Gruß an die Sonne

Meine Outdoor Yoga Einheiten im Park, meistens zur Sonnenuntergangszeit, haben wohl leider so langsam ihr Saison-Ende gefunden. Umso schöner, dass die Sonne am letzten Wochenende nochmal alles gegeben hat und ich mein neues Sport-Outfit draußen einweihen und fotografieren konnte.

Ich hatte schon Anfang des Jahres ein selbst gefärbtes Indigo Batik Yoga Outfit auf meine Nähliste (#makenine) gesetzt und wie letztes Jahr hänge ich meinem Jahresplan ziemlich doll hinterher. Hiermit sind 3 von 9 geplanten Projekten umgesetzt und es bleiben noch 3 Monate für 6 weitere Teile. Machbar, aber unwahrscheinlich 😉 Den Strickpulli werde ich noch angehen und die Unterwäsche, aber sommerliche Teile werden es wohl nicht mehr in meinen Kleiderschrank schaffen dieses Jahr. Obwohl ich jedes Jahr, wenn es kälter wird, über einen Zweitwohnsitz in südlicheren Gefilden nachdenke… also wer weiß?

Dafür habe ich mich mit den anstehenden Herbst-Nähplänen auseinandergesetzt. „Five for Fall“ – also fünf Teile für den Herbst stehen auf meiner Liste. Mal sehen wie viele davon noch unter der Nähmaschine landen, bevor es wieder wärmer wird… Die „Übergangsteile“ schaffe ich zeitlich irgendwie nie, erst ist es noch zu warm und wenn ich dann Zeit zum Nähen habe schon wieder zu kalt! Antizyklisches Nähen, also Monate, bevor man das dann anziehen kann, ist aber auch nicht mein Ding. Ein Dilemma. Aber ich bin diese Woche auch von einem zum nächsten Tag von T-Shirt auf Mütze umgestiegen. Das geht einfach zu schnell.

Doch jetzt noch ein paar Worte zu meinem Sport-Outfit. Den Jersey hatte ich Ende August bei meinem DIY Indigo Färbetag extra für dieses Projekt gefärbt.

Die Methode ist ganz einfach – man rollt den Stoff auf eine Schnur auf, die dann zusammengebunden wird. Ich habe den Stoff nur halb eingerollt, da der überwiegende Teil blau werden sollte. Die weiße Kante sollte unten sein an Waden und Knöcheln.

Ich habe ja schon vor 3 Jahren einige Yoga Outfits genäht und schnittmäßig einfach auf das Vorhandene zurückgegriffen. Den Leggings Schnitt mag ich sehr, wegen dem extra breiten Bund. Das Bustier hatte ich von einem gekauften Modell abkopiert und ich liebe die Rückenansicht mit den gekreuzten Trägern. Aber eigentlich wäre ein Schnitt mit Brustabnähern oder Teilungsnähten besser. Beim nächsten Mal werd ich das noch entsprechend abändern. Ich hab den Jersey gedoppelt (es waren übrigens Reste vom Leggings Stoff), aber hatte das Gefühl, dass das Material (95 %BW, 5% Elastan) trotzdem nicht genug Halt gibt (bzw. nicht genug Sprungkraft hat) und deshalb noch eine Einlage aus bi-elastischem Netzstoff mit vernäht, ähnlich Powernet, aber etwas dünner. Was genau das ist, weiß ich nicht, das gabs mal bei Karstadt.

Ich hätte ja am liebsten polyesterfreie Funktionskleidung, das scheint mir aber noch nicht so wirklich möglich zu sein. Ich hab deshalb mal bei Anbietern von Bio-Sportkleidung geschaut, was die so verwenden und bin dort auf Bio-Polyamid gestoßen (aus Rizinus-Samenöl). Das klingt doch wirklich interessant – ich hoffe sehr, dass ich es in absehbarer Zeit auch als Meterware irgendwo finden kann. Es wird auch für Strumpfhosen verwendet (plastikfrei), so eine werde ich wahrscheinlich bald mal ausprobieren – denn Feinstrumpfhosen werd ich sicher nicht selber nähen 😉

Eingefasst hab ich die Kanten des Bustiers mit einem schönen weichen Falzgummi, aus dem dann auch die Träger sind und unter der Brust habe ich einen Tunnelbund angesetzt und dort ein stabiles 30mm Gummiband eingezogen.

Damit man die hübsche Rückenansicht des Tops auch sieht, wenn man ein T-Shirt darüber trägt (ich geh ja nicht bauchfrei!), musste es natürlich ein Shirt mit tiefem Rückenausschnitt sein. Der Stoff ist ein reiner Leinen Strick Jersey – ein von Natur aus atmungsaktives und schweißabsorbierendes Material, perfekt also für ein Sportshirt (gibts hier).

Den Schnitt hab ich aus einer aktuellen Fashion Style Ausgabe. Das Heft wird seit einigen Monaten von Burda verlegt und vertrieben. Vorher war es die deutsche Ausgabe der holländischen Knipmode. Aber jetzt ist es offensichtlich die deutsche Version des französischen Fait Main Magazins. (Das gab es übrigens schon mal vor einigen Jahren und hieß „Lust auf Handarbeiten“). Burda behandelt die Zeitung äußerst stiefmütterlich, außer der Titelseite wird nichts weiter angeboten, keine Einzelschnitte, nicht mal eine Heftvorschau! Dafür muss man dann die französische Seite bemühen…

Eigentlich war das ein Schnitt für ein Etuikleid mit Ärmeln, die hab ich weg gelassen und den Saum auf Shirtlänge gekürzt. Die Brustabnäher hab ich auch weggelassen und Größe 38 fällt ziemlich weit aus wie ich finde. 36 hätte auch gepasst. Aber ich bin insgesamt sehr glücklich mit meinem Outfit, es ist so geworden, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Ich bin gespannt, ob beim Me Made Mittwoch heute schon mehr die Herbstkleidung überwiegt, oder ob ihr auch alle die Sonnenstrahlen ausgekostet habt, so lange es ging!

