Upcycling Stories #7 – Japanisches Colorblock Top

Dass mir japanisches Modedesign gefällt, dürfte ja inzwischen kein Geheimnis mehr sein. Das super schöne Buch „Color Blocking“ steht schon über ein Jahr in meinem Regal und seit ich es habe, wollte ich unbedingt dieses Top mit überdimensionalem Zickzack (Chevron) Muster nähen.

Als ich zuletzt meinen Kleiderschrank aussortiert habe und diverse Leinenhosen zum Upcycling freigeben musste (zu klein), kam mir die Idee, das Top könnte doch ein perfektes Refashion Projekt werden!

Diese Leinenhose mit Elefantenbeinen hab ich vor ca 15 Jahren sehr gerne getragen. Sie ist schon lange zu eng, aber ich konnte mich nicht davon trennen.

Für das Top habe ich sie auseinandergetrennt und ein Hosenbein schwarz gefärbt. Ich hatte 3 Leinenhosen und wollte zunächst den schwarzen Teil aus einer der anderen Hosen machen, aber die Stoffqualitäten/Stärke waren unterschiedlich und ich entschied mich, möglichst nur ein Material zu verwenden. Dennoch landete eine ganze und diese halbe Hose im Färbegang der Waschmaschine mit Simplicol Farbe.

Als ich mir schließlich das Schnittmuster näher betrachtet habe, musste ich mich aber schon ein bißchen wundern.

Diese Maße sollen wem passen?! Ultraweit und megakurz schien mir irgendwie nicht so ne gute Kombi für mich. Und hab deshalb das ganze Muster umgerechnet. Meine Dreiecke sind nun nicht mehr rechtwinklig, aber das ließ sich nicht ändern.

Mein neu berechnetes Muster

Ich hab mir eine Frau Frida, die ja auch schon ein ziemlich kastiges Top ist, ausgemessen und meine Flächen 63 cm breit und 58 cm lang angelegt. Das Oberteil hat keinerlei Schnitt, sondern ist nur ein Rechteck mit Löchern für den Kopf und die Arme.

Das Top hätte doch noch ein bißchen kürzer sein können… von hinten find ich es einen Tick zu lang.

So richtig konnte ich mir noch nicht vorstellen, ob das am Ende gut aussieht, aber ich dachte, wenn nicht, könnte ich eben eine Frau Frida daraus zuschneiden.

Für den Zuschnitt der Dreiecke hab ich mir eine Schablone gebastelt an die die Nahtzugabe schon angezeichnet war. Immerhin 56 Einzelteile (40 große und 16 kleine Dreiecke) mussten zugeschnitten werden. Ich hatte das vorher nur grob geschätzt und war der Meinung, mein Material müsste reichen. Aber ich musste tatsächlich sogar die Gesäßtaschen abtrennen und verwenden und 3 schwarze Dreiecke aus der anderen mit gefärbten Hose zuschneiden.

Leinenpatchwork ist nichts für Patchworkanfänger, denn der Stoff verzieht sich schon recht ordentlich. Ich musste super akkurat schneiden und nähen.

Zum heutigen Me Made Mittwoch komme ich bestimmt als Schlusslicht, aber da schon so viele Stunden in Zuschnitt und Nähen des Tops geflossen sind, wollte ich es schönstmöglich in Szene setzen und hab mich für ein Shooting außerhalb meiner bekannten Fotoecke enschieden.

Die Friedhofsmauer am Ende der Straße bietet sich eigentlich optimal als Location an. Dort ist auch nicht viel Verkehr (außer Jogger und Radfahrer). Als ich fertig war, stieg der Fahrer aus dem gegenüber geparkten LKW und drückte mir eine Handvoll Karamelbonbons in die Hand. Aus Ukraine! Ich sollte öfter draußen fotografieren.

Die Hose ist übrigens auch neu. Auch ein japanischer Schnitt aus einem anderen Buch. (hier schonmal genäht). Aber über eine schwarze Chinohose gibt es nicht viel zu schreiben. Stoff war vom Stoffmarkt Holland und hat viel Stretch – die Hose ist also ultrabequem! Und schließt eine Lücke im Kleiderschrank. Ich hatte mal eine ähnliche gekaufte, die wurde aber zu Tode getragen.

