Neue Lieblingsjeans

Vor einiger Zeit hatte ich mich ja ausführlich mit der Konstruktion von Hosenschnitten beschäftigt und eine Jeans nach Maß erstellt. Die hat mir super gut gefallen, tut sie auch noch, aber wisst ihr, wie unbarmherzig eine Maßjeans aus Denim OHNE Stretch ist, sobald man auch nur 1-2 kg mehr wiegt, als zum Zeitpunkt des Maßnehmens? Da mein Gewicht durchaus auch mal um 3-4 kg schwankt, ist diese Hose deshalb leider keine Lieblingshose geworden. Schade, sie hätte es verdient. Aber dauerhafte Gewichtskontrolle der Hose zu Liebe ist jetzt auch keine wirkliche Alternative. Ich trag sie auch ab und zu, wenn ich darin Luft kriege.

Ich hatte zunächst vor, den Schnitt, dessen Erstellung ja nun viel Arbeit gemacht hat, einfach aus Stretchstoff nochmal zu nähen, aber dann ist mir eingefallen, dass das wohl zu einfach gedacht ist – und ich den Schnitt vermutlich entsprechend der Dehnbarkeit des Stoffs anpassen müsste. Aber wie und was ändern? Wie man gradiert, weiß ich leider nicht und einfach ohne Nahtzugabe zuschneiden an den entsprechenden Stellen schien mir auch ein bißchen riskant.

Hm. Vielleicht sollte ich einfach mal den Schnitt Ginger Jeans nähen, die Hose sieht zumindest bei anderen immer super aus. Okaaaay, aber mal ehrlich – sieht die Ginger Jeans nicht fast so aus, wie die Hose, die ich hier schonmal genäht habe? Der Schnitt war von einer gut passenden Kaufhose abgenommen.

links ist die Ginger Jeans, rechts mein eigenes, abkopiertes Modell – Ähnlichkeiten rein zufällig.

So genau betrachtet, macht es wohl keinen Sinn, ein neues Schnittmuster zu kaufen, vor allem wenn das bereits genähte nicht nur ähnlich ist, sondern auch eine schon erprobte Passform hat.

Den Schnitt von einer Hose zu abzukopieren ist auch ein bißchen Aufwand, aber ich finde es lohnt sich – denn wie gesagt, man weiß ja schon dass die Passform stimmt und muss nicht nachher noch tausend Anpassungen vornehmen. Auf Youtube gibt es eine recht ausführliches Tutorial wie man das macht mit dem Kopieren auf englisch – vielleicht hilft es ja jemandem.

Ich habe interessehalber den Maßhosenschnitt mit diesem Schnitt verglichen – mit dem Erkenntnisgewinn, dass der Kaufjeansschnitt doch deutlich schmaler ist und auch eine interessante Asymmetrie hat, die mir vorher nicht bewusst war – die Vorderteile sind extra schmal und die Seitennähte somit vorverlegt. Vielleicht bild ich mir das auch ein, aber ich habe den Eindruck, dass tut was für die schlanke Linie 😉

Die neue Jeans sollte definitiv eine oft getragene Lieblingshose werden, also entschied ich mich für den bewährten Schnitt und konnte dadurch auch schneller loslegen.

Hier mit einem der wenigen verbliebenen gekauften Tshirts. Aber es hat schon Löcher… wenn es hinüber ist, werde ich das Herz aus Spitze retten und auf ein neu genähtes Shirt nähen. Herztransplantation quasi… 😉

Auch wenn die letzte Jeans nun doch schon vor über einem Jahr auf meinem Nähtisch lag, inzwischen muss ich nicht mehr in Anleitungen schauen, sondern weiß, was zu tun ist. Wichtig ist, vor allem beim Absteppen schön sorgfältig zu arbeiten. Ich habe hier extra Jeansgarn (30er) für die Zierstiche verwendet, das hat zwar manchmal auf der Unterseite Knötchen gebildet, aber alles im Rahmen. Vermutlich hätte ich was mit der Fadenspannung machen müssen… oder eine andere Nadel ausprobieren.

