Topform

Am Anfang war der Plan, aus meinem kostbaren Leinenstoff mit gelbem Hahnentrittmuster, den ich in Kyoto als Rest ergattert habe, ein Top mit Rüschenärmeln zu nähen. Sowas hier ->

In meinem Blogbeitrag über meine Nähpläne Ende Februar hatte ich dafür auch schon ein Schnittmuster vorgesehen, das Ruffle Sleeve Top, ein Freebook vom Peppermint Magazine. Lediglich den Ausschnitt wollte ich anpassen, denn V-Ausschnitte sind nicht so meins.

Da Ruffle Sleeve Top hat eigentlich einen V-Ausschnitt, aber das lässt sich ja problemlos ändern.

Weil ich den guten Stoff nicht versauen wollte, hatte ich mir überlegt, ein (eventuell auch tragbares) Probemodell anzufertigen. Dafür fand sich ein schon altertümlicher Stoff, ein ganz leichter Baumwollbatist, der seit einem guten Jahrzehnt bei mir herumliegt. Wahrscheinlich vom Maybachufer, ich weiß es aber nicht mehr. Blumenmuster find ich eigentlich schön, aber an mir… konnte ich mir irgendwie nicht vorstellen, außer als Futterstoff. Ich näh aber eigentlich nie was gefüttertes 😉 Also – warum nicht den Schnitt damit testen, ich dachte, das könnte das was werden, was ich vielleicht sogar anziehen würde.

Das Freebook bot diverse Größen von A-J. Keine Ahnung, ob das in Australien so üblich ist (das Magazin kommt von dort), ich musste aber die Maßtabelle befragen und habe laut dieser eine Größe D. Im Schnitt ist ein Teilfutter vorgesehen, aber das hab ich weggelassen und statt dessen den Ausschnitt (den ich von V- auf Rundhals geändert habe) mit schmalen Belegen versäubert. Das Modell ist weit und luftig, aber fällt schön – ich war super zufrieden mit der Topform! Also ran an den Hahnentritt.

Oh no, völlig verdrängt hatte ich die Tatsache, dass japanische Stoffe ja nur 110 cm breit liegen. Das sind 10 cm zu wenig für den Saumumfang des Ruffle Sleeve Tops. Es war ein Stoffrest, ein knapper Meter lang. Shit. Was tun? In der La Maison Victor Ausgabe 2/2018 gab es das „Rumer“ Top. Das ist sehr ähnlich aber deutlich schmaler geschnitten. Und tatsächlich – schmal genug für meinen Stoff!

Die Rüschenärmel von Rumer sind im Gegensatz zum Ruffle Sleeve Top nicht einfach gekräuselte Rechtecke, sondern haben eine leicht Bogenform. Dafür hat mein Stoff auch nicht gereicht, ich hab die Rüschen deshalb auch hier wieder aus Rechtecken gemacht, und zwar genau so lang und weit, wie mein Stoff noch hergeben konnte. Den Halsausschnitt habe ich weiter gemacht, dann braucht man auch keinen Reißverschluss und kann das Rückteil im Stoffbruch schneiden. Hier sind wirklich nur noch Schnipsel übrig geblieben! Yeah, Zero Waste! 🙂

Ich hab bei den LMV Schnitten sonst immer die Größe 36 genäht, aber hier eine 38 genommen. Die fand ich sogar etwas knapp an der Hüfte und ich hab deshalb die Seitennähte nochmal ein paar Zentimeter aufgetrennt und kleine Seitenschlitze eingebaut. So geht es halbwegs, aber ein bißchen mehr Weite hätte es vertragen können, wie man hier in der Rückenansicht sieht. Allerdings ist der Leinen auch eher steif und nicht so weich fallend wie der Batist.

Hahnentritt ist ja ein sehr klassisches Muster, ursprünglich in Schottland entstanden (Tweedjacken), bekannt wurde es durch Designer wie Christian Dior und Chanel in den 40er/50er Jahren und ist seitdem eigentlich zeitlos modern, meistens auch in schwarzweiß. Ich hatte das noch nie zuvor in Gelb gesehen, das wirkt finde ich viel weniger streng und klassisch.

So, jetzt macht es euch bequem, hier kommt die Modenschau:

Original japanischer Style mit Culottes – solche Looks sind mir in Japan massig begegnet und ich mag es sehr! Die Japanerinnen tragen gern auch noch hochhackige Schuhe dazu. Sieht spitze aus. Ist nur so unbequem…

Sommer, Sonne, Sonnenschein – mit der mintfarbenen Skinnyjeans sind beide Tops zu Gute-Laune-Outfits kombinierbar. (Übrigens passen Strickjacken mit Ballonärmeln tatsächlich drüber, wenn man sich reingefummelt hat)

Schick wirds mit den Paperbag-Waist Röcken. Die gelbe Kombi ist so schön, ich brauche dringend einen Anlass um sie auszuführen!

Ich liebe solche wandlungsfähigen Kleidungsstücke. Mit ordinären Jeans ganz normal alltagstauglich.

Es gibt sowieso nichts, das nicht zur blauen Stretchjeans passt und die hat mittlerweile schon Tragespuren an den Knien! Partner zur weißen Mikkaela sind schwieriger, aber das gelbe Top passt super. Mit dem Jeansmini ein Hauch von 70er Jahre Style.

Mein Fazit: ich mag die Luftigkeit vom Ruffle Sleeve Top lieber und finde auch das Muster angezogen gar nicht so schlecht. Aber das Hahnentritt Top ist der optische Favorit.

Verlinkt: Du für Dich, Sew Lala, Creative Lovers, #12ausdemstoffregal

11 Gedanken zu „Topform“

  1. Das Modell „Rumer“ im Heft habe ich mal wieder überblättert – es hat mich so gar nicht angesprochen. Das Model sieht für mich aus, als könne es sich in der Bluse nicht richtig bewegen. Deine beiden Blusen gefallen mir hingegen ausnehmend gut. Und toll, wie wanderbar mit all den anderen Kombipartnern.
    Tolle Fotostrecke!

  2. Hallo Kathrin,
    das sind zwei wirklich sehr schöne Blusen. Und mit der Culotte sieht es tatsächlich sehr japanisch aus! Ich war im Mai zum zweiten Mal in Japan und habe dort weite Hosen geshoppt, weil mir der Style der Japanerinnen so gut gefällt. Hohe Schuhe mag ich aber auch nicht dazu tragen. Ballarinas müssen reichen 😀
    Ein paar Stoffe aus Tokio habe ich auch noch als Urlaubsmitbringsel mitgenommen, den einen verarbeite ich gerade zu einem Herrenhemd. Das Problem mit den 110 cm Breite habe ich bei einem Stoff auch. Das sollte eine Bluse werden, aber jetzt bin ich nicht sicher, ob der Stoff reicht.
    Liebe Grüße
    Isabelle

  3. Gelber Hahnentritt – wie exklusiv! Und mit dem etwas verspielten Schnittmuster eine spannende Mischung. Die Kombi mir dem gelben Rock ist spitze. Da braucht es keinen Anlass, geh doch einfach damit raus, das ist Sommer pur. Jeans dazu geht natürlich auch immer…
    Liebe Grüße von Ina

    1. Exklusiv… stimmt, irgendwie färbt der Dior Glamour ab . Eigentlich hast du Recht, es braucht keinen Anlass um schick rauszugehen. Aber in meinem Kreuzberger Kiez würd ich mich etwas overdressed fühlen und beim durch die Stadt radeln auch.

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