Culottes – Ja/Nein/Vielleicht?

Ich wurde unlängst zum Modeopfer. Eine Culottes, so dachte ich, könnte ich mir ja mal nähen, solange sie gerade voll „in“ sind. Ich glaube, als Teenager besaß ich in den 90er Jahren auch schon mal sowas. Da hieß das Kleidungsstück allerdings noch Hosenrock.

Im Moment sieht man diese Teile ja oft, auch Schnittmuster gibt es inzwischen unzählige. Hier ein paar, die bei mir in die engere Wahl kamen:

Zwei Burdamodelle fand ich sehr schön, das erste wegen der Farbe und beim zweiten gefällt mir Bügelfalte und Umschlag sehr gut.

Ein Freebook habe ich auch gefunden, das kommt ohne Bundfalten aus und trägt vielleicht weniger auf? Aber dann passiert so wenig mit dem vielen Stoff, zumindest bei einem unifarbenen Modell, wie ich geplant hatte. 

Gelandet bin ich schlußendlich bei einem Simplicity Schnitt, der in einer Meine Nähmode Zeitschrift (2/2017) enthalten ist. Leider erst ab Größe 40. Aber ich hatte mir zugetraut, den Schnitt ungefähr zu gradieren auf 36/38. Ursprünglich wollte ich eine schwarze Culottes nähen, aus etwas schwererem knitterarmem Doppeljersey. Denn schwarz macht schlank, Culottes nicht. Nur hat mein Stoff nicht ausgereicht, denn natürlich benötigt man bei so weiten Hosenbeinen die doppelte Stofflänge, da die Teile nicht nebeneinander passen. Im Fundus gab es aber noch 2 Meter maisgelben Hosenstoff, der schien mir gut geeignet. 

Nachdem der Schnitt rauskopiert war, hab ich den Bund an eine passende Hose aufgelegt und festgestellt, dass ich den nicht enger machen darf. Deshalb hab ich erstmal überhaupt nicht gradiert und die Hose in Gr. 40 zugeschnitten und genäht. Obenrum, also am Bund, hat sie auch haargenau gepasst, aber es taten sich diverse Probleme auf. Die Beine fielen überhaupt nicht wie auf dem Foto sondern viel weiter. Und der Schritt hing ganz schön tief. Um den Hintern gab es zu viel Stoff und einige nicht dorthin gehörende Falten. Also hab ich überall angepasst, die Beine an den Innenseiten und die Schrittnaht enger. Die Hosenlänge stimmte auch nicht mit dem Bild überein – gut, das hätte ich kürzen können. Aber ein Längentest mit Umbügeln und feststecken hat ergeben, dass ich das mal lieber so lasse. 
Für einen Zwerg von 1,63 cm Körpergröße ist eine Culottes nicht wirklich ein Kleidungsstück, das zum Vorteil gereicht. Sie streckt nämlich optisch. NICHT. 

Ich hab mir wirklich Mühe gegeben mit den Anpassungen, damit das gute Stück so wird, wie ich es mir vorgestellt hatte. Aber am Schluss blieb doch ein unlösbares Problem – der Stoff. Das Material habe ich einfach mal wieder nicht perfekt ausgewählt. Es ist ein Baumwollmischgewebe vom Markt, hat etwas Stand, aber nicht zu viel. Leider zieht sich das Gewebe aber an den Nähten zusammen, da hilft auch mehrstündiges Bügeln nix (habs probiert). Es beult und knittert wie blöd. Ich habe mich nicht getraut, die Culottes beim Weg zum Fotoshooting auf dem Fahrrad anzuziehen, um einen zerdrückten Eindruck zu vermeiden. Hat aber überhaupt nix genutzt. Direkt vom Bügelbrett, sanft gefaltet im Fahrradkorb, konnte sich die Culottes leider nicht wieder „entfalten“ – man sieht die Knicke vom Zusammenlegen und auch noch die ein oder andere merkwürdige Beule.


Nun gut. Ich mag sie trotzdem irgendwie. Saubequem das Ding. Großes Plus: man kann damit Fahrradfahren (die Hosenbeine sind kurz genug, um trotz der Weite nicht in die Kette zu geraten). Das blaue bestickte Top hab ich auf dem Flohmarkt ergattert. Die Fotos hat diesmal eine Freundin gemacht, die ich für ein paar Tage im schönen ländlichen Speckgürtel Berlins (Barnim) besucht habe, zum Landluft schnuppern. Es gibt im Naturpark dort freilaufende Rinderherden – echte Holy Cows – die bei unserem Fotoshooting etwas skeptisch zugeschaut haben. 

Mit Stiefeletten und einem schwarzen oder weißen Oberteil, geht der Hosenrock übrigens auch in „Schick“ zu tragen. Das muss ich euch aber ein anderes Mal zeigen, denn für neue Fotos müsste ich ja erstmal wieder ans Bügeleisen…

Edit (one day later): musste heute sowieso bügeln – hier also weitere Styles mit maisgelben Culottes. 

Unschlüssig bin ich jetzt noch bei der Beantwortung der Frage, ob ich es nochmal probieren soll. In schwarz. Und vielleicht doch ein anderer Schnitt? Habt ihr schon Culottes genäht? Und aus welchem Material sind die so?

Verlinkt: RUMS, Die kreativen Adern

3 Gedanken zu „Culottes – Ja/Nein/Vielleicht?“

  1. Ich finde Culotten ein schwieriges Kleidungsstück. Da die ideale länge zu finden ist schwer und man sieht leider öfters Modelle die einfach nur breit machen. Da bin ich mehr für noch weitere Hosenröcke. Diese sind dann aber in gefärdet dass sie in der Fahrradkette landen.
    Lg Sabine

  2. Hallo Kathrin,
    die Culottes sehen auf den indoor-Fotos wirklich besser aus. Mag vielleicht am Oberteil gelegen haben. Das Model auf dem Schnitt trägt Pumps, das streckt ja auch nochmal. Vielleicht versuchst Du es mal damit?
    Culottes stehen bei mir gaaaanz hinten auf der Nähliste, aber irgendwann… Wahrscheinlich muss man da wirklich sehr auf den Stoff bzw. die Stoffempfehlung achten. Aber: Versuch tut gut!
    Die Hose solltest Du auf jeden Fall tragen. Ein weiterer Versuch bringt Klarheit ins Dunkel und ein weiteres Kleidungsstück in den Kleiderschrank ;o)
    Viel Erfolg und lieben Gruß,
    Stef

  3. Hey,

    habe auch letzte Woche erst eine Culotte genäht, aber aus Musselin. Ich wollte keine Abnäher im Hüftbereich und so ist es ein ganz einfacher Schnitt aus der burda easy geworden. Schau gerne mal auf meinem Blog vorbei. Deine Hose sieht sehr bequem aus und steht dir gut. Mich würde das Bügeln allerdings auch abschrecken 😀

    Liebe Grüße,
    Jenny
    LG, Jenny

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