Vorhang auf: Hello Yellow!

Mein neuer Instagram Account hat gestern schon verraten, dass ich mich mit alten Vorhangstoff Mustern aus den 70er Jahren beschäftigt habe.


Die gabs mal auf dem Flohmarkt und es gibt so Dinge, die muss ich dann kaufen, ohne zu wissen, was daraus werden könnte. Die Musterkollektion besteht aus einem größeren Stück Stoff und dann noch 3 eher kleinen Stücken für die Farbvarianten (24 x 34 cm). Dass das große Stück irgendwie zu etwas tragbarem verarbeitet werden sollte, schwebte mir aber schon vor. 

Jetzt ist gelb ja meine Lieblingsfarbe und angeblich gehöre ich zu den seltenen Menschen, denen das auch steht. (Ich glaub ja, das würde mehr Menschen stehen, die trauen sich nur nicht). Die Nähnerds kennen es vermutlich: Die 12 Colors of Handmade Fashion von Tweed and Greet, wo die NähbloggerInnen jeden Monat von einer neuen Farbe inspiriert werden.

Juhuuu – GELB war die Farbe des Monats! Im April.
Gut, fast hätte ich es ja auch geschafft. Hab immerhin im April angefangen mit dem Projekt (Fürs Protokoll: 30.04. um 23.35 Uhr)… 

Inspiriert von meiner weißen (gekauften) Bluse mit einer Vorderblende (hier), hab ich mir überlegt, dass so eine Blende aus dem Vorhangstoff wohl gut geeignet wäre, um dem grellen Muster einen Hauch von Dezenz zu verleihen. 

Auf der Suche nach einem geeigneten schlichten Shirtschnitt ähnlich dieser Bluse, wurde ich mal wieder bei Makerist fündig: Das Modell Ankerliebe hat die Blende eigentlich nicht sichtbar innen, aber sie ist schon im Schnittmuster enthalten und ich musste sie nur nach unten bis zum Saum verlängern. Und halt nach außen verstürzen und feststeppen. 

Ich hab die Ärmelflügel vom Schnitt noch ein bißchen verkürzt und – nachdem ich die Variante „ausgestellt“ gedruckt, geklebt, zugeschnitten und geheftet hatte – festgestellt: das Shirt ist zu weit und ein paar Zentimeter an Weite weggenommen. 

Es ist ein sehr tragbares Shirt entstanden, das ebenso im kompletten Retrostyle wirkt, wie mit einer ordinären Jeans. Wenn jetzt endlich mal die Sonne rauskäme und man im T-Shirt vor die Tür gehen könnte – ich bin bereit!!!

Ich habe ein neues Schnittmuster ausprobiert und da heute Dienstag ist, verlinke ich mich mit sonnig-gelben Grüßen beim Creadienstag, bei handmadeontuesday und natürlich mit Verspätung auch noch bei den 12 Colors of Handmade Fashion

 

#fashionrevolutionweek – Vintage & Second Hand Kleider

Letzte Woche war die Fashion Revolution Week.

Seit vor inzwischen 4 Jahren in Bangladesch das eingestürzte Rana Plaza Gebäude über 1000 TextilarbeiterInnen unter sich begraben hat, gibt es diese internationale Projektwoche, die zum Ziel hat, die großen Modeketten immer wieder damit zu konfrontieren, dass sie für die Sicherheit der Menschen zuständig sind, die für sie arbeiten. Mit dem hashtag #whomademyclothes und einem Foto vom Etikett der getragenen Kleidung kann jeder mitmachen und seine Lieblingsmarke fragen, ob sie sagen können, wer das Kleidungsstück gemacht hat. Oft ist das nämlich nicht der Fall, da die Marken einfach Aufträge an Subunternehmer vergeben und gar keinen Überblick mehr haben, unter welchen Bedingungen ihre Ware produziert wird. Zu ca. 80 Prozent ist es eine Frau in Bangladesh, Indien, Myanmar, etc. die ausgebeutet wird und weniger als den Existenzlohn bekommt für einen 12 Stunden Arbeitstag. Mir vermiest dieses Wissen jede Freude an einem „Schnäppchen“ von H&M, Primark & Co. 

