Minimalistisch aufgerüscht

Ich spring ja nicht gerade schnell auf Modetrends an, viele kann ich auch einfach getrost auslassen. So, dachte ich, könnte ich auch mit den Rüschen verfahren. Aber die sind jetzt schon seit 3 Jahren „in“ und so langsam hat sich mein Auge dran gewöhnt und findet das ein oder andere Modell mit Rüsche oder Volant sogar halbwegs schön – also, vorausgesetzt es ist nicht auch noch rosa. 😉


Auf meiner letzten Bahnreise konnte ich das Angebot an Nähzeitschriften im Bahnhofskiosk eingehend studieren und ich habe ein Heft gekauft, in dem es gefühlt eigentlich nur Schnitte mit Rüschen gibt. Wieso?

Weil es ein Top enthält, das ich – und das ist eine absolute Premiere in meiner 30jährigen Nähkarriere – exakt genau so haben wollte, wie abgebildet. 

Ich finde die Rüsche gibt dem einfachen Trägertop das gewisse Etwas – ein kleiner Hingucker, der das Teil etwas weniger sportlich aber trotzdem lässig macht. Der passende Stoff lag auch schon zuhause, aus dem Lebenskleidung Lagerverkauf. Und das ist die kleine Abweichung, mein Stoff ist offweiss/navy gestreift und nicht schwarz/weiß. Ha!

Die Rüsche ist in diesem Fall so mini, wäre sie nicht längs gestreift, würde sie ja kaum auffallen. Dafür ist sie aber auch nochmal hinten, was ich mega schön finde!

Ich hatte mich noch gefragt, ob ich da wirklich den Schnitt brauche oder einfach den von meinem letztes Jahr drei mal genähten Leila Top aus der LMV nehme und zurecht bastle. Aber Leila war aus Webstoff mit Abnähern und dieses Top aus Jersey – man weiß nie und sicher ist sicher. 

Also ich fang mal mit dem Pluspunkt des ‚Mein Style‘ Schnittes an: ich hatte ein Schnittteil für die Rüsche und die Träger, die auch in der Länge perfekt gepasst haben. Das Hauptschnitteil musste ich aber ganz schön anpassen. Der Armausschnitt war zu hoch, es gab zu viel Stoff und Falten unter den Armen und ich hab einige Zentimeter von dort auslaufend zu den vorderen Spitzen weggeschnitten. (Abnäher wollte ich wegen den Streifen einfach nicht haben). Außerdem war das Top tatsächlich viel weiter als bei meinem Leila Schnitt für nicht dehnbare Stoffe. Ich hab es erstmal so genäht wie vorgesehen, dann aber nach der Anprobe die Mehrweite wieder komplett rausgenommen – und es ist immer noch luftig.

Damit die Armausschnitte nicht ausleiern und dann doch wieder zu weit sind, habe ich vor dem Absteppen ein Nahtband aufgebügelt, so dass sich hoffentlich nichts verzieht. Die Trägerteile haben mich die meisten Nerven und Zeit gekostet, denn der Jersey hat sich quer zugeschnitten eingerollt wie verrückt, ich hab so viel Bügelstärke gesprüht, bis das Bügelbrett klebrig wurde. 

Damit es ordentlich wird, hab ich alles mit Reihfaden am Ausschnitt fixiert und dann mit der Zwillingsnadel abgesteppt. Die Stichlänge hatte ich zu klein eingestellt, aber als es mir auffiel, war schon die Hälfte genäht und Auftrennen nicht so verlockend. Die Rüsche hatte vorher mit der Overlock Maschine einfach einen Rollsaum bekommen. Dafür musste ich mich zwar erstmal durch die Anleitung der Maschine wursteln weil ich es noch nie gemacht hatte, aber es war keine große Sache. 

Insgesamt hab ich mich doch sehr gewundert, wie zeitaufwändig das kleine Teilchen war. Dafür dass es aussieht wie mal schnell für den Alltag geshoppt… . Aber es reicht mir auch, wenn nur ich weiß, dass es hand & tailor made und aus Biostoff ist. 
Aber alle wissen: #streifengehenimmer und deshalb hat das Top unzählige Kombipartner in meinem Schrank. Besonders mag ich es zusammen mit meiner mintfarbenen Skinny Jeans

Ich bin mir sicher, dass dies ein oft getragenes Kleidungsstück wird, deshalb war es auch die zeitraubenden Frickeleien wert. Dazu passend am Ende noch ein kleiner Absatz zu meinem Zwischenfazit vom Projekt #2018DIYdontBuy: es fällt mir wie erwartet nicht schwer, nichts zu shoppen. Aber da ich auch keine Second Hand Teile mehr vom Flohmarkt mitnehme, für die ich keinen Aufwand habe und nur ein paar Euro ausgeben muss, stelle ich fest, dass ich mir viel besser überlege, welche Kleidungsstücke ich wirklich in meiner Garderobe haben und anziehen möchte. Schrankleichen mag niemand, wenn sie aber nur 3 Euro gekostet haben und unter „nachhaltigen Konsum“ fallen, ist das ja empfunden nicht so schlimm, wie Arbeit, Zeit und hochwertigen Stoff zu investieren in Kleidung, die nicht getragen wird. Das find ich ist ein toller Effekt – im Sinne von Vivienne Westwoods Zitat „Buy less, choose well, make it last“. 

Ich verlinke mich heute bei 
Sew La La, WoF, Du für Dich, Ich näh Bio, Bio-Linkparty, 2018DIYdontBuy