Die Berlin-Tokyo Wand, die auch in meiner Nachbarschaft ist, wäre ja auch ein passender Ort für Fotos gewesen, aber die ist so rieeeeesig, man hätte mich mit der Lupe auf den Fotos suchen müssen.

Nach dem Shooting musste ich erstmal zur Online Chorprobe und in meiner Wohnung ist es immer kühl, ich brauchte ein Jäckchen. Guckt mal, ist meine Trilogy Strickjacke vom Knitalong 2018 nicht die perfekte Outfit Ergänzung?

So, dann geh ich jetzt mal stöbern, was die anderen im Mai so genäht haben. Und – als hätte ich es gewusst – im Juni gibt es eine Neuauflage der Refashioners! Auf meinem Juni Nähplan stehen noch jede Menge Upcycling & Refashion Projekte, unter anderem aus original bayrischen Dirndln… das wird hier also spannend 🙂

34 Gedanken zu „Upcycling Stories #7 – Japanisches Colorblock Top“

  1. Huhu Kathrin… Ich komme erst jetzt zum Lesen… Wow, wow, wow! Ich hab mch schon beim ersten Bild so richtig gefreut! Großartige Puzzelei! Ich finde draußen fotografieren auch total spannend… An meinem Geburtstag (Sonntag) waren wir im Park mit meiner Mutter, während dem Shooting von meinem neuen Rock an einer Freilichtbühne, fing ein Zumba Trio an zu tanzen, und zu filmen, meine Mutter und ihr Freund haben dazu standard getanzt, und wir fotografiert… Alle haben sich gegenseitig applaudiert… Total schön! Das erlebt man nur, wenn man rausgeht! LG Sarah

  2. Wahnsinn, wie viel Zeit Du für Deine Projekte aufwendest, die investierte Zeit hat sich gelohnt. Dein Shirt sieht klasse aus und die Draußen- Fotos sind ebenso sehr gelungen.

    LG
    Sandra

  3. Ein super spannendes Projekt, schön, wie du alles aufgeschrieben hast! Und die Fotos dort zu machen hat sich auch gelohnt, das sieht insgesamt echt gut aus.
    Deine Fleißarbeit habe ich ja schon auf Instagram gelobt. Dass das Shirt gar keinen Schnitt hat, sieht man wirklich nicht. Ich hätte nur selbst bedenken, ob sich die ganzen Nahtzugaben gerade bei Leinen nicht auch etwas unangenehm anfühlen? Bin aber auch mit sehr empfindlicher Haut ausgestattet …

    1. Der Stoff ist überhaupt nicht kratzig, es gibt Leinen, das so speziell vorgewaschen oder enzymgewaschen (oder sandgewaschen) ist – kennst du sowas? Es hat den Stand vom Leinen, die Oberfläche ist aber wesentlich weicher und die Knitter sind viel weniger scharfkantig… Außerdem bügle ich bei Patchwork-Kleidung immer die Nahtzugaben auseinander, das wird nicht im Schnelldurchgang mit der Overlook zusammengenäht. Aber ich weiß was du meinst, mit kratzigem Leinen hätte ich das auch nicht genäht.

  4. Tolles Refashion-Objekt, dem man sein zweites Leben nicht ansieht und die Jacke dazu ist natürlich der Knaller! Das ist bestes Futter für meine Vorliebe für japanische Schnitte und die Verwendung ausgedienter Materialien.
    LG Malou

  5. Wow, was für ein schönes Shirt. Beeindruckend, dass es zudem ein Upcycling ist. Viele Upcycling-Projekt sehen für meinen Geschmack zu „gebastelt“aus. Deines nicht. Ich bin schwer angetan. Liebe Grüße Manuela

    1. Ja, da geb ich dir Recht. Zu gutem Upcycling gehört für mich auch immer gutes Design. Ich bin da gerade angefixt und hab noch ein paar tolle Projekte in der Mache.

  6. Ich dachte zuerst, der Stoff hätte die Zacken drauf gedruckt. Aber die sind alle zusammen genäht, was für eine Arbeit! Und die Jacke dazu, ich musste kurz laut lachen, das passt ja wie die Faust aufs Auge 😉 LG Ina

    1. Ja, die Nähte verschwinden optisch tatsächlich fast. Ich hab auch deshalb extra das Inside-Out Bild gemacht, weil ich mir sicher war, das glaubt mir sonst niemand.