Ich würd ja gerne alle Sachen selber nähen, die ich trage. Aber ich schaffe bei weitem nicht so viele Projekte, wie ich gerne würde, denn ich habe ja auch noch einen Beruf! Und andere schöne Hobbies. Und Freunde. 

Und, Hand aufs Herz, welche Frau geht nicht gerne auch mal Shoppen? Ich auf jeden Fall, solange ich einen Bogen um die Fast Fashion Ketten machen kann. 
Da trifft es sich ganz gut, dass ich es liebe, in Second-Hand Läden und auf Flohmärkten nach preiswerten Schätzen zu suchen. Ich hab das Glück, in einem Kreuzberger Kiez mit unzählig vielen kleinen Second Hand Läden zu wohnen und noch dazu ist jede Woche Samstag und Sonntag ein Flohmarkt. 

Aus den „Fakten“ des letzte Woche veröffentlichten Fair Fashion Guides:

Vier Mal werden die Teile durchschnittlich getragen, bevor wir sie als Altkleidung aussortieren. Rund 20% unserer Kleidung tragen wir überhaupt nicht.

Es gibt also ein riesiges Potential an nahezu neuwertiger Kleidung, die auf dem Second Hand Markt angeboten wird. Und ja, manchmal landet auch ein H&M Teil über diesen Weg bei mir. 

Mein Kleiderschrank besteht inzwischen zu ca. 30% aus selbst genähtem, 30% aus Second Hand Ware, 30% aus Sachen, die ich halt schon habe (und seit mehr als 4 Jahren trage) und zu 10% aus neuen Teilen. Da ich im Moment mit dem Nähen nicht hinterherkomme (aber letzte Woche in London war, wo ich mein erstes Paar Schuhe selbst hergestellt habe – Blogpost folgt!), dachte ich, ich stelle ich anlässlich der Fashion Revolution Week mal ein paar meiner Kleider, Schuhe und Accessoires vor, die ich Second Hand erstanden habe. 
Mein Favorit ist das schwarz-weiße Kleid mit elastischem Spitzenoberteil. Ich trage es als Bühnenkleidung bei Chorauftritten und es hagelt immer Komplimente dafür.

 

 

 

 
In diesen Schuhen schaffe ich es gerade so, ein Konzert durchzuhalten. Zum Laufen wären mir die zu hoch.  

 

 

Das Hemdblusenkleid ist im Gegensatz zu den anderen (im Retrolook) wirklich alt. Ich hab Ärmel und Saum noch etwas gekürzt, das wäre sonst schlimmer Oma-Style gewesen. Es ist mein „Tante Elsa“ Kleid (Elsa war Mamas Tante) und steht auch meiner Schneiderpuppe, die repräsentativ neben den Stoffkoffern steht.

Links das Original, rechts mit gekürzten Ärmeln und Rock     

Das Streifenkleid aus Strick ist so bequem und die Boots (von Tamaris) meine meistgetragenen Stiefel. 

 

Dafür sind die coolen 70er Leder Plateau Sandalen eher als Sitzschuhe geeignet. 

Das Zickzack Kleid ist mir schon einen Tick zu wild gemustert und ich trag es deshalb nicht so oft.

 

Besonderes Accessoire: die Häkelohrringe, handmade by Oma.

