Vom Blau machen

Wisst ihr eigentlich, was das „blau machen“ mit Stoff färben zu tun hat? Das ist eine interessante aber auch etwas unappetitliche Geschichte, die ihr hier nachlesen könnt. 😉

Ich hab in den letzten Wochen ziemlich viel blau gemacht. Erstmal bin ich in einen Kurzurlaub gefahren – ich war zu Besuch bei Freunden, die dort wohnen, wo andere Urlaub machen: am Vierwaldstätter See. Dort waren wir bei strahlend blauem Himmel wandern und haben die Aussicht genossen.

Dann hatte ich selbst Besuch, und zwar von meiner Mama. Die hatte sich gewünscht, dass ich ihr zeige, wie man Shibori färbt und da ich ja sowieso mit Indigo färben wollte dachte ich – warum nicht. Leider hab ich dann so kurzfristig keinen echten pflanzlichen Indigo beschaffen können. Die in Frage kommenden Läden in Berlin waren entweder geschlossen oder hatten es nicht vorrätig… dann hab ich bestellt und gehofft, es kommt noch rechtzeitig an.

Die Wartezeit haben wir überbrückt mit einem Nähabend für meine Nichte. Die sich nicht mit Sonnenschutz eincremen lassen mag und deshalb für den restlichen Sommer noch luftig-leichte Kleidung mit Ärmeln brauchte. Das Set, dass Sie zu Ostern bekommen hat, haben wir noch 2x genäht – die Tuniken (Schnitt Mollie, LMV) sind aus leichten Baumwollstoffen aus meinem Japan-Mitbringsel Bestand. Vom Gestreiften hab ich selbst ein Sommertop und der schöne Ikat lag noch unangeschnitten hier. Die dazu passenden Leggings hab ich gekürzt zur 3/4 Hosen, genäht sind sie aus Jersey Resten von Lebenskleidung.

Wir haben überlegt, womit wir das Streifenkleid etwas aufpimpen können, aufgesetzte Taschen z.B. oder Kontrast Schrägband oder Spitzeborte… ich hab so einiges ausprobiert und meine Mama kam schließlich auf die Idee, das bestickte Ausschnitt-Teil von Uromas Nachthemd (aus dem letzten Upcycling Projekt) zu applizieren. So hübsch!

Am Sonntag haben wir einen Ausflug in den Spreewald gemacht. In Burg war ein kleiner feiner Bauern- und Handwerkermarkt. Ein Stand verkaufte antike Haushaltswäsche und im „Grabbelkorb“ fand ich diese schönen handgestickten Stoffquadrate, die ich mir gleich geschnappt habe. Was draus wird, weiß ich noch nicht…. vielleicht eine Handtasche?

Im Museums- und Storchendorf Dissen gab es außerdem an dem Tag eine Ausstellungseröffnung zum Thema Blaudruck, ein kleiner Raum mit Exponaten aus einer privaten Sammlung von Blaudruck-Mode. Dazu Tafeln mit vielen interessanten Informationen zur Geschichte des Blaudrucks.

Neu war mir zum Beispiel die krasse Tatsache, wie zu Beginn des 17. Jahrhunderts versucht wurde, die Nutzung des indischen Indigos (Indigofera tinctoria) zu verhindern. Es war unter Androhung der Todesstrafe verboten! Damit sollte der Anbau des bis dahin verwendeten Färberwaids geschützt werden. Genützt hat es nichts, denn die Indigopflanze setzte sich durch für die Textilfärbung, bis Ende des 19 Jhdts. als das Chemieunternehmen BASF den synthetischen Indigofarbstoff entwickelt hat.

Shibori Färben

Irgendwann fiel mir ein, dass ich vor 2 Jahren in Japan (nachdem ich dort meinen ersten Shibori Workshop gemacht hatte) Indigo kaufen wollte und dort nach komplizierter Suche mit einem eher fragwürdigen Päckchen blauem Färbemittel im Gepäck abgereist bin. Der Verkäufer in einem Kreativkaufhaus sagte, es sei richtiges Indigo.

Aber ich weiß nicht…. lesen konnte ich die Anleitung natürlich nicht, aber die Japaner hatten eine kleine Bildergeschichte drin, mit deren Hilfe (und der Tatsache, dass die Zahlen für Mengenangaben das einzig Lesbare sind) haben wir ein Farbbad daraus hergestellt. Es ging sehr einfach: 1x blaue und 1x klare Flüssigkeit mit heißem Wasser und weißem Pulver zusammenrühren. Fertig. Und tatsächlich hat es auch gemacht was es sollte: nämlich blau.

