. Weißes Besticktes und Blaues Bortiges schweben auch mir schon längere Zeit vor – und jetzt zeigst Du genau solche Stücke, genial! Alle meine textilen Reisen für dieses Jahr sind Corona-bedingt ausgefallen, wurden abgesagt. Ich suche die ganze Zeit nach einer Ausrede, dieses Jahr trotzdem noch einmal auf textilen Spuren nach Deutschland fahren zu müssen. Näh-Urlaub? Sehr gerne! Liebe Grüße, Gabi

  4. Ach, da hätte sich deine Uroma bestimmt gefreut, dass ihr Nachthemd nochmal zu neuen Ehren kommt. Bewundernswert, wie du diese ganzen Schätze zusammengefügt hast. Weiß und blau passt halt gut zusammen.
    Auch wenn es weit weg ist, zu nem Nähwochenende würde ich mitkommen. Kann man bei denen im Hof vielleicht auch färben? 😉
    Liebe Grüße Christiane

  5. In den Nähurlaub würde ich sofort mitfahren! 🙂
    Deine beiden Oberteile finde ich sehr hübsch, ich verfolge ja total gerne solche Upcycling-Stories. Als ich das kleine Label mit deinen Initialen gesehen habe, musste ich direkt an eine Nonne denken, die regelmäßig zu unserem Stricktreff kam. Sie hat dort zwar nicht gestrickt, aber dafür die kleinen Etiketten an Wäsche angebracht, die jedes Teil der zugehörigen Schwester zuordnen. Da alles extern gewaschen wurde, war das wichtig, damit nichts verloren geht.
    Liebe Grüße!

    1. Auf alten Textilien sind ja immer Initialen, ich weiß nicht mal genau warum. Handtücher, Bettwäsche, etc. Sogar Silberbesteck hat oft eine Gravur. Kennst du den YouTube Kanal „How to slay Omas Kleiderschrank“? Eine junge Dame aus Österreich stellt dort sehr unterhaltsam ihre Projekte vor, schau da mal rein 😉

      1. Ich glaube, zum einen waren die Initialen aus dem oben genannten Grund wichtig: wenn irgendwo zentral gewaschen und auf der Dorfwiese gebleicht wurde, musste eindeutig klar sein, wem was gehört. Und so wurde auch die Aussteuer ordentlich bestickt, das hatte bestimmt auch was mit Besitzerstolz zu tun. So stolz kannst du jetzt auch sein ;o)

  6. Sehrsehr hübsch sind beide Tops geworden und der schlichte, moderne Schnitt bildet einen schönen Kontrast zu den Stoffen.
    Zur Jeans gefallen mir die Tops richtig gut.
    LG von Susanne

    1. Ja, den Schnitt wollte ich bewusst schlicht halten. Auch wenn das Material in Richtung „Boho“ Stil geht, wo häufig noch Rüschen und Volants dran gehören, für mich wäre das zu viel des Guten gewesen.

  7. Hallo, ich habe noch alte Leinenstoffe, alte Spitzenteile und alte handgwebte Tischdecken. Haben Sie vielleicht Interesse. Sind günstig zu vergeben an Upcycling-Freunde. Wohne in Fürstenwalde und könnte vorbei kommen. Mfg Christel Weingart, Filzerin

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