20 Gedanken zu „Gruß an die Sonne“

  1. Ein super Sportoutfit hast du dir gemacht, vielen Dankfür die ausführlichen Erklärungen und Tipps. Das Top gefällt mir sehr gut, die gekreuzten Träger sind ein schönes Detail.

    LG, Heike

  2. Dein Sportset hat mich sofort neugierig gemacht. Genau wie du suche ich nämlich noch nach einem Stoff, der nicht aus reinem Plastik ist. Bitte gibt also Bescheid, wenn dir das erwähnte Stöffchen mal über den Weg laufen sollte. Meine Leggings aus Baumwolljersey sind bequem, waschen sich aber alle schnell aus, leiern … da brauche ich definitiv eine Alternative.
    Genau wie du schaffe ich es auch selten, meine Pläne für eine Jahreszeit zu vollenden und bin eher unpünktlich. Als nächstes wird hier eine Regenjacke zugeschnitten, die wäre auch vor zwei Wochen schon sehr praktisch gewesen. Ich tröste mich dann immer damit, dass ja noch viele weitere Herbste/Winter/Sommer etc kommen und ich das Teil eben dann trage, und nicht in dieser Saison.
    Ich freue mich jedenfalls auf alles, was du fertigstellst – mag deine unaufgeregte und entspannte Art und deinen Kleidungsstil.
    LG

    1. Ich bin auch mal gespannt auf die Haltbarkeit meiner Teile und hoffe das Beste. Meine gemusterte, schon 2 Jahre alte Leggings, hält erstaunlich gut (wobei das wohl eher ein Viskosejersey ist), das hat mich motiviert, es einfach ausprobieren. Durch den extra eingezogenen Gummi am Bund oben ist auf jeden Fall keine Rutschgefahr, auch bei leichtem Ausleiern. Und herzlichen Dank für dein liebes Kompliment – hab mich sehr gefreut!

  3. Schade mit der Fashion Style, ich habe sie dieses Jahr auch kaum gekauft. Von Deiner selbst gefärbten Leggings bin ich schwer begeistert! Frage mich gerade, ob ich nun an die Nähmaschine oder auf die Matte gehen soll. Danke fürs Zeigen. Liebe Grüße Manuela

    1. Herzlichen Dank! Ich musste das grandiose Wetter einfach nochmal ausnutzen für die Fotos, in der nächsten Zeit wirds dann wohl wieder bloß Indoor-Fotos am Fenster geben…

  4. Wow, tolles Yoga Outfit und tolle Bilder!!! Ich bin sehr fasziniert von dem Ergebnis. Das Shirt (Kleid) finde ich total genial! Ich hatte mich schon gewundert, was mit der FashionStyle los war und habe sie dieses Jahr kaum gekauft weil ich sie nicht mehr so ansprechend fand, ich habe den „Bruch“ bemerkt, aber nicht verstanden. Also danke für die Erklärung dazu. Das Heft habe ich also leider nicht, aber zur Not weiß ich ja an wen ich mich wenden kann… 😉 LG Sarah

    1. Danke, Sarah! Das mit der Heftoptik hatte ich auch schon vorher gemerkt, aber offensichtlich wurde es dann bei dem Projekt, weil auf dem Schnittbogen „Fait Main“ drauf stand. Melde dich gern, wenn du eine Leihgabe möchtest :-*

    1. Weshalb ich meine Stoffkauf-Diät nicht durchhalten konnte…. der Leinenjersey hatte einen Webfehler und ich a) Mitleid und b) passte er einfach total perfekt zu meinem geplanten Sportoutfit.

  5. Tolles Outfit! Der handgefärbte Stoff ist natürlich der Hammer! Und das schlichte weite Shirt passt auch gut dazu.
    Interessant, wie die Zeitschriften hin- und hergetauscht werden…
    LG, Bettina

  6. Ein rundherum tolles Sportoutfit! Die Teile passen perfekt zusammen und ich bin ein bisschen neidisch auf den selbstgefärbten Stoff. Muss ich vielleicht doch mal selber ausprobieren 😉

    Liebe Grüße
    Julia

    1. Ich hab mal in Tempelhof einen Workshop gemacht, wo man eigene Stoffe mitbringen konnte. Studio LEM (im Moment ist glaub ich Elternzeit-Pause). Vielleicht wär das was für dich.

  7. Ein total stimmiges Sportoutfit hast du dir da genäht. Das gekreuzte Falzgummi im Rücken des Bustiers sieht toll aus. Aber besonders fasziniert bin ich von deinem hier nochmal verlinkten Beitrag zum Stofffärben mit Pflanzen.
    Liebe Grüße, Janine

  8. Sehr sehr cool! Dein Sportoutfit ist klasse und sehr gut durchdacht! Es gibt doch kaum eine Rubrik, die Frau nicht selber nähen kann (außer Strumpfhosen, da bin ich ganz bei Dir). Sehr schöner Stoff und man sieht wie gut Du dich darin bewegen kannst. Für Shirts bin ich inzwischen auch von den Polystoffen weg, die sind einfach nicht so angenehm auf der Haut. Vielen Dank daher für die Deine Stoffempfehlung. Alle Daumen hoch! LG Kuestensocke

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