Wir hatten einen guten Wettertag erwischt und konnten die „Sauerei“ deshalb draußen auf meiner Terrasse veranstalten. Im Buch „Indigo“ vom Haupt Verlag, das ich zum Geburtstag bekommen hatte, gibt es eine Seite mit Faltmustern für „Itajime“ Shibori, so nennt man die Technik, bei der man den Stoff faltet und zwischen zwei Holzstücke schraubt, was dann grafische, bzw. symmetrische Muster hervorbringt. Damit haben wir uns ausgetobt. Der Moment, wo man sein gefärbtes Stoffpäckchen auseinanderfaltet und sehen kann, wie es geworden ist, ist so spannend! (und macht auch ein bißchen süchtig…)

Auch Varianten mit Abbindetechnik (Kordel) haben wir probiert. Unser verwendeter „Stoff“ waren alte Bettlaken vom Flohmarkt. Meins aus Baumwolle, Mama hatte eins aus Leinen.

Für mein Minimalismus Faible musste aber auch noch eine ganz einfache Dip-Dye Färbung dabei sein. Die Farbschattierung entsteht indem man den Stoff während des Färbeprozesses immer ein Stückchen mehr aus dem Topf zieht und so die Farbe nach unten immer dunkler wird. Die Version rechts hat meine Mama gefärbt nach der „Kindergarten-Shibori“ Methode aus dem Buch. I love.

Danach war unser Farbbad erschöpft (und wir auch). Inzwischen war zwar auch das echte Indigo Farbpigment mit der Post eingetrudelt, aber da waren wir mit unserem Experiment durch und hatten genug gepanscht. Ich hab immer noch Respekt davor, eine richtige „Küpe“ anzusetzen und hoffe, es wird mir gelingen. Aber das passiert erst im nächsten Monat…

P.S.: Ines von Nähzimmerplaudereien hat das Buch „Indigo“ diese Woche ausführlich auf ihrem Blog besprochen.

Verlinkung: Creative Lovers, Handmade oT

12 Gedanken zu „Vom Blau machen“

  1. So wunderbare gefärbte Muster habt ihr hinbekommen – erstaunlich. Ich hätte mich an so etwas gar nicht rangetraut. Die Ideemit den einfachen Küchentüchern finde ich gar nicht schlecht: man hat sie jeden Tag um sich, nutzt sie viel und kann sich immerwieder dran freuen!
    LG Ina

  2. Ich habe letztes Jahr mit normaler Batikfarbe eine Tischdecke mit Servierten und Glasuntersetzern gemacht… nicht so ausgefuchst wie deine Färbekünste, aber ich liebe das Set und hab es schon oft gewaschen… hält! ,-) bin gespannt was aus deinen Tüchern und der stickerei wird!!! Toll! Lg Sarah (irgendwann können wir dann hoffentlich tatsächlich mal mit mehreren Kreativen in irgendeiner Form blaumachen… Daumen sind gedrückt!)

  3. Eure Shibori-Färbungen sind wunderschön geworden! Wie Ines schon schrieb, unsere Päckchen sahen von außen sehr blau aus, aber beim Auffalten kam dann die Überraschung, fast alles war weiß geblieben. Wir hatten wohl zu viele Faltungen, und der Stoff war auch ziemlich dick. Und, hast du schon eine Idee, was aus den Tüchern werden soll?
    Vielleicht triffst du mal jemanden, der Japanisch kann, und dir dann übersetzt, was auf der Tüte steht.
    Liebe Grüße Christiane

    1. Ich habe ja schon zwei kleine Shibori Kurse gemacht, einen in Tokyo und einen in Berlin bei einer Japanerin. Tipps, die ich beherzigt habe: die Farbe mit den Händen gut in den Stoff massieren, vor allem auch zwischen den Falten (natürlich mit Gummihandschuhen). Je dicker und steifer der Stoff ist, umso schwieriger wird das natürlich. Da sollte das gefaltete Päckchen auf jeden Fall erstmal in Wasser und sich vollsaugen, danach erst in die Farbe. Und mehrmals eintauchen, zwischendrin kurz an der Luft oxidieren lassen. Meine Tücher werden vielleicht einfach nur Küchentücher. Ich schau aber nach etwas Ruhezeit für die Farbe erstmal wie waschfest sie ist.

  4. Das „Blau“-Machen hat sich aber echt gelohnt. Die Tuniken samt Hosen sind sehr sehr süß und auch die Fundstücke. Und Deine Indigo-Färbereien sind echt gelungen! Wir haben wohl zuviel und zu fest abgebunden, denn der Stoff ist relativ weiß geblieben.
    Liebe Grüße
    Ines

    1. Danke! Schade, dass das bei euch nicht richtig geklappt hat. So wie es auf deinem Bild aussieht, waren die Pakete sehr kompakt und dick – da hatte es die Farbe wohl schwer, durchzukommen. Auch ärgerlich, dass soviel Farbe beim Auswaschen gleich rausging, das war bei meinem ominösen Färbemittel nicht der Fall, das blieb recht gut drin.

  5. Deine Färbe-Experimente sind VOLL SCHÖN geworden. Ich fürchte, ich muss mir das Buch auch zulegen. Gemeinsam Färben ist was Feines, und danke auch für den Ausstellungstipp. Ich kann’s kaum erwarten, wieder unbeschwert reisen zu können… Liebe Grüße, Gabi

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