Auf Nieten hab ich bei dieser Jeans verzichtet. Ich war auch unsicher ob die auf dem elastischen Stoff halten oder verstärkt werden müssten – mir sind nämlich schon bei den unelastischen Hosen Nieten rausgefallen…

Ich habe eine Second-Hand Levi´s Jeans, die ist mega elastisch und trägt sich deshalb fantastisch. Außerdem entsteht dadurch keine Speckrolle am Hosenbund, denn der Bund dehnt sich mit…. davon inspiriert hab ich den Bund meiner Hose mit elastischem Vlies verstärkt, so dass er auch dehnbar bleibt. Ich hab jedoch den Verdacht, dass sie sich jetzt nicht gut ohne Gürtel tragen lässt und rutschen könnte. Was aber eine untergeordnete Rolle spielt, da ich ohnehin eigentlich immer Gürtel trage.
Der Schnitt hat vorne keine echten Taschen, was ich ganz gut finde, denn diese drücken sich bei so engen Hosen ja doch immer unschön durch. Aber der Fake ist gut, oder?

Hier sieht man auch die nach vorn versetzte Seitennaht
Ich bin mit der Passform, insbesondere durch den dehnbaren Bund, sehr zufrieden

Der Stoff war entweder vom Maybachufer oder von Karstadt, das weiß ich leider nicht mehr. Aber er hat einen guten Stand, angenehmen Stretchanteil, leiert fast nicht aus beim Tragen und blutet auch nicht schlimm aus.

Herausgekommen ist ein absolut tolles Basisteil für den Alltag. Im englischsprachigen nennt man sowas „wardrobe staple“ – gibt es dafür eine deutsche Bezeichnung? Ein Teil, das man ständig anzieht, weil es zu allem passt und bequem ist. Da ich die Hose als Bestandteil meiner Winter Capsule Wardrobe geplant hatte, hier die Looks mit den bisherigen Oberteilen der Kollektion:

1. Streifen Colorblock Shirt / 2. Schrägstreifen Shirt / 3. Sofia Wickelbluse / 4. Herrera Sweater

Die Capsule Wardrobe geht gut voran, bis zum Frühlingsanfang soll alles fertig sein, damit ich mit der Frühjahrskollektion weiter machen kann. Vielleicht schaff ich das noch.

Strickjacke, Bikerjacke und Patchworkjeans sind parallel in Arbeit…

Verlinkt: Me Made Mittwoch, After Work Sewing, Sew La La

32 Gedanken zu „Neue Lieblingsjeans“

  1. HAMMA!!! Die Hose sitzt perfekt! Ich habe noch nie eine Kaufjeans gefunden, die sooooo gut sitzt, was aber an meinen Proportionen liegt (Hüftumfang ist deutlich größer als Taillenumfang). Ich muss bei gekauften Jeans immer ein Gummizug in den Bund einziehen, sonst steht er meilenweit ab.
    Deshalb würde ich mich auch gerne mal daran wagen eine Jeans zu nähen, habe mich aber noch nicht getraut. Mal schauen, vielleicht fange ich mit einem ganz schlichten Schnitt mal an.
    LG
    Natalie

  2. Hallo Kathrin,
    wow, die Hose ist der Hammer! Sieht aus wie gekauft! Ich überlege auch schon lange, mal eine Jeans zu nähen, aber mir graut vor den Schnittanpassungen. Vielleicht führe ich mir doch mal den Makeristkurs zu Gemüte 😉
    Liebe Grüße
    Isabelle

  3. Die ist echt toll geworden und sitzt wirklich fantastisch! Ich wollte auch schon länger einmal eine Hose von einer gekauften abnehmen, aber mir hat bis jetzt immer die Motivation gefehlt, nach einem im besten Fall bewährten Schnittmuster ist dann doch vermeintlich einfacher (obwohl ich jedes Mal fluche, weil ich doch noch etwas anpassen muss ^^)
    Mir ist schon bei einigen Schnittmustern aufgefallen, dass die seitl. Beinnähte etwas nach vor gezogen werden, ich dachte immer, das liegt vll. daran, dass sich Hintern, Waden und der Oberschenkel auch ein wenig mehr nach hinten wölben, aber dass es schlanker macht, ist auch eine gute Theorie 😉

    Ganz liebe Grüße
    Iris

    1. Ich glaub „vermeintlich“ ist da richtige Wort. Man fürchtet auch, irgendwas falsch zu machen was Leute, die ein Kaufschnittmuster herstellen, richtig machen und vertraut dann lieber denen. Obwohl einen Schnitt von einer gekauften Hose zu kopieren vom Aufwand auch nicht mehr ist, als ein A4 eBook auszudrucken, Ränder abzuschneiden und alles mühsam zusammenzukleben.

