Upcycling Stories #11 – Blusentop Ida aus handbestickter Tischwäsche

Endlich eine Fortsetzung meiner geliebten Upcycling Stories! Ich weiß gar nicht, warum da so lange nichts passiert ist. Denn das Material für dieses Projekt habe ich schon im Sommerurlaub 2020 auf Sylt eingekauft. Die Insel hat außer unfassbarer Naturschönheit nämlich noch einiges zu bieten – z.B. sehr schöne Antik- und Flohmärkte. Schon 2018 hatte ich dort eine ganz tolle bestickte Leinendecke gekauft, die zu einer gern getragenen Sommerbluse Frau Frida (Liah) vernäht wurde.

Ich weiß auch leider nicht mehr, was ich für dieses schöne Teil bezahlt habe. Es war irgendwass recht moderates, vielleicht 8 Euro (also nur unwesentlich teuerer als ein Kaffee auf Sylt ;-)). Handarbeiten dieser Art sind eigentlich unbezahlbar, wenn man mal ehrlich drüber nachdenkt. Wer kann sich vorstellen, wieviele Stunden in diese Stickereien geflossen sind…? Das Material ist reines Leinen und die Decke hatte quasi keine Flecken. Direkt schwebte mir ein Oberteil daraus vor, mit der Stickerei mittig.

Die Farbe lässt sich nicht so gut fotogarfieren. Es ist ein zartes helles Vanillegelb. Die Stickerei weiß.

Als Schnittmuster hab ich eine Fibre Mood „Ida“ gewählt. Mit V-Ausschnitt vorne und hinten. Die Belege für den Ausschnitt hab ich aus dem gleichen mittleren Bereich der Decke im Stoffbruch geschnitten, so dass sie ziemlich unsichtbar bleiben.

Ich mag Oberteile mit Rückenausschnitt

Eigentlich werden die „Ärmel“ von Ida aus gedoppelten Stoffstreifen genäht. Aber ich fand die Idee schön, den ebenfalls bestickten Rand der Tischdecke als Ärmelabschluss zu verwenden. Das geht dann nur in einfache Stofflage und wird dadurch leider ein bißchen knitteranfälliger. Das ist der Tischleinen aber sowieso…

Ich hab Ida letzten Sommer schonmal in zwei verschiedenen Stoffarten (Baumwolle und Viskose) genäht und hab gehofft, dass es auch mit dem Leinen schön wird. Die Schulter steht mit dem steiferen Stoff ein bißchen komisch ab. Aber ich finde es noch vertretbar.

Mal sehen ob das Top diese Saison noch zum Einsatz kommt – der Sommer geht nun ja so langsam doch mal zu Ende.

Schatzkammer Textilhafen

Apropos Sommer – letzte Woche zum Sommerfest des Textilhafens, hab ich es endlich mal geschafft, mir den Material Pool der Berliner Stadtmission anzuschauen. Der Textilhafen erhält pro Woche unglaubliche 11 Tonnen Kleiderspenden allein aus der Stadt Berlin. (Das sind ungefähr elftausend komplette Outfits.) Eigentlich sind die Spenden für die Kleiderkammer gedacht – dort werden Obdachlose kostenlos mit Kleidung versorgt. 90% der Berliner Obdachlosen, die zur Kleiderkammer kommen, sind männlich. Und was denkt ihr, wieviel Prozent der gespendeten Kleidung Männerkleidung ist? Not much… es sind nur 20%. Es bleibt also immer noch tonnenweise Kleidung übrig. Bei den Spenden finden sich auch verschiedene Haushaltstextilien wie Bettwäsche, Handtücher, Tischdecken und Vorhänge. Im Material Pool stehen diese Spenden vorsortiert zum Verkauf – und zu sehr günstigem Kilopreis. 1 Kilo Leinenkleidung kostet z.B. 6 Euro, ein Kilo Tischdecken 4 Euro.

Ich hatte (zum Glück) gar nicht so viel Zeit, um ganz ausgiebig zu stöbern, so blieben meine Ausgaben bei überschaubaren 15,20 €.
Das Upcycling Thema ist gerade wieder sehr präsent bei mir – ich finde es übrigens schade, dass es wie mir scheint gar keine Blog Linkpartys oder Challenges zu dem Thema mehr gibt, oder geht da was an mir total vorbei?
Ein Glück gibt es den großartigen MeMadeMittwoch noch, ich freue mich jeden Monat drauf!

16 Gedanken zu „Upcycling Stories #11 – Blusentop Ida aus handbestickter Tischwäsche“

  1. Oha, den Textilhafen kannte ich noch nicht. Geh ich morgen gleich mal hin, obwohl mein Stofflager eigentlich keine Kapazitäten mehr hat.
    Warum gibt es eigentlich kein emoji mit einem vollen Stoffregal? Das ist doch auch total international verständlich, jedenfalls unter NäherInnen. Und wenn der Rest der Welt es nicht versteht ist es nun wirklich nicht unsere Schuld.

  2. Mir gefällt die Idee, einer bestickten Tischdecke wieder neues Leben einzuhauchen, auch sehr gut. Die Bluse sieht fein und edel aus, die Stickerei kommt gut zur Geltung.
    Ich gehöre auch zu denjenigen, die „upcyclen“, und ich sticke auch noch Tischwäsche. Manches davon stelle ich bei den „Stoffspielereien „vor, hier:
    https://tychestouch.blogspot.com zu Themen wie
    Jukata Federn und Muscheln, Jukata Biesen, Ich war einmal, Tischwäsche. Ein Job in einem Stoffladen wäre mein Untergang, aber die Einkaufsmöglichkeiten in Berlin scheinen mir sehr verlockend.
    Liebe Grüße
    Tyche

  3. Sehr schön, dein Blüschen. Ich finde sogar, so wird die Handarbeit noch viel mehr wertgeschätzt als als Tischdecke. Denn als Bluse kommt sie sicher öfter aus dem Schrank als als Tischdecke. Und die Fleckengefahr ist sicher auch geringer als am Ess- oder Kaffeetisch 😉
    LG heike

  4. Mal wieder ein ganz außergewöhnlich schönes Oberteil hast du dir da gezaubert. Ich bin wie immer sehr begeistert. So einen Pool hätte ich tatsächlich auch gerne. Second Hand ist bei uns hier tatsächlich schwierig. Aber ein Upcycling-Projekt habe ich tatsächlich auch noch auf dem Plan.

    LG Miriam

  5. Geniales Upcycling! Der Schnitt ist perfekt um die schönen Details der Tischdecke zur Geltung zu bringen. Und danke auch für den Tipp mit dem Textilhafen. Da muss ich auch mal vorbeischauen 🙂

    Liebe Grüße
    Julia

  6. Jetzt muss ich doch noch ein bisschen auf deinem Blog stöbern, wenn ich Zeit habe, finde es wunderbar, dass jemand altes weiter verwertet und so ein Materialpool ist ja super. Die Bluse ist ein Traum, auch wenn der Sommer zu Ende geht, so zeitlos, dass sie in 10 Jahren noch tragbar ist, lg Anja

  7. Ich bewundere immer sehr, wie geschickt und kreativ du deine Second-Hand-Stoffschätzchen in wunderbar tragbare Stücke für dich verwandelst; immer eine tolle Inspiration.
    Und ich habe herzlich gelacht über deine kleine Stichelei wegen der Kaffepreise auf Sylt.
    LG von Susanne

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