Herrera Sweater mit Struktur

Winterzeit ist Pullizeit. Als ich im Herbst den Herrera Mantel genäht habe, hatte ich mir schon überlegt, dass ein Pulli mit solchen Ärmeln (die ich einfach mega schön finde) und Stehkragen auch bestimmt gut aussieht. Natürlich muss der Stoff passen: etwas Stand haben, aber trotzdem pullitauglich sein. In meinem Stoffschrank sind im Herbst 3 Baumwollstricks gelandet vom Maybachufermarkt, ich musste da einfach zuschlagen, weil mir selten so günstig solche Stoffqualitäten begegnen. Einer davon ist ein schlichter weißer Rippstrick. Perfekt für mein Patternhack Projekt.

Wer schon mal so einen Stoff unter der Nähmaschine hatte, weiß um die Tücken. Das Füßchen plättet den Stoff, wodurch er leicht gedehnt genäht wird und dann alle Nähte anschließend Wellen schlagen. Das musste ich unbedingt vermeiden, denn ich hatte mir noch eine extra Herausforderung überlegt. Inspiriert vom #12ausdemstoffregal Januar-Thema „Struktur“ hab ich die Teile schräg zugeschnitten, damit die Streifenstruktur des Stoffs zu einem grafischen Muster wird.

Hier seht ihr meinen Trick: ich habe für jede einzelne Naht den Stoff getapt – mit Malerkrepp. Das hält den Strick zusammen, so dass er sich nicht dehnen kann beim Nähen. Ich habe alles mit der Overlock genäht. Das Tapen ist aufwändig, aber die Arbeit hat sich dann auch gelohnt. Wer hier eine bessere Technik kennt, immer her damit.

Ich wollte einen ganz cleanen Look erzeugen und deshalb keine Saumnähte haben. Beim Halsausschnitt kein Problem, der wurde mit einer Blende verarbeitet und die hab ich im Nahtschatten der Teilungs- und Schulternähte festgesteppt. Bei den Ärmeln habe ich die unteren Schnittteile einfach mit Jersey gefüttert. Und der untere Saum? Da habe ich zu aufbügelbarem Saumband gegriffen. Dieses Zeug, das eigentlich für Leute ist, die nicht nähen können (oder wollen) und Hose, Rock oder Vorhänge kürzen möchten. Achtung, das ist nach dem Aufbügeln nicht dehnbar, deshalb nur für Teile geeignet die weit genug sind.

Ich bin absolut zufrieden mit dem Ergebnis. Am Schnitt musste ich lediglich die Schulterweite nochmal anpassen, denn durch den Strick und die schweren Ärmel hing die Armkugel schon über der Schulter. Ich finde die Silhouette dieses Schnitts so schön, ich könnte glatt noch einen Pulli oder Bluse nähen… oder Strickjacke? Aber ich halt mich jetzt erstmal an meinen Nähplan für die Wintergarderobe.

Damit ist mein erstes Basic Teil für die Winter Capsule Wardrobe fertig. Für ein stylisches Winteroutfit kommt als nächstes eine graue Tweed Culottes dazu.

Verlinkt: Sew La La, Du für dich, #12ausdemstoffregal, The Creative Lovers

23 Gedanken zu „Herrera Sweater mit Struktur“

  1. Hallo. Mir ist dein Pulli auch schon letzte Woche aufgefallen, wann und wo kann ich gar nicht sagen. Wahrscheinlich weil er nicht wie ein selbstgenähter Pulli aussieht, sondern wirklich wie aus eine Magazin. Dann bin ich über Fälckchen auf #12ausdemStoffregal gestoßen und habe dieses tolle Teil wieder gefunden! Echt klasse.
    lg Chara

    1. Äh, ich war kurz versucht zu behaupten, du übertreibst jetzt. Aber ich nehm das einfach mal an, das Kompliment und freue mich drüber 🙂 Ein bißchen frag ich mich trotzdem, was jetzt soo besonders ist an meinem Pulli. Meine Vermutung ist, weil es überhaupt kein typisches „selbstgenähtes“ Modell ist.

    1. Dankeschön! Bestimmt gibt es auch professionellere Lösungen wie Vlieselineband… aber das muss man erstmal da haben, wenn man es gerade braucht. Ich nähe meistens nachts, dann muss das mit dem gehen, was ich im Haus habe 😉

    1. Dankeschön. Er ist wohl auch der exotische Star in meinem Kleiderschrank mit dem ausgefallenen Schnitt. Aber sowas mag ich total gern – eigentlich schlicht, aber trotzdem besonders. Ich hab lange gar keine Pullover getragen weil die mir entweder zu sportlich oder zu langweilig/altbacken waren. Erst seit ich meine Sachen ausschließlich nähe, sind wieder Pullis am Start.

  2. Dein Pullover war gestern der Grund, dass ich tatsächlich mal auf Nähgestöber hängen geblieben bin. So ein tolles Teil und dann die Enttäuschen, kaum Informationen dazu. Das ist es, was mich an der Website so stört, die Oberflächlichkeit. Jetzt stell Dir meine Freude vor, als mir heute hier Dein Schmuckstück wieder begegnete. Ich danke Dir! Zum einen für den Mantel-Tipp, dann für die Pattern-Hack-Idee und zu guter Letzt natürlich dafür, dass Du Dir die Zeit genommen hast, einen ausführlichen Post zu schreiben :D.
    Noch kurz zu Deiner Saumlösung, wie wäre es denn mit einem Blindsaumstich? Ich habe mir letzens auch einen Pullover genäht, bei dem ich den Saum nicht covern wollte, da hat das super funktioniert. Dein Stoff wäre sicher auch dick genug. Ist zwar jetzt zu spät, da das Saumband (erstmal) nicht wieder abgeht, aber fürs nächste Mal, denke ich, einen Versuch wert.
    LG Sandra

    1. Hallo Sandra! Wie schön, dass du auf meine Seite gefunden hast. Ich hab mein Projekt auf Nähgestöber nochmal mit einem Hinweis zu meinem Blogartikel ergänzt. Aber es gibt ja eine Kommentarfunktion, wo du Fragen stellen kannst zum Projekt, wenn dir wichtige Infos fehlen. Danke für deinen Hinweis mit dem Blindsaumstich. Ich hab leider keinen Nähfuß dafür aber wollte das ursprünglich in Handarbeit trotzdem machen, bevor mir mein Saumband eingefallen ist (Fauheit siegt manchmal) . Aber ich denke, so ein Nähfuß wäre eine Anschaffung auf jeden Fall wert – vielen Dank für den Anstoß. 🙂

      1. Guten Morgen, wenn auch etwas spät, wollte ich noch anmerken, dass meine Frustration auf Nähgestöber nicht gegen Dich gerichtet war. Das hab ich wohl mißverständlich formuliert. Mir gefällt einfach der Trend auf der Seite nicht, nur Bilder, kaum Worte.
        Den Saum- bzw. Kantenfuß kann ich Dir nur empfehlen. Ich hab ihn ursprünglich recht günstig bei einem Drittanbieter gekauft, weil mir der von Bernina zum Testen einfach zu teuer war. Aber inzwischen ist der Berninafuß bei mir eingezogen, er ist etwas präziser . LG Sandra

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