  7. Sehr sehr cool geworden. Die Mühe hat sich gelohnt. Das Modellfoto ist mal wieder so gut in Szene gesetzt dass man das Format des Shirts nicht richtig erahnen kann.
    Liebe Grüße
    Elke

  8. Respekt! Wer schon mal versucht hat, verschiedene Leinenstücke zusammenzusetzen, weiß, wie nervenaufreibend das sein kann. Aber das Top ist nicht nur schick, sondern im positiven Sinne zeitlos – ich hoffe, du hast lange Freude daran!

    1. Ja, beim nächsten Patchwork Versuch mit Leinen werde ich mal testen, ob eine Vorbehandlung mit Bügelstärke vor dem Zuschnitt nicht Abhilfe schafft. Hinterher ist man halt immer schlauer… Und zumindest größentechnisch werde ich ja nicht so schnell aus dem Oversize Top rauswachsen wie zuvor aus der Hose.

  9. Solche grafische Experimente finde ich immer toll. Dein Shirt macht Lust, es auch mal zu probieren. Die Zacken finde ich besser als in der Vorlage, aber zu spitz sollten sie auch wieder nicht werden. Die Jacke dazu beruhigt das Ganze. Ein Designeroutfit!

    1. Das mit der Jacke fand ich auch irre, als hätte ich die Teile absichtlich aufeinander abgestimmt. Das Buch hat noch mehr solcher Projekte mit tollen grafischen Effekten. Ich bin da noch nicht mit durch….

  10. Ich kann mich den Vorrednerinnen nur anschließen, das Top ist echt toll geworden und die Fotos auch. Da bin ich gedanklich doch gleich meinen Stapel mit aussortierten Hosen durchgegangen, ob sich was passendes findet. Und ich habe tatsächlich zwei Hosen aus demselben Material in blau und weiß (auch schon lange zu klein), die weiße wollte ich eigentlich einfärben, aber das lasse ich jetzt sein.

    Liebe Grüße und Danke für die Inspiration,
    Ulrike

  11. Tolles Shirt! Tolle Fotos. So bist du zwar zeitlich das Schlusslicht, aber sicher nicht in Bezug auf dein aktuelles Projekt, das mich sehr inspiriert. Es sieht nicht nach klassischem Patchwork, sondern sehr stylisch aus. LG Carola

  12. Was für eine Arbeit! Vor super akkuratem Arbeiten beim Nähen schrecke ich eher zurück, daher bewundere ich deine Geduld.
    Das Top ist dir richtig gut gelungen und ergänzt eine schwarze Hose perfekt.
    Und was für ein Glück, dass du genau die passende Jacke schon im Schrank hast-ich bin begeistert.
    LG von Susanne

    1. Was ich ganz vergessen hatte zu erwähnen: ich hab sogar beim Absteppen die Fadenfarbe am Ärmel gewechselt und an Hals und Saum die schwarzen Zacken übersprungen, damit man keine Nähte sieht. Ich hab diese Fleißarbeit auch nur durchgehalten, weil ich mir das Ergebnis so cool vorgestellt habe und mein Perfektionismus nicht zugelassen hat, dass ich es schlechter ausführe, als ich kann (weils schneller geht). Ich bin nämlich eigentlich gar nicht wirklich geduldig.

  13. Was für ein tolles, aufregendes und ja schon fast geschichtsträchtiges Modell – großartig, was aus der alten Hose geworden ist! Ich muss ja gestehen, dass ich schon viel Upcycling gesehen habe, was mir nicht gefallen hat, aber dieses finde ich wirklich super! Dass dann auch noch die Jacke so perfekt passt, ist noch das Sahnehäubchen 😉

    Herzlichst, Anne

    1. Ja, ich verstehe total was du meinst. Es gibt ganz viel gruseliges Upcycling… aber eben auch richtig tolle und beeindruckende Sachen. Und in Anbetracht all der vielen Textilien, die es schon (zu viel) gibt auf dieser Welt, beschäftige ich mich gern damit, sie wieder zu verwenden und nach Möglichkeit zu verschönern.

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