Berlin am Meer

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich bin immer noch dabei, maximal viel Zeit außerhalb meiner Wohnung zu verbringen um den Budenkoller Winter irgendwie wieder auszugleichen. Ehrlich gesagt, war ich jetzt den ganzen Monat nicht an der Nähmaschine. Ich hab statt dessen viele Radtouren gemacht, durch die Uckermark zum Beispiel. Oder im Landkreis Oder-Spree. Es gibt so herrlich viel Wasser überall in und um Berlin. Ich war auch schon einmal an der Ostsee – von Berlin aus geht das als Tagesausflug. Zugfahren, Strand spazieren, Fisch essen…

Was mir schon länger fehlt, ist ein unkompliziertes Strandkleid. Am Tag vor dem Ausflug fiel mir ein, dass ich das ja eigentlich genau jetzt nähen müsste.

Logisch. Leider hatte ich mich noch nicht auf ein Schnittmuster festlegen können. Weit vorn war von Anfang an „Lolita“ von Louis Antoinette Paris. Das hatte ich letztes Jahr schon rausgesucht, als ich den Stoff gefärbt hatte. Genau, das ist einer der Stoffe aus meiner Indigo Shibori Aktion letzten Sommer.

Ich konnte mich nun aber nicht wirklich entschließen, es kamen ja so viele Schnitte in Frage… zum Beispiel das Kleid Christine aus der LMV oder Modell Camilla.

Letztere wollte ich dann nähen (in etwas kürzerer Version) und machte mich ans Abpausen des Schnittes. Als der kopiert und ausgeschnitten war, stellte ich fest, dass meine gefärbten Stoffbahnen gar nicht breit genug waren… und entschied, dass ich erstmal auch ohne neues Kleid am Ostseestrand spazieren kann…

Bei Kleid Christine fand ich das Detail mit den gedrehten Trägern besonders schön, aber die Schnitt Rezensentinnen haben dazu gemeint, dass es gar nicht so bequem zu tragen sei. Dazu kommt, dass es auch schwierig wird, darunter einen Bikini zu tragen, da geht nur was trägerloses drunter. Also doch irgendwie zu unpraktisch für das Kleidungsstück, das mir vorschwebte: ein Kleid für Strand und Badesee, das man einfach drüberzieht und fertig.

Also zurück auf null und zu Lolita. Das Modell ist wirklich leicht zu nähen. Eigentlich werden die Schulternähte in Falten gelegt. Ich hab statt dessen Tunnel in die Schulternaht eingebaut und einen Jerseystreifen durchgezogen, mit dem man den Stoff nun an den Schultern beliebig raffen kann. Der „Schnitt“ ist eigentlich nur eine Schemazeichnung und ein kostenloses Tutorial (auf französisch und englisch). Das Kleid fällt in den one-size Maßen für mich ziemlich großzügig aus… das Oberteil ist recht schlabberig und in die großen Armlöcher kann man seitlich sogar reinschauen. Was mir aber am Strand wurscht ist. Ich hab mich für einen Gummizug in der Taille entschieden statt Gürtel, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass Gürtel immer komisch verrutschen und das Kleid dann beim Tragen die Form verliert. Und hinten mittig hab ich einen kleinen Gehschlitz eingebaut. Er wäre nicht nötig gewesen, aber ich mag die Optik.

Das Kleid hat es bis jetzt nur zum Strand am Müggelsee geschafft. Aber für den nächsten Ostsee-Ausflug bin ich vorbereitet!

Jetzt erstmal noch schnell zum MeMadeMittwoch!

P.S.: ich sollte mir abgewöhnen, um 5 vor 12 bei dieser linkparty mitmachen zu wollen. Die kleinste technische Schwierigkeit und schwupps, Zeit abgelaufen. Liebes Me Made Mittwoch Team – geht da nicht in Zukunft ein etwas flexibleres Zeitfenster? Ich weiß nicht was das Problem war, jedenfalls gings nicht.

Linkpartys für Hobbyschneiderinnen sind rar geworden, hier schau ich dann mal rein: Du für Dich am Donnerstag, Creative Lovers

8 Gedanken zu „Berlin am Meer“

  1. Selbst gefärbt… Der Hammer! Ich hätte mich übrigens auch für diesen deinen gewählten Schnitt entschieden. Aus denselben Gründen und zusätzlich als Verbrennungsschutz für die Schultern. Mit dem Stoffdesign kannst du eigentlich in Serie gehen. Drucker dir die Daumen, dass du und dein Kleid nochmal richtig schönen Sommer zum genießen bekommen!!! Ob nun mit oder ohne Salzwasser
    LG Stef

    1. Ja stimmt, das dachte ich mir schlußendlich auch, dass bedeckte Schultern ganz gut sind. Ich hab jetzt schon den dritten meiner Shibori Muster Stoffe verarbeitet (Yoga Outfit, Sweater, Kleid), aber noch ein, zwei für ne Bluse/Top liegen. Vermutlich nächsten Sommer!

  2. Oh wie schön, dass der SToff einen so prima Verwendung gefunden hat. Tolle Färbung und der Schnitt lässt den SToff so wunderbar zur Geltung kommen. Bin schwer begeistert! Zauberhaft die schönen Fotos mit Abendstimmung am See. Wie Du das ohne Fotografen so toll hinbekommst imponiert mir ungemein! LG Kuestensocke

    1. Ich oute mich: ich hab ein Fotografie Diplom. Das mit dem Setting, Locationwahl, Licht krieg ich also gut hin. Das einzige Problem bei meinen Shootings ist das Model, das auf zu vielen Bildern doof guckt! 😉 Ich produziere viel Ausschuß….

  3. Oh je im wahrsten Sinne also 5 vor 12… Gott sei Dank, gibt es ja inzwischen Feedreader. Ich war ja gespannt, was Du aus dem Shibori machst und finde, er kommt wunderbar in dem „simplen“ Schnitt ohne viel Teilungsnähte zur Geltung. Liebe Grüße Manuela

    1. Das stimmt, viel braucht das Stoffmuster nicht mehr. Im Nachhinein hätte ich gern was mit Wickelteil oder Wickeloptik gemacht. Aber vor dem Färben hatte ich ein Shirtkleid im Kopf, weshalb ich zwei Stoffbahnen schon zugeschnitten hatte, damit ich nicht mehr Stoff abbinden muss, als ich benötige. Damit war dann kein Spielraum mehr für eine Wickelung, aber das hätte sicher eine schöne Wirkung mit dem Muster bekommen.

  4. Moin,
    Wow, der Stoff ist ja toll und passt perfekt zum Kleid. Sehr gute Wahl für ein Strandkleid. Steht dir ganz wunderbar.
    Sonnige Grüße
    Rike

    1. Danke dir! Das Stoff abbinden vor dem Färben war fast der aufwändigste Teil von diesem Projekt. In der Zeit, wo ich die Fäden möglichst gerade geknotet habe, hatte meine Freundin schon gefühlt 7 Meter Stoff fertig gefärbt!

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