Vintage Karneval – Burda Fasching 1956

Meine Studienzeit in Köln liegt lange zurück, aber der Karneval…. hier in Berlin kann sich das keiner vorstellen. Will auch keiner. Was total schade ist, denn Verkleiden macht so viel Spaß! Ich kann mich an fast alle meine Kinderfaschingskostüme noch erinnern, jedes Jahr brauchte ich ein neues und anderes Kostüm: Pipi Langstrumpf, Ballerina im Tütü, Minnie Mouse, Frau Antje aus Holland, Zigeunerin – meine Mutter durfte sich da immer an der Nähmaschine austoben. Mein Bruder ging jedes Jahr als Clown. Außer einmal, als ich Indianerin war, da war er der Häuptling! 😀 

Ich muss zugeben, das ist lange her. Sehr lange. So 80er Jahre lange. Ich bin also alt genug, um für Retro und Vintage zu schwärmen und deshalb hab ich auch eine Vorliebe für Flohmärkte und vergangenes, aber schönes Design. Ich sammle alte Schnittmusterhefte auf Flohmärkten im In- und Ausland, bevorzugt 50er, 60er bis Mitte 70er Jahre, also noch älter als ich. Auf meinem kleinen Kreuzberger Trödel am Ende der Straße hab ich eine ganz besondere Rarität gefunden: ein Burda Faschingsheft von 1956! Das ist so unfassbar schön wie gleichzeitig absurd und deshalb zeig ich euch jetzt meine Favoriten daraus.
 
Der Liebestrank. Nun, wer möchte ihn nicht probieren? Aber Vorsicht! Originell und bestimmt äußerst begehrt ist diese Medizin-Flasche
Ad Acta:
In dieser Form werden selbst die nüchternsten Akten interessant. Der Rücken des Ordners bildet das Vorderteil des Kostüms. Rückwärts schauen die Akten vorwitzig als Falten heraus.
Mauerblümchen: Ein flottes jugendliches Kostüm. Einem ärmellosen geraden Hemd sind die einzelnen Mauersteine aufgemalt, den Kopf ziert eine große Blüte

Marsbewohner: Etwas unheimlich schaut dieser Fremde aus, doch ist er höchst aktuell. 
Flotter Oskar: Die Längs- und Querstreifenmusterung seiner Hose sagen genug aus über den lustigen jungen Mann. 

Kammerkätzchen: Fröhlich schwingt unser Kammerzöfchen den Staubwedel, denn es kennt noch nicht die echten Sorgen ihres Berufsstandes.
Saaltochter: Von so reizender Hand bedient, kann nichts mehr schiefgehen.    

Verkehrsschreck: Achtung, Augen auf im Straßenverkehr! 
Grashüpfer: Im bunten Faschingstreiben wird sich der unternehmungslustige Grashüpfer recht wohl fühlen. Keck ist das Mützchen mit Fühlern und Pompon.
Gardine: „Vorhang zurück“ möchte man beim Anblick dieser jungen Dame sagen, und schon beginnt das Spiel für eine lustige Faschingsnacht. 

Hasenherz: Unserem Häschen ist vor lauter Aufregung das Herz verrutscht.
Spintisierer:
Ein seltsamer Vogel scheint dieser Herr zu sein. 
Foto-Amateur: Was kostet die Welt, meint der Mann mit der Kamera. Um den Hals zwei Ketten mit Filmspulen und Filmschachteln, dazu eine freche Mütze und auch der Fotoapparat darf natürlich nicht fehlen.  
Nelke: Zart und duftig ist dieses Blumenkind. 
Veilchen: Nicht ganz so bescheiden wie es im Vers lautet, ist unser Veilchen. Das sanfte Grün der Blätter ist zu einem glockigen Prinzeßrock verarbeitet, an den sich eine violette Corsage anschließt.

Der Wahnsinn, oder? Ich bin total fasziniert, frage mich, ob ich lieber als Mauerblümchen oder Gardine gehen möchte oder mich mal als Foto-Amateur tarne. Und was wohl ein Spintisierer ist? Ein tolles Wort. 
Mein Top Favorit für mich selbst wäre aber das Leitz-Ordner Kleid. Einfach großartig das Design. 

Eine große Freude für den Freutag