  4. Mensch Kathrin, die Hose ist wirklich der Kracher. Schön, dass du die Details so genau beschrieben und fotografiert hast, das macht richtig Lust auf eine eigene. Danke für den Tipp mit der Kopier-Anleitung. Das macht sicher nicht dümmer…
    Viele Grüße, Meike

    1. Vielen Dank, Meike! Den Schnitt abnehmen ist gar nicht so schwer, ich glaube die Stoffwahl ist letztlich das Entscheidende – denn wenn der Stoff deutlich mehr oder weniger elastisch ist als die Originalhose, hilft auch die Paßform auch nicht mehr wirklich.

    1. Vielen Dank! Ich ändere ja gerade mein Nähverhalten von – „nach Lust und Laune“ zu einer geplanten und vernetzten Garderobe und muss sagen, dass sich das wirklich auszahlt. Die Sachen passen zusammen, werden meist nach Bedarf genäht und ich versuche auch, nur noch Teile zu produzieren, die das Potential zum Lieblingsteil haben. Wenn diese Pläne aufgehen, macht mich das total glücklich.

    1. Da es nicht meine erste genähte Jeans war und der Schnitt schon erprobt, war es in dem Fall gar kein so viel Geduld erforderndes Projekt. Und ich bin so motiviert auf dem Weg zum fast 100% selbstgenähten Kleiderschrank, da gehören Jeans ja auch dazu! Es ist ja übrigens auch nicht leicht, so eine super sitzende Jeans in einem Laden zu finden… da braucht es auch Geduld

    1. Was soll ich sagen- wo du Recht hast…. 😉 okay, jetzt nach fast einer Woche tragen gibt der Stoff natürlich schon ein bißchen nach, aber das hab ich noch bei keiner Hose anders erlebt.

    1. Dankeschön! Jemand hat mal zu mir gesagt „dir steht aber auch alles“ – aber das stimmt keinesfalls! Ich hab nur rausgefunden, was mir nicht steht und ziehe entsprechend nur solche Teile an, die gut zu mir passen. Seit ich meine Kleidung komplett selbst nähe und mich darin fotografiere, hat sich da mein Blick sogar nochmal verschärft.

  5. Das Projekt „Lieblingsjeans“ ist dir absolut gelungen! Die Jeans sitzt top! Das Thema beschäftigt mich ja auch schon eine Weile. „Ginger“ passt mir super, ich finde es aber ausgesprochen schwierig, die Elastizität des Stoffs einzuschätzen…

    1. Das kann ich verstehen. Ich kaufe meinen Stoff immer erst nach Anfassen und Befummeln und zuppel dran, um die Dehnfähigkeit zu testen, aber 100% sicher war ich mir hier auch nicht, dass er nicht ausleiert.

    1. Ich sag mal so: es geht jedenfalls schneller, als einen Maßschnitt zu erstellen. Und es ist weniger frustrierend, als einen Kaufschnitt zu probieren, bei dem es dann vorn und hinten nicht passt und man nicht weiß, was man ändern muss.

  6. Deine perfekt sitzten Hose ist einfach der Kracher! Wow! Der Stoff ist super – da ist die Wahl auch nicht immer einfach. ich will mir im Frühling auch eine jeansähnliche Hose nähen, aber sooo figurbetonte Schnitte tragen ich nicht – da ist das Anpassen der Schnitte auch gleich viel einfacher 😉 LG Kuestensocke

    1. Das stimmt, ich habe auch am Rande mitbekommen dass die „Skinny“ Jeans jetzt nicht mehr so in sind, dafür weite Hosenbeine… ich mag beides und werde mir fürs Frühjahr auch eine weite Hose nähen. Aber diese hautenge Jeans ist wirklich fast so bequem wie eine Leggings, der Stoff war genau richtig für das Projekt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.