30+5 / Ein guter Schnitt?

Puh. Ja. Wie ist denn das passiert – schon Januar? Wahrscheinlich hats eh keiner gemerkt, aber im Dezember konnte ich meinem kleinen Blog leider keine einzige Naht oder kurze Zeile widmen. Begonnen hatte alles noch so schön, mit einem Kurzurlaub an den Vierwaldstätter See in der Schweiz, wo ich traumhaft verschneite Natur, urgemütliche Weihnachtsmärkte und mein allererstes Käsefondue genießen konnte.

Aber dann prasselte ein solcher Berg Arbeit auf mich ein, dass ich kaum Luft schnappen konnte. Das Los der Freiberuflichkeit, da gibt es eben solche und solche Zeiten. Ich hab alles geschafft, aber meine tollen Ideen für selbst gemachte Weihnachtsgeschenke mussten aufs nächste Jahr verschoben werden. Ein Einziges habe ich am 22.12. noch hinbekommen, davon gibt es aber leider kein Originalfoto. Sieht aber aus wie diese Vorlage, von der ich ein bißchen abgeschummelt habe. 😉

Das letztes Kleidungsprojekt an der Nähmaschine war Ende November noch ein Cardigan für meinen Mini-Neffen zum 2. Geburtstag. Der Schnitt ist „Camil“ aus der La Maison Victor 05/2015. Für den konnte ich noch Restefitzel vom tollen Lebenskleidung Frottee Sweat verarbeiten, aus dem ich im Sommer ein Strandkleid und ein Jäckchen genäht hatte. Für den Cardigan brauchte ich noch passende Holzknöpfe und hatte endlich mal wieder einen Grund, bei Paul Knopf vorbeizuschauen. DAS Paradies für Knöpfe und ein tolles altes Ladengeschäft in Kreuzberg mit Knöpfen bis unter die Decke. Berliner werden ihn kennen, Nicht-Berliner sollten auf jeden Fall mal einen Besuch einplanen bei der nächsten Shopping Tour in der Hauptstadt.

So und nun schreibe ich meinen ersten Jahresrückblick für den Holycows Blog.
Gestartet bin ich mit absoluter Blogger-Ahnungslosigkeit und ohne konkrete Vorstellungen, was das hier nun werden soll. Eine Art Nähtagebuch, damit ich – auch für mich selbst – dokumentiert sehe, was ich so alles fabriziere. Und es mit der Nähwelt teilen kann. 
Und ich habe festgestellt, das macht ziemlich Spaß. Aber es ist auch ein großer Aufwand – der natürlich auch durch meine eigenen Ansprüche bedingt ist. Ich hab ein abgeschlossenes Fotografiestudium mit Zertifikat. Da kann ich halt nicht einfach mit einem Handy vorm Spiegel stehen – obwohl es das auch tut und mich bei anderen Bloggern auch gar nicht stört. Hauptsache ist, man sieht das genähte Teil. Aber bei mir muss ein richtiges Shooting stattfinden, mit Fotoecke in der Wohnung freiräumen, Licht aufbauen, Kamera auf dem Stativ mit Selbstauslöser… dann Bilder sortieren, noch ein bißchen bearbeiten und WP-fähig verkleinern – das dauert! (Übrigens hab ich sie auch einmal nicht richtig verkleinert und wurde dafür bestraft, da eure vielen Klicks dann mein inklusive Trafficvolumen gesprengt hatten – das heißt: Draufzahlen! Den Provider nenne ich hier nicht, der hat keine Werbung verdient, nicht mal schlechte.)
Wahrscheinlich wäre es schlauer, bei einem Shooting immer ein paar genähte Teile hintereinander weg zu fotografieren. Aber dafür müsste ich erstmal einen Shooting Vorrat nähen. Wie macht ihr das denn so? Ich hab manchmal das Gefühl, ich bin echt ne Schnecke und brauche ewig für die Projekte. Es fängt aber auch schon bei der Entscheidungsfindung an, WAS das nächste Projekt wird und wie genau ich es umsetze. Welcher Stoff, welcher Schnitt, welche Extras… da gibts ja so viele Optionen. Wenn ich für 2018 einen Vorsatz habe, dann definitiv den Abbau meines Stofflagers. Allein damit könnte ich mich in den nächsten 365 Tagen beschäftigen und müsste keinen Stoffladen betreten. Ok, für Kurzwaren eventuell.

Dabei hatte ich mir gerade überlegt, im nächsten Jahr verstärkt Upcycling Projekte anzugehen, weil mir in 2017 definitiv den größten Spaß die „The Refashioners Challenge“ bereitet hat und mir das Thema auch so am Herzen liegt. Getragene Kleidung ist nun mal kein Müll! Ich hatte sogar überlegt, eine regelmäßige Kleider Upcycling Linkparty zu starten (wenn ich den Provider gewechselt habe) Aber mit Upcycling Teilen wird mein Stofflager nicht leer… Dilemma. So wird es wohl einfach so weitergehen wie gehabt – ich nähe, was ich entweder gerade brauche oder wozu ich Lust habe. 

