Winterjacke Harriet

Endlich ist sie fertig! Ich darf euch vorstellen: Harriet.

Eine etwas anspruchsvolle Lady für die man sich etwas Zeit nehmen muss. Dass ein ganzes Nähwochenende dafür nicht reicht, habe ich ja hier schon beschrieben, aber jetzt war es am Schluss doch gar nicht mehr so schlimm, wie ich dachte. Wenn ich die Ärmel vom Futter auf Anhieb richtig herum eingenäht hätte, wäre es noch etwas schneller gegangen 😉

Der gelbe Stoff ist vom Maybachufermarkt, ich glaube man nennt sowas Velour – und der Stoff ist auf beiden Seiten gleich (es gibt keine linke und rechte Seite). Ich denke es ist Wolle drin, aber die Brennprobe lässt auf jeden Fall auch einen Acrylanteil vermuten, so richtig weiß ich auch nicht wie man das erkennt. Als ich ihn gekauft habe, dachte ich – prima, das kann ein schlichter Mantel werden, ein schnelles Projekt, ohne Schnickschnack. 

Aber offenkantig verarbeiten ging nicht und der Stoff ist auch eher steif und fällt nicht. Dann hab ich überlegt, ob es eine Frau Ava werden kann, die gefühlt jede Nähbloggerin schon genäht hat aber bin zu dem Schluss gekommen, dass das nicht wirklich mein Ding ist. Lange Mäntel ohne Taille sehen komisch aus an mir. 
Bildergebnis für gelber mantel nähenBildergebnis für mantel frau ava

Dann fiel mir ein, dass ich schon sehr lange mit einem Schnitt der englischen Burdastyle Website geliebäugelt habe. Diese Jacke im Bikerstil find ich einfach mega stylish! Das ist auch genau so ein Wollstoff. 
_mg_3675_original_largeAber mal ehrlich – die ist echt kurz! Teenies laufen so rum, aber  mit Ü40 möchte man eine Jacke haben, die auf jeden Fall die Nieren mitwärmt.  Als ich im Oktober bei den Refashioners mitgemacht habe, wurde ich dann auf den Schnitt Harriet aufmerksam, eine Teilnehmerin hatte sie aus einem alten Anzug genäht. Bildergebnis für harriet jacket refashioners

Der Wahnsinn, jetzt wo ich weiß, wieviel Arbeit man ohnehin mit der Jacke hat -aber den Stoff aus einem aufgetrennten Anzug zu retten toppt das wirklich nochmal deutlich. Was ich nicht ganz verstehe ist, warum Harriet mit Nachnamen Lumberjacket heißt. Das wäre für mein Verständnis eine karierte Holzfällerjacke, die allenfalls den Pelzkragen gemeinsam hat mit Harriet. Für mich ist der Schnitt ganz klar viel mehr Biker/Moto als Holzfäller. 
Einen Baumwollpelz hatte ich noch im Stoffvorrat und ich Frostbeule hab mir dann gedacht, ich mache nicht nur den Kragen sondern gleich das ganze Innenleben der Jacke aus dem Fell. Superkuschelfaktor. Dafür hat es aber leider nicht ganz gereicht, die Ärmel haben ein Fleecefutter bekommen. Es sollte laut Schnittmuster auch noch ein Zwischenfutter rein, damit die Jacke wirklich warm wird, aber das habe ich, obwohl es schon zugeschnitten war (aus dünnem Wollstoff) dann zum Schluss weggelassen, als mir klar wurde, wie dick das alles wird und mir die Jacke am Ende möglicherweise zu eng und steif wird. Die Entscheidung war richtig, ich passe gerade haargenau in die Jacke, Schultern sitzen super (ich hab da tatsächlich Schulterpolster eingenäht), an der Hüfte könnte es evtl. einen Tick weiter sein, damit es sich im Rücken nicht so staucht. Aber vielleicht ist das auch mein Hohlkreuz. Die doppelte Lage der Vorderteile inkl. Futter macht jetzt keine schlanke Taille, aber warm ist es!

So, es wird zwar am Wochenende 14 Grad in Berlin, aber noch ist nicht Mai. Bis dahin kann ich aber vielleicht die Daunenjacke (ohne die überleb ich den Winter nicht) gegen meine neue gelbe Harriet tauschen. Wisst ihr, wie irre ich bin – ich hab tatsächlich neulich gegoogelt, ob und wie man Daunenjacken selbst machen kann. Man kann, aber ob ich das wirklich jemals tun werde… ich hoffe mein aktuelles Modell hält noch schön lange. 

Schade, dass ich es nicht mehr zum MMM geschafft habe. Ich finde es noch schader, dass der nur noch einmal im Monat stattfindet, es ist immer so schön da. 🙁
Aber gut, wer zu spät kommt, kann ja immer noch zum RUMS

6 Gedanken zu „Winterjacke Harriet“

  1. Großartige Jacke!!! Der Aufwand hat sich gelohnt.
    Und die länge gefällt mir sehr. Mit diesen ganz kurzen Jacken kann ich auch nichts mehr anfangen… konnte ich eigentlich noch nie.
    Wie sagt Mutter immer: „Mädchen, zieh Dir was über die Nieren!“
    Liebe Grüße,
    Julia

    1. So ist es. Gestern zum ersten Mal getragen und auch auf dem Fahrrad getestet -genau die richtige Länge, kürzer hätte sie nicht sein dürfen. Danke für deinen lieben Kommentar!

  2. Super tolle Jacke! Und das gelb steht dir hervorragend! Ich bin ja auch so ein Jacken Fan und hatte die Harriet schon gesehen, aber bisher als nicht so interessant befunden, aber deine Variante lässt mich das nochmal überdenken! Und die Paspel Taschen sind ja wirklich perfekt geworden! Sehr sehr schön! Ich hoffe du kannst sie super oft tragen 🙂 liebe Grüße, Nina

    1. Ja, mir geht das tatsächlich auch oft so, ich lass mich da von Bildern täuschen. Die Jacke ist auf dem Foto von Named so furchtbar gestylt mit dem weißen Kleid, schwarzen Strumpfhosen und Lackschuhen – find ich auch gar nicht schön. Aber das genähte Modell von Gingerstitch fand ich einfach Hammer.
      Bei Zeitschriften wie der Burda oder Fashion Style blätter ich zum Beispiel immer auf die Übersichtsseite mit den technischen Zeichnungen um festzustellen, ob mich da ein Schnitt interessiert. Die Fotos mit den genähten Beispielen gefallen mir oft einfach gar nicht. Häßlicher Stoff, komisches Styling oder Setting und ich bin raus 😉

      1. Das geht mir auch immer so – ich kann oft nicht verstehen, warum die ausgerechnet so einen blöden Stoff verwenden oder das Ganze so grässlich kombinieren. Da übersieht man nicht selten einen Schnitt, der eigentlich ganz schön ist. Aber das ist wohl Geschmackssache …

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