Kommen wir nun zur Preisverleihung für meine genähten Werke aus 2017. Nina von Verfliest & Zugenäht hat dazu aufgerufen und hier sind meine Nominierten für den Sewing Oscar 2017:

01. Beste/r HauptdarstellerIn – das liebste bzw. am häufigsten getragene Kleidungsstück

Ich kann das nur aus dem Bauchgefühl entscheiden, aber ich vermute, dass die im April genähte mintgrüne Jeans mein meistgetragenes Kleidungsstück ist. 

02. Beste/r NebendarstellerIn – das am besten zu kombinierende Kleidungsstück  


Ein weißer Strickpullover passt wirklich zu allem. Für manche sehr tief sitzenden Hosen/Röcke ist er allerdings zu kurz, bauchfrei lauf ich nicht mehr rum.

03. Beste Regie – die aufwändigste Verarbeitung bzw. die technischste Herausforderung  


Mein Paar selbst gemachter Schuhe, für das ich eigens nach London gereist bin um an einem 3tägigen Workshop teilzunehmen, hat hier verdient gewonnen.

04. Bester Schnitt – das Lieblingsschnittmuster 

 

Die Ankerliebe. Gleich dreimal genäht. Wobei ich auch das Leila Top aus der LMV dreimal genäht habe. Kopf an Kopf Rennen, aber die Shirts mit Flügelärmeln werden häufiger getragen

05. Bestes Drehbuch – die beste Anleitung bzw. das beste Ebook


Die Jeans nach eigenem Maßschnitt gewinnt diese Kategorie. Denn ohne das Makerist Video (Affiliate Link) für die Schnittkonstruktion von Hosen wäre das nichts geworden. 

06. Ehrenoscar – das schönste für jemand anders genähte Kleidungsstück   

Der Nachwuchs meines besten Freundes wurde benäht. Eine von ihm aussortierte karierte Herrenhose wurde zu süßen Stiefelchen und einer Dackeljacke für die kleine Tochter. Die Jacke wurde dann für einen anderen Dackelfan-Nachwuchs auch noch ein weiteres mal genäht. 

07. Beste Kamera – die schönsten Bilder von eurem genähten Werk

       

Das Fotoshooting auf Usedom! Für das Lebenskleidung Probenähen. Die hat meine Freundin gemacht am Strand zwischen Koserow und Zinnowitz. 

08. Beste Visuelle Effekte – nach Belieben interpretierbar


Hier nominiere ich mein Patchworkshirt mit Glitzereffekten. Übrigens auch ein viel getragenes Teil, der silberne Glitzer wäscht sich leider schon aus…

09. Bestes Kostümdesign

      

Nix Cosplay oder Fasching. Ich trage ein echtes Kostüm. Nur auf den Kopf gestellt, Jacke unten, Rock obenrum

10. Bester Dokumentarfilm – habt ihr ein tolles Tutorial im Bereich Kleidung nähen erstellt dieses Jahr?


Bei meinem Tutorial geht es nicht ums Nähen, sondern ums Bedrucken von Kleidung. Mit der Freezerpaper Schablonentechnik. 

11. Goldene Himbeere (Anti Oscar) – der größte Reinfall 

 Tja, das sind zum Glück die beiden Knitterfalten ziehenden Hosen vom Januar geblieben. Und die sind auch wirklich zu groß inzwischen. 

 

 

Ungefähr 30 selbst genähte Kleidungsstücke sind 2017 in meinen Schrank gewandert. Auf dem Flohmarkt war ich eher sparsam unterwegs, aber eine Handvoll Teile hab ich sicher auch dort noch erstanden. Ein einziger neu gekaufter Pulli kam dazu beim Bummel durch London. Ich bin ganz zufrieden, denn vom deutschen Durchschnittskonsum, nämlich 60 Teile pro Jahr, bin ich damit zum Glück ein gutes Stück entfernt. Allerdings kann und sollte ich mein Konsumverhalten beim Stoff- und Wollkauf (Schnäppchenecke, Sale, Lagerverkauf… ohohoh!) durchaus verbessern. 

Buy less, choose well, make it last. (Vivienne Westwood) 

Ich arbeite 2018 weiter dran und freu mich auf eure Kommentare und den Erfahrungsaustausch! Vielen Dank, dass ihr im letzten Jahr auf meinen Blog gefunden habt und euch offenbar auch nicht langweilt. 

Verlinkt: The Sewing Oscars